Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
1057
Einzelbild herunterladen
 

Turnen.

1057

Men NamenGelenkübungen" insofern umgestaltete, als sie dabei den Armen eine größereMengung zumuthen durch Hinzunahme von eisernen Hanteln und mit einem meter-linzm Eisenstabe von 34 Kilogr. Schwere und etwa 7 Millimeter Durchmesser,ssne größere Reihe von Hantelschwüngen nach ihren Wurf-, Hieb-, Schlag- und Stoß-Kigkeiten bilden zunächst die Aufgabe des Jägcr'schen Turnens, bei dessen Nebungs-simkn aber sehr bald der Eisenstab als stetiger Begleiter des Turnschülcrs, auch beim«ws, Sprung und Wurf, eine Hauptrolle übernimmt. Für Jäger ist dieser Eisen-Ä ein Belastungs-, Wurf- und Fechtgeräth, das zu einer waffenartigen HantirungMischen ist, damit man mit Zuhülfenahme von vielerlei Lagen, Tritten, Schritten,Labungen, Gängen und Sprüngen überaus bildende fecht- und exercirmäßige Ilebun-vornehmen könne. Den Eiscnstab soll sich der Turnschüler als die künftige Mannes-Nhr vorstellen, mit deren Hülfe er für die wirkliche Waffenführung vorbereitet wird.

Es sind diese Eisenstabübungen in militärische Formen gekleidet und an ein gleich-mßiges Commando in 16 Zeiten für den Wechsel von Links- und Rcchtsschultcru ge-kntm. Die damit vermittelte Gleichseitigkeit der Körperübung hat offenbar großekvrtheile, und die mit den Stabübungen verbundenen Fechtstellungen gewähren reicheUczenheit zu einer durchgreifenden und energischen Turnbildung. Deshalb haben sichhfl Jägcr'schen Hebungen überall eingebürgert, und in vielen Turnanstaltcn fandenß um so lieber Aufnahme, als sie sich auch vielfach spießisch verwerthen lassen. Jeden-D liegt hier eine willkommene Bereicherung des turnerischen Uebungsstoffcs vor. Vonda Vorliebe zum altgriechischen Pentathlon geleitet, nahm Jäger dazu noch den Lauf,Lpnmg, Weit- und Zielwurf und das Ringen in seine Turnschule auf. Doch konnte«i sich weniger befreunden mit der Ausschließung oder Zurücksetzung der innerhalbda deutschen Turnschule besonders gepflegten Geräth- oder Gerüstübungcn, und erst die,me" Turnschule hat dafür eine Ergänzung geboten, indem sie außer den Haupt-ßmgen im Stehen und Gehen, und jenen 5 angeführten Turnarten, noch ein CapitelM Klettern" beifügt, um den turnerischen Bewegungen im Stande und auf ebenerlüde gegenüber auch der wohlbegründeten Forderung des Gerätheturnens gerecht zulmdm.

Die Einwändc, welche sonst noch gegen die Jäger'sche Turnschule erhoben wurden,kzikhen sich namentlich auf die übertrieben stramme und straffe Behandlung derfimischnler für den Zweck einer militärischen Fachbildung, womit Lehrern und SchülernM freie Bewegung und die Fortentwicklung der Hebungen abgeschnitten werde. ZurZeit sind die Erörterungen über die Jäger'sche Turnschule noch nicht zum AbschlüsseFracht worden; allein so viel steht fest, daß wir hierin den neuesteir und höchst be-chtungswerthen Versuch zu erblicken haben, dem deutschen Turnen eine stichhaltigeEmndlage zu sichern.

Wenn die Jäger'sche Turnschule ihrer Tendenz und Verfassung nach zunächst nichtMgiiet ist, auch für den wichtigen Zweig des Mädchenturnens Resultate zu erzielen,P giebt uns das die äußere Veranlassung, hier das Capitel vom Turnen derMädchenschulen zu berühren.

Heutzutage ist die Frage:ob auch die weibliche Jugend an den TurnübungenWehmen soll?" aus Gründen der Nothwendigkeit und Zeitgemäßheit von Aerzteu«d Pädagogen entschieden bejahend beantwortet, und es dreht sich nur noch darum,« Gesichtspuncte zu bezeichnen, unter denen das Mädchenturnen aufzufasscn und me-Wch durchzuführcn ist.

Die rationelle Turnkunst hat die Ausscheidung der Turnartcn für Mädchen mit«Gcht auf die weibliche Organisation und weibliches Wesen bereits vollzogen, undksWch Me unweiblichen Turnübungen, energische Streckungen, Weit- und Hochsprung,«Barren-, Reck- und Kletterübungen, wie sie von Knaben getrieben werden, aus demMiele der weiblichen Turnkunst entfernt. Erst durch die Spieß'schen Reformen desUniens überhaupt war dasselbe auch für Mädchenschulen brauchbar geworden. Dar-sE >md die ausgewähltcn und gefälligen Formen der turnerischen Frei- und Ordnungs-'mgeii der Spieß'schen Turnschule vorzugsweise geeignet für weibliches Turnen. Denn«hier auftretenden leichten Bewegungen der Arme, Füße, Beine, des Rückgrates und-HMu, in Verbindung mit allerlei Gang- und Schrittweisen und angemessenen''"1, Hüpf- und Springübnngen in vielseitiger und schöner Gestaltung sind ganz ge-

Handdu». II. 67