Theaterbesuch.
Toleranz.
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,«c ieder, der es schon ist, sehr wohl daran thut, sich in allem, was Genuß heißt,IWP ZU halten, um sich nichts zu solch einen: Bedürfnis werden zu lassen, daß er csI »i/t entbehren kann, sobald er cs entbehren muß.
- Thicrquiricrei, s- Gefühllosigkeit.
Toleranz. Das Wort Toleranz (Duldung) nehmen wir hier in dem dafür sixirtenZj,m nämlich in seiner Bezogenheit auf Religionsunterschiede und fragen demgemäß, oby,d me die Erziehung dem Kinde, dem Jüngling diese Toleranz als Gesinnung einzu-Mn habe. — Duldung setzt zu allererst voraus, daß ich mit demjenigen, an dem oder vonj» ich etwas dulde, in einer persönlichen Beziehung und Berührung stehe. Aber auchms in persönliche Berührung mit mir kommt und so gleichsam einen Schatten auf meinenfebkiisweg wirft, ist doch nur alsdann Gegenstand der Duldung für mich, wenn es„ich belästigt, wenn ich daran zu tragen habe. Hier kommt es nun darauf an, obI die Religion lediglich eine Privatsache ist, mit deren Betrieb der Einzelne gar nicht' Aer den Kreis seines Privatlebens hinausgreift. Das ist sie nicht und kann es nicktpi». Denn sie muß sich ihrer Natur gemäß in einem Cultus äußern; wenn nun derUtns meines Nachbars ein andrer ist, als der meinige, so wird dadurch ipso tnototiefer in Frage gestellt, sofern ich davon ausgehe, der meinige sei der allein richtigead Gott gefällige. Dasselbe ist der Fall in Betreff des Glaubens. Sobald icheinen Glauben andern Inhalts neben dem uneinigen sehe, der ebensosehr, wie dermimge, den Anspruch macht, Wahrheit zu sein, so ist damit der Anspruch des uneinigeniktsiichlich angezweifelt; und diese Thatsache ist eine fortwährende Störung der Ruhe,die mir mein Glaube gewähren sollte. Es ist hiemit klar, daß gegenüberstehendenMinibensüberzeugungcn rund Glaubensübungen, sofern sie sich im Leben kreuzen, fürik gegenseitiges Verhalten nur das Dilemma: Intoleranz oder Toleranz übrig bleibt.
Wenn nun nach dem Grundsatz: „alles, was ihr wollt, daß euch die Leute thunMn, das thut ihr ihnen" (Matth. 7, 12), die Toleranz jedenfalls eine Tugend ge-mimt werden muß, so wäre dieselbe, wie viele meinen, am besten durch Beseitigungaller Religion herzustellen. Davon sehen wir natürlich ab, nicht nur wegen der Un-möglichkeit und Frivolität dieses Vorschlags sondern auch, weil bekanntlich die Reli-gianSverächtcr weitaus zu denn Intolerantesten zählen. Ein anderes Mittel, die Jugendzur Toleranz zu erziehen, wäre diejenige Gestaltung des Religionsunterrichts und desreligiösen Lebens, wodurch dieselbe lernen würde, alle Differenzen in Religionssachenfür nebensächlich zu achten. Das ist der Jndifferentismus, von dem einst die Philan-iiropisten das Heil der Menschheit erwarteten. Allein dieser Jndifferentismus läuftMchlich wieder auf absolute Negation aller Religion hinaus; und dazu kommt inBezug ans das Christenthum noch speciell das Weitere, daß dasselbe absolute Wahr-heit zu sein behauptet, und darum in seinem Universalismus uothwendig zugleich exclusivfein muß.
Hiemit stehen wir dem Anschein nach vor einer schlimmen Alternative. Einerseitsdingt uns die Folgerichtigkeit der Begriffe: Einzigkeit des Christenthums, also Exclu-stität, also Intoleranz. Andrerseits sagt uns das rein menschliche Gefühl, das durchkn Protestantismus der mittelalterlichen Fesseln entledigt, durch die gesammte Bildungkr Zeit erstarkt ist: auch der Katholik, auch der Jude u. s. w. haben Anspruch aufmfm Toleranz. Es gilt eine Handhabe zu finden, um uns aus jenem DilemmahnMzuarbeiten; und damit stehen wir unmittelbar vor der praktischen Seite unsresGegenstandes, vor der Frage: wie können wir unfern Kindern, Schülern, Katechumenen,che doch das Bewußtsein der ausschließlichen Wahrheit des evangelisch-christlichenGlaubens zu schwächen, zugleich den Sinn echter Toleranz einflößen?
1. Das Erste und Wichtigste ist, in der jungen Seele den Liebessinn zu pflegen,kr alsdann von selber jedem Menschen ohne Ansehen der Person sich zuwendet. Diedarabel vom barmherzigen Samariter ist hiefür ein leuchtender Stern. Selbst wenndogmatische Bedenken sich im Herzen regen, sie werden sich — zwar vielleicht nicktWandesmäßig lösen, aber doch beschwichtigen durch jene Uebermacht der Liebe, dieV? E ^r Kraft eines Justinctes wirkt. — Damit ist aber noch ein verwandtesEck sittlicher Bildung zu verbinden. Die Intoleranz wird zu einem praktischen Ver-alten häufig erst durch Verbindung derselben mit der Herrschsucht, dieser widerlichendes Egoismus. Wird nun im Kinde der Egoismus überhaupt nicht gepflegt,
Nd»,. Handbuch. II. 66