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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Theaterbesuch.

bieten. Sagt man einem solchen, das Theater führe ja dem Zuschauer nichts mit»-,vor, als die wirkliche Welt; und die Wirklichkeit nach ihren guten und IchlinunrLeiten kennen zu lernen sei ja heilsam und nothwendig, jedenfalls können die IMdes Kindes nicht gegen das Theater der wirklichen Welt verschlossen werden: sowertet er, daß die poetische Darstellung auch dem Schlimmen einen Reiz gebe der eials in seiner Art berechtigt hinstelle, also die Reizung, die schon stark genug von dewirklichen Welt ansgchc, noch um vieles erhöhe. Oder will man mit Schiller in seineRede vom I. 1784 die Schaubühne sogar zu einer moralischen Anstalt mache» >'»wird der Thcaterfcind sagen, wenn auch ein Bösewicht auf der Bühne von der Nemesiereilt werde, so sei das doch nur Spiel und wer nicht vorher schon an ein Gericht Gotteglaube, den werde solches Lpicl auch nicht davon überzeugen. In der That bleibauch bei der snbjectiv sittenreinstcn Darstellung immer die Gefahr, daß dem Zuschnnedas Böse, Unkcnsche, Zweideutige, was er^ objectiv anfführen sieht, mehr Wohlgefallenals die Strafe desselben im letzten Act Lchrccken einflößt und moralische Vorsätze inihm weckt. Auch wenn man nicht unmittelbar vom Standpunct der Ethik, sondernvon dem der Pädagogik ansgcht, ist cs unter ähnlichen Voraussetzungen möglich, -solch einem Verwcrfungsurthcil zu gelangen. Es ist richtig, daß Kinder irgend etwaneues, glänzendes, unterhaltendes zu sehen höchst begierig sind; aber der Rigorist wireinfach sagen: das sei jene Augenlust, die nach der Bibel zur nächsten Nachbarndie Fleischeslust und das hoffärtige Wesen habe. Wolle man also durchs Theatcdiese Schaulust etwa auch veredeln, so sei das eben nur die Verfeinerung von etwasündhaftem.

Wer den Theaterbesuch pädagogisch dennoch gestatten will, der wird in ersteLinie von einer etwaigen positiv sittlichen Wirkung, die das Theater haben soll, ab-rsehen und sich ans den ästhetischen Standpunct stellen müßen. Wenn von aller Poesigilt, was in dem Art. Poesie von ihr gesagt ist: „weder lehren noch wirke» ist ibr..Bestimmung, sondern vergnügen," so gilt das auch von dem Drama und seiner Dacheslung; und wenn die Poesie überhaupt auch dein Kinde nicht vorznenthalten ist, so liegtkein Grund vor, dem Kind gerade diejenige Gattung von Poesie verschlossen zu halten, dieam lebensvollsten ihm gegenüber tritt und das Helle Kindesauge am freudigsten er-glänzen macht. Vollends ein musikalisch begabtes Kind müßte viel entbehren, wem.ihm versagt wäre, hie und da einmal eine Zauberflöte, einen Fidelio, einen Frcischüzu hören. Hier tritt aber sogleich auch ein praktisches Motiv ein, zu musikalischesBildung ist erforderlich, daß man gute Musik hört — und wie viel kann ein begabteJunge für sein eignes Können aus einer einzigen tüchtigen Aufführung gewinnen!

Wenn wir hiernach den Theaterbesuch — wie für die Alten so für die Jugend -unter die Kategorie des Genusses, also vornehmlich unter den ethischen Begriff dcchErlaubten stellen: so können wir selbst zu Grinsten unsrer edelsten und reinsten Dichterwerke den ästhetischen Zweck und Werth nicht mit dem sittlichen vertauschen. Tafreilich ist gewiß, daß insbesondere Schiller durch die herrlichen Sentenzen, die erseinen Personen in den Mund legt, dem deutschen Volk und der deutschen Zuge»'einen Schatz sittlicher Wahrheit und Weisheit geschenkt hat, den wir nicht hoch gciuranschlagen können. Aber wir glauben, daß dieser Einfluß des Dichters sich wenige,durchs Theater, als durchs Lesen seiner Werke vermittelt; denn wie selten sind imganzen die Künstler, die solchen Dichters völlig würdig sind!

Sollen wir schließlich die Grenze bezeichnen, innerhalb welcher sich der Erziehe,in der Frage unseres Artikels zu halten hat, so kann darüber kein Zweifel bestehendaß er seinen Zögling von allem leichtfertigen, liederlichen ferne zu halten hat. lieberHaupt ist nur, was ihm selber, als einem allseitig gebildeten Manne gefällt, auch werchvon der Jugend gehört und gesehen zu werden. Und auch dies mit Unterschied. Ijünger der Zögling ist, desto seltener ist ihm dieser Genuß zu gewähren; je gereisteer ist, um so eher können ihm auch solche Stücke zu sehen erlaubt werden, die viellcichnicht ganz ohne Flecken sind, wenn nämlich der Erzieher seines Eleven so weit sicheist, daß derlei unliebsame Stellen auf ihn keinen schädlichen, überhaupt keinen Eindnmachen. Muß demzufolge der Erzieher seine Zöglinge kennen, um zu wissen, wem ermehr, wem er weniger erlauben darf: so bleibt allerdings die allgemeine sittlichMaxime auch in dieser Hinsicht in Geltung, daß jeder, der ein Mann werden wm,