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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Umgang.

lieben, ohne daß eine Unkeuschheit dahinter steckte oder unnatürliche Laster daraus cstünden; es bleibt vorerst noch bei Liebesbriefen und andern Liebeszeichen, nainentliauch mit Zugabe eifersüchtigen Schmollens und häufiger Versöhnung. IM ^darum, weil möglicherweise doch jene schlimmsten Folgen eintreten können, muß derErzieher derlei Erscheinungen scharf beobachten, und wenn der gefährliche Momeiidroht, lieber eine Entfernung aus dem Institut verfügen; sondern eS bringen derleDinge auch so große Störungen in das Gemüth der Betheiligten wie in das harmlosZusammensein, daß Warnungen, die das Scham- und Ehrgefühl gegen die LeidensLni'aufrufen, zeitig unter vier Augen gegeben werden müßen.

Der Erzieher muß aber den Zögling auch lehren, den Umgang so zu pflegen, diderselbe die ihm zngeschriebene segensreiche Wirkung ausüben kann. Denn der klingmist eine Kunst, die man lernen kann; und wenn wir auch diese Lehre nicht, wie treffenüber KniggesUmgang mit Menschen" gesagt worden ist, in einen Kleinhandel mitUmgangsregeln auflösen, weil eine edle Grundgcsinnung, verbunden mit Bildung u>HErfahrung jeden das Beste lehrt: so kann doch in diesem, wie in vielen andern Stückedie Einsicht und Erfahrung, die der Erwachsene gewonnen hat, dem Anfänger niiklisein. Wir können uns auf folgendeUmgangsregeln für die Jugend" beschränken!

1) Man muß nicht hastig, dem ersten Eindruck folgend, solch ein Band knüpfender vertrautere Umgang muß sich allmählich von selbst bilden. Aber eben darum isauch schneller und häufiger Wechsel vom Uebcl; wie er eine gewiße Charakterlosigkeschon vorausseht und verräth, so verstärkt er dieselbe; mit einem Menschen, der allAugenblicke wieder andern Umgang hat, mag zuletzt kein Rechtschaffener mehr umgehn

2) Offenheit ist wohl das beste Mittel, um Zutrauen zu erwecken, aber sie istetwas anderes, als das unbedachte Heraussagen von allem, was einem in den Sinkommt. Also einerseits Behutsamkeit in der Mittheilung der eigenen Gedanken, andereseits aber auch möglichste Vermeidung dessen, was verletzen kann, wo wir doch nichtberufen sind, strafend oder demüthigend aufzutretcn: beides ist eine Grundbedingu»für die ungetrübte Erhaltung eines erwünschten Verhältnisses.

3) Umgekehrt aber muß auch der Neigung zur Empfindlichkeit (s. d. Art.) eichgegengetreten werden. Es giebt eine, freilich nicht mit Worten zu bezeichnende Grenz'bis zu welcher man auch Unangenehmes muß ertragen können, um nicht aus jederBagatelle einen ousus belli zu machen, oder tagelang zu schmollen, ohne daß der ver-meinte Beleidiger nur weiß, was er verbrochen haben soll. Ist aber eine Verstimm»»cingetreten, so sind viele der Meinung, jeder solche Span müße durch einen förmlicheAct der Satisfaction ausgctragen werden; und weil es aus irgend einem Grunde dazu,nicht kommt, so entsteht oft aus vertrautem Umgang bittere Feindschaft. Sobald nur.sich überzeugt hat, daß die Beleidigung nicht beabsichtigt oder doch nicht so böse gmeint war, daß die eigentliche Herzensgesinnung des andern unverändert ist, so ists stviel edler und zugleich klüger, weder Abbitte zu verlangen noch eine Versöhnungssce»^zu arrangiren; das einfache Vergessenkönnen ist auch eine edle Gabe und Kunst, dieim Leben über viele Anstöße hinweghilft.

4) Wenn nur der eine Theil activ sich verhält, der andere aber stets passiv b!so ist das dem Wesen und Zweck alles Umgangs zuwider; es giebt aber in Wirklichkeit schon unter Knaben und Mädchen solche zum Dominiren geneigte Naturen, disich dann gerade solch willenlose Geschöpfe zum Umgang suchen, die dann auch sock,während den andern Theil Hofmeistern: beide Theile werden dadurch sittlich verdorbciiHalten sich aber beide selbständig einander gegenüber, dann wird aus der Meinung»differenz leicht förmlicher Streit, und wenn auch täglicher Disput manchmal die gegenseitige Anhänglichkeit nicht aufhebt, so ist doch das ewige Keifen kein Schmuck und keiSegen des Umgangs. Es ist in dieser Beziehung zweierlei zu beachten. Erstens gebemanche sonst gut geartete Individuen namentlich in gewißen Lcbensperiodcn manchfreilich auch .bis ins Alter und bis aufs Sterbebette einen Widerspruchsgeist z.erkennen, dem es unmöglich ist, etwas, was ein anderer sagt, unbezweifelt oder umwidersprochen zu lassen. Das ist, aus welcher Quelle cs auch stammen mag, immereine böse Angewohnheit, die einem die Wahrheit wie den Frieden liebenden Gemütden Umgang mit solchen Personen gründlich verleidet. Wo sich beim Kinde schon diesNeigung zeigt, oder wo sie der Gymnasiast oder das Jnstitutsfräulein mit nach Hache