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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Turnen.

die Einzelnen turnen der Reihe nach die ihnen vorgeturnte Uebung nach, sondern dasGemeinturnen soll möglichst zur Anwendung kommen. Darum beherrschen Raumund Zeit die Turnübungen, wodurch dieselben zugleich ein geistiges Exercitium werdeDie Turngeräthe wurden mehr nach den Bedürfnissen der jüngeren Altersstufen >,gewandelt.

Spieß ist nach alle dem der pädagogisch-scholastische oder auch ästhetische T»rreformator geworden, und die Bedeutsamkeit seiner Methode gilt gegenwärtig für alleSchulturnanstalten Deutschlands als maßgebend. Mit solch didaktischer und metbbischer Umgestaltung des Turnens für Schulzwecke soll jedoch keine militärische Turschule in Reih und Glied gegeben oder der Drillerei Vorschub geleistet werden. Teuan die systematische und kunstgemäße Tnrubildung schließt sich ebenfalls die freie Turkür, wie auch der Lust der Jugend an munterem Spiel und fröhlichem Reigen Raui^bleibt.*)

Man hätte nun meinen sollen, daß Spieß mit seinen weittragenden ReformenSchulturnwesens seiner Zeit genug gethan habe, da es vollauf zu thun gab, nach dmgegebenen Anweisungen die Turnarbeit an jedweder Schule des deutschen Vaterland!erfolgreich zu betreiben.

Allein es kam nock dazu eine weitere Bewegung zur Hebung des Turnwese,Hwelche von vr. O. H. Jäger (geb. 1825) in Stuttgart ausgieng, der mit eiiiGwahren Feuereifer das Turnen der Schulen unter neue Gesichtspuncte zu stellen und dich'nach auszugestalten unternahm. Der Turnlehrcrwelt war Jäger schon durch seineGvLnastik der Hellenen" bekannt; jetzt trat er noch mehr in den Vordergrund durch diebeiden Schriften:Turnschule für die deutsche Jugend. Leipzig, L. Keil l8KttundNeue Turnschule. Mit 44 Holzschn. Stuttgart, 1876."

Beide Schriften stehen im ganzen zu einander in etwas losem Zusammenhänge,und dieneue Turnschule" ist keineswegs als eine neue Auflage der ersten, vielmehrals ein ganz neues Werk anzusehen, obgleich dieTurnschule" fast aus mehr Zetfständnis rechneu kann, als dieneue Turnschule," deren Studium schon durch eineungewöhnliche Sprache und Schreibweise erschwert wird. Denn es ist dem einfachen-Lehrerverstaude viel zugemuthet, aus solchen Sätzen, wie z. B. S. 8:Und Hab'ich euren Jungen nur erst auf rechten Sprungtritt und bei der Hand und rechteUHandrührung schon im Stehen, Gehen, Laufen, Springen selbst, so daß drin vorspringtauch rechte Ohrensprizung, rechter Augenaufschlag, rechte Rüsternhebung, rechter Hirn-'und Hcrzlupf und Lungen- und Zungenlupf, dazu allerlei Kameradengleichkampf, -wctt-kampf, -spielkampf, -ringkampf und stets auch -beisprung; ei, so denk' ich: den hat'sfdasRößlein hat seinen Reiter, dieser sein Schwert locker in der Scheide; dasWeitcGdas Beste, bringt die Zeit, das Leben, höhere Lehrerschaft" sich das Verständnisder Jäger'schcn Turnlehre zu erholen. Es ist darum bedauerlich, daß durch mimsolchen Ueberschwank in Gedanken und Worten die höchst achtungswerthcn TurnbcstrIbringen des für seine Aufgaben begeisterterstVerfassers so wesentlich beeinträchtigt werdeO

Die Stellung Jäger's zur Spieß'schen Turnschule charakterisirt sich wesentlich da-mit, daß ihn die dort eingeschlagene Richtung die Strenge und deir Ernst, die inäimDwürdige Richtung des Turnens auf die Wehrhaftmachung des Volkes vermissen lasse».Wenn Spieß sich bei seinen Maßnahmen von allgemeinen pädagogischen und ästhetische»Principien leiten ließ, und so auf eine künstlerische Ausgestaltung des Turnens mitjenem heiteren Ausdrucke der turnerischen Schreitungen und dein belebenden rhythmi-schen Gepräge der Bewegungsformen kam, so erschien das in Jäger'schem Sinn mehrals tändelnde Spielerei, welcher gegenüber ein festerer Ton angeschlagen werden nmße,um die Beziehung des Turnens auf die Mannszucht und dieErnstlichkeit" der^ruwÜbungen in ihrer Bedeutung für alle Aufgaben des Lebens, namentlich im Dienste;des Vaterlandes, zur Geltung zu bringen. Das nächste Vorgehen Jägers bestand mmdarin, daß er die von Spieß so erfolgreich eingcführtenFreiübungen" unter dem m-

*) Ich empfehle der allgemeinsten Beachtung die nachdrückliche Mahnung zur Pflege der l -liehen Wirkung des Turnens besonders in den Turnspielen von einem der ersten SchuimaPreußens, dem Schulrath Schräder, in dem Buch: Die Verfassung der höheren LH(Berlin 1879), S. 18. Schnnd-