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Toleranz.
sondern niedergehalten (s. d. Art. Selbstgefühl), so wird er sich auch nicht „ach dmLSeite entwickeln; flöße ich demselben den unbestechlichen Rechtssinn ein, der dem Nebei^Menschen das Recht, er selbst zu sein, ebenso bereitwillig einräumt, wie wir selber ezfür uns in Anspruch nehmen, so wird auch der Glaubcnseifer an diesem Rechtstets seine feste Schranke haben.
2. Aber auch jene dogmatischen Scrupel dürfen wir doch nicht bloß ignorircnwir müßen unsre Zöglinge befähigen, über dieselben mit klarer Erkenntnis Herrwerden. Da ist denn im Arige zu behalten, daß der Protestantismus niemals an di-4äußere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirchengenossenschaft das Heil der Seele a,Kunden hat. Wenn ferner unsre protestantische Kirchenlchre sagt: nur der Glaube istzder selig macht, so ist zwar eine Zeit lang dieser seligmachende Glaube allzusehr idc»tificirt worden mit der Glaubensformel; allein unter dem Einflüsse des Pietismusder die fromme Gesinnung, den rechten Herzcnsglaubcn statt der Rechtgläubigkeit alsHauptforderung geltend machte, hat sich der ursprüngliche Sinn jenes protcstantisSeiijHauptsatzes wieder klar herausgeschält, wonach er bedeutet, daß die christliche Gesiiminilden Werth des Menschen vor Gott bestimmt, also die Bedingung seines Heils istDaraus entspringt nun zunächst die interconfessionelle Toleranz, die sich auch deandersgläubigen Christen gegenüber in dem Grundsatz ausspricht: Wer Christum liehat, der ist mein Bruder. Damit ist keineswegs der Unterschied der Confessionen fürbedeutungslos erklärt; ich werde meinen Konfirmanden vielmehr deutlich machen, daßes z. B. auch dem Katholiken nicht unmöglich sei, eine solche Herzensstellung zu Geltund Christus zu gewinnen, aber daß ihm seine Kirche gerade diese Hauptsache erschwer'
— Legen wir nach Obigem der Toleranz das Princip unter, daß man jeden Christenur nach dem sittlich-religiösen Werth seiner Gesinnung beurtheilen und behandeln sollso müßen wir freilich zugestehen, daß der Begriff: Gesinnung, christliche Gesinnung aneiner gewißen Unbestimmtheit leidet. Aber wenn auch mit Gesinnung und GesinnnmsZtüchtigkeit ein heilloser Misbrauch getrieben werden kann — einen andern MaßstMhaben wir nun einmal nicht als den sittlichen. Dieser kann, wohlgemerkt, da nichtausreichen, wo es sich um kirchliche Ordnungen handelt; wo cs sich dagegen, wie inunsrem Artikel, um den Privatverkchr Handelt, um den toleranten Sinn, der der JugenHsoll eingcflößt werden, da ist in der That der einzige Maßstab, den wir ihr in dieHände legen können, der sittliche; gegen das Schlechte, Niederträchtige, Gemeine, llmwahre soll unsre Jugend intolerant werden, aber wo sie rechtschaffene Gesinnung warnimmt, da soll sie menschlich mit dem Menschen verkehren lernen. Haben wir diessGesinnung oben als christliche bezeichnet, so scheint damit freilich der Jude, der Mohamedaner, der Heide vom Genüsse solcher Toleranz ausgeschlossen zu sein; allein -und hiemit treten wir noch über das Gebiet der interconfessionellen Toleranz himu
— das überhaupt ist christlich, den sittlichen Maßstab auch in dem allgemein mensch-,lichen Verkehr anznlegen, d. h. in jedem Menschen den Menschen zn ehren und zu lieben,die in jedem vorhandenen Berührungspuncte herauszufühlen, sich ihrer zu freuen und?dadurch einen freundlichen Verkehr zwischen Mensch und Mensch möglich zu machen^
3. Wer der Wahrheit seines Glaubens vollkommenen gewiß ist, der wird rick-toleranter sein, als, wem diese innere Klarheit fehlt. Die Unfähigkeit, über die Wahr-heit des eignen Glaubens vernünftige Rechenschaft zu geben, während man durch daS-Vorhandensein abweichender Meinung zu solch einer Rechenschaft sich doch, wenn auAnur stillschweigend, aufgefordert sieht, erregt am allermeisten Zorn und IngrimmHieraus ergicbt sich die pädagogische Regel von selbst: indem du deinen Zögling seineGlaubens gewiß machst, machst du ihn zugleich tolerant; weil er keinen Andersgläubigen zu fürchten braucht, braucht er ihn auch nicht zu hassen.
4. Die alten Theologen haben unter den Glaubenssätzen sogenannte Fundamenteartikel von andern, nicht fundamentalen, also immerhin disputabeln Artikeln unterschiedenDem denkenden Christen kann allerdings nicht entgehen, daß 1) in der heiligen Schnsselber manche Lehrpuncte auffallend zurückstehen; und 2) daß verschiedene dogmtische Formeln doch nur ein menschlicher, aus bestimmter Zeit stammender Versuch,!sind, einer religiösen Intuition, einem frommen Gefühl einen vor Misverstand schützend»Ausdruck zu geben, ohne daß dieser doch die Sache in einer für alle Zeiten genügenden.Form ausdrückte. So sollte denn auch die Erziehung dem Kinde, die Katechese