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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Toleranz.

Tugend.

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kitcchumenen das Gefühl bcibringcn, daß z. B. wer von der Höllenfahrt Christi eineMe Ansicht hat, als Luther, darum nicht ein Ungläubiger ist. Aber der Katechet«lte nicht wohlthun, zu sagen: Dieser Artikel ist fundamental, jener nicht, sondern

hat ein einfach positives Verfahren einzuschlagen; das, worin alle frommen Christeniias sind, das, was dem Christen Licht in Welt und Zeit, wie in sein eigenesHm giebt, was ihm das Gewissen schärft und klärt, was ihm Liebe und freudigenMh einfloßt, was ihm Trost und Frieden giebt bis in den Tod — das müßen wir«seren Kindern geben; ihr Christenthum muß nicht eine Reihe von Artikeln, sondernm ches volles Leben sein: — in wem das Christenthum Leben und Wahrheit ist, deriß von selber tolerant ; intolerant ist nur, wem es zur Acußerlichkeit, zur Gesetzlichkeit,M Phrase oder zur Parteisache geworden.

' Translokation, s. Versetzung.

Timend. Der Name Tugend hat, wie noch andere für die Sittenlehre höchst-nchtige Termini, — wie Pflicht, wie sogar Gewissen — keine biblische Heimat; erj», wie diese, aus der antiken, heidnischen Ethik erst in die christliche Sprache herüber-«mdert. So hat denn auch die christliche Sittenlehre erst sehr spät den Tugend-iigrifs in seiner Allgemeinheit ausgenommen; das Mittelalter kennt zlvar die Tugenden«d weiß sie nach seiner Weise zu rubriciren, aber es tritt hier die mönchische Auf-ing des Sittlichen in den Vordergrund. Für die Reformatoren wie für den Pie-W»s wiederum war die biblische Sprache und Anschauung maßgebend; Gottes Gebotwd der Christen Gottseligkeit sind die dominirenden Begriffe und erst der Rationalis-ms, weil er das specifisch Christliche auf ein allgemein Menschliches reducirte, ist derligmtliche Tugcndprediger und Tugcndpoet geworden. Mit dem Rationalismus isti»ch dieser Stil wieder von den Kanzeln und aus der christlichen Dichtung gewichen;tic Wissenschaft jedoch hat, da sie auch die abstracteren Begriffe nicht entbehren kann«d m die biblische Darstellungsform nicht gebunden ist, den Tugendbegrifs sich re-pmt, ja sie hat durch die Verbindung desselben mit dem Pflichtbegriff und demWerbegrifs (höchstes Gut) eine ethische Fundamentaltrias gewonnen (s. d. Art. Ethik).DM ist, was Schlcicrmacher schon erkannt, aber in der Ausführung nicht festgehaltenhü, von späteren Ethikern als feststehend nachgewiesen worden, daß der Inhalt des!ugmd-und des Pflichtbegriffs völlig der gleiche, der Unterschied nur ein formellerist, nämlich daß ganz das gleiche sittlich Gute, das in der Form der Pflicht als einZollen erscheint, in der Form der Tugend schon zum Wollen, ja zum constantenMen, zur Gesinnung, noch mehr: zur Fertigkeit, zur persönlichen Sitte gewordenfl Und darum können wir auch unsre Kinder Tugend nur lehren, indem wir sie alleChristenpflichten lehren; gelingt es, die Tugend als Gesinnung und Fertigkeit ihnenturch Angewöhnung, Beispiel und Haussitte so beizubringen, baß das Pflichtbewußtseinch im reiferen Alter hintennach kommt, und somit nur das dem Geiste klar wird: was«>i schon längst zu thun gewohnt sei, was man gar nicht mehr lassen könnte, dasP recht vor Gott, das fordre er eben: dann ist der Erziehung ein Meisterstück ge-lungen. Es wird aber kaum je ein Individuum epistiren, dem nicht schon zur Aneig-nung einer Tugend durchs wiederholte Geltendmachen der Pflicht Impulse gegebenHerden müßten; und wenn nur diese Impulse wirksam sind, wenn es nur schon sosicht, daß ohne äußere Nöthigung das einfache Pflichtbewußtsein treibt, so ist die Tugendimits im Werden begriffen.

Wir unterscheiden Tugend und Tugenden, ohne daß darum die letzteren bloß derstiaal der ersteren wären. Tugend, von taugen, ist 1) eigentlich ganz allgemein dieDichtigkeit, speciell aber die sittliche Gestnnungs- und Thatkraft. Ihren Ursprungsihrt die christliche Ethik auf Gott, auf sein Offcnbarwerden in der Erlösung zurück,die im einzelnen Menschen zu einer Neugeburt sich gestaltet. Sogenannte Tugendmittel,Rittel der Selbsterziehung können die Tugend selber nicht Hervorbringen, solange diese

nicht vorhanden ist; erst auf diesem Grunde ist es dann Sache der christlichen»iidigkeit, daß jeder an sich selber als Erzieher arbeitet. In diesem neutestament-schm Sinn ist es ganz richtig, daß die Tugend nicht lehrbar sei, so wenig als z. B.«Gesundheit; sie ist die Betätigung eines Lebens, das ans Gott stammt, aber mit«Micher Belehrung allein niemanden eingehaucht werden kann. 2) Tugend istEr, wo sie existirt, doch niemals die bloße Kraft, sondern immer schon eine Fertigkeit,