Thätigkeitstrieb.
Theaterbesuch.
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„d M mancher Versuchung in den Freizeiten bewahren. — Auf der richtigen Wahlk-z Berufs beruht die normale Entwicklung des Thätigkeitstriebes. Aber wie viele«„! äußerliche Rücksichten, Vorurtheile, eitle Motive walten noch ob bei der Berufs-M, und zwar ebensowohl von weiten der Jugend wie von Seiten der Eltern undAnverwandten! Da werden die Knaben noch in den Kinderschuhen mit der Frage ge-kitzelt: Was willst du werden? und cs setzt sich dann in den jungen Köpfen ein Ge-denke fest, der mit dem individuellen Thätigkeitstriebe wenig oder nichts zu thuntat. Sollte aber auch beides, Anlage und Neigung mit der Berufswahl stimmen, soj>, es doch nicht gut, den Thätigkeitstrieb zu früh cinzudäimnen und einseitig auf seinM zu lenken. Da heißt es alsbald: das brauch' ich als L-oldat oder Dekonom oder
1 Waftsmaim nicht zu wissen und nicht zu lernen.
i gs ist ein rühmlicher Zrig in dem Humanitären Streben unserer Zeit, daß aufei» nicht zu geringes Maß allgemeiner Bildung auch für die arbeitenden Elasten ge-drungen wird; daß, während die socialen Verhältnisse die Theilung der Arbeit zurRochivendigkeit machen, eine tüchtige Schulbildung dieser Einseitigkeit dadurch zu be-gegnen sucht, daß sic eine gewißc Elasticität erzeugt für verschiedene Arbeitsgebiete;daß sie namentlich in ihrem VereinSlebcn manche Schranken, welche den Thätigkeitstriebfrüher einengtcn, hinwegzuräumen sucht. Sie giebt den Lehrlingen und Gesellen mannig-sacke Gelegenheit, sich geistig fortzubilden, öffnet auch dem weiblichen Geschlecht Berufs-inkcn, von denen es früher ausgeschlossen war, und will seinem Thätigkeitstriebe nacheilen Seiten hin gerecht werden. Sie hat das bedeutsame Wort: Gleiches Recht aufMit für alle! auf ihre Fahnen geschrieben und die Arbeit nicht bloß zur Pflicht,sondern auch zur Ehre gemacht. Daß in dem unruhigen Treiben und hochgesteigertenLücken der Gegenwart auch diese berechtigten humane» Triebe vielfach übertrieben«den und in verkehrte Emancipationsgelüste ausarten, liegt auf der Hand. Ausdem Extrem einseitiger Anregung des Thätigkeitstriebes ist man in das andere einerfalsch verstandenen Vielseitigkeit gerathen, möchte schon aus der Elementarschule eineRealschule machen, aus den höheren Töchterschulen Realgymnasien, und daneben nochArbeitsschulen, Kunstschulen, Kunstgcwerbeschulen, Wirrhschaftsschulen rc. für die Mädchenerrichten (vgl. Minna Pinoff, die Erziehung der Frau zur Arbeit. Breslau 1867).Zudem man den großen Werth geistiger Bildung auch für den materiellen Erwerberkannt hat, ist man in eine Lehr- und Bildungssucht gerathen, welche die Lecrions-hläiic der Schulen überfüllt und den armen von Stunde zu Stunde gehetzten Knabenmid Mädchen auch nicht ein Stündchen des Tags frei läßt zur freithätigen Erholung.Darunter leidet dann nicht bloß die ideale Seite des Gemüthslebens, sondern demThätigkeitstriebe selber geschieht Abbruch, da bei der unnöthigen Hast der Thätigkcitmich die ursprüngliche Productivität verloren geht. Das Streben nach dein Erwerbmaterieller Güter hat den Thätigkeitstrieb anfs straffste angespannt und nicht wenigj« nervöse Hast im ganzen Thun und Treiben, die unser Zeitalter kennzeichnet, ge-fördert. Fr. A. Lange macht in seiner „Geschichte des Materialismus" die richtigeBemerkung: „Die Mittel zum Genuß zusammenraffen und sie dann nicht auf denCmuß, sondern größtenteils wieder auf den Erwerb verwenden, das ist der vor-herrschende Charakter unserer Zeit." Jede Leidenschaft, und sei es auch die leiden-schaftliche Hingabe an den Thätigkeitstrieb, hat aber ihre Gefahr; sie raubt uns die«re Freiheit. Darum ergeht an alle Arbeiter die Mahnung, über den beruflichenMecken und Zielen nicht den höchsten Zweck des Menschenlebens zu vergessen. Wiekam man an das Größte und Kleinste zugleich denken? fragt I. Paul im Titanmd antwortet treffend: „Wenn man an jenes zuerst denkt." Der Thätigkeitstrieb,mgelöst vom religiösen Leben, führt schließlich zum Materialismus und der mate-mlisiische Bestandtheil fehlt ihm nicht, auch wenn er als ethischer Materialis-»nis^sich verwirklicht, der das Leben und Streben der Gegenwart charakterisirt.
Theaterbesuch. Die hierauf bezüglichen pädagogischen Fragen, die — wir sagenff gleich von vornherein — zu ernsten Gewissensbedenken werden können, ordnenV dem allgemeineren sittlichen llrtheil über das Schauspiel unter; wer das Theaterumhaupt für etwas unchristliches, weltliches hält, entweder wenigstens für einen un-mhen Zeitvertreib oder gar für eine Schule der Verstellung, der Unwahrheit, für einvmck von der pomxa äiuboli: der wird auch seinen Kindern jegliches Zuschauen ver-