1036
ThätigkeitStrieb.
bewußten Willens. Das „Thätigsciu", wenn es auck, nicht den Anspruch machenkann, gleichbedeutend zu sein mit „Thaten verrichten", ist doch nichts anderes als: Mder dem Subjcct inwohncnden Kraft Veränderungen in der vbjcctiven oder GestaltmiMin der snbjectiven Welt Hervorbringen und zwar in einer gewitzen Stetigkeit und Fol« >die auf freier Selbstbestimmung beruht. Geben wir einem Menschen das Prädikat„thätig", so wollen wir damit nicht nur andenten, daß er hier und da seine Kmkgebraucht, sondern daß es ihm ein Bedürfnis ist, sie nach einer bestimmten Rickümazur Wirkung zu bringen. Diese Theilnahmc des inneren Menschen anseiner Kraftäußerung, dieses von einem vernünftigen, schaffen?freudigen Willen bestimmte Hinauswirken aus dem Centrnm iii dichPeripherie, diese productive Energie eines geistig-leiblichen Wescnsckdas ist das eigentliche punctum snlieim des Thätigkcitstricbes, den wir ebeck-damit bereits als einen specifisch menschlichen gekennzeichnet haben.
Wie aber alles Triebleben der Seele im Unbewußten beruht und beginnt, ßhat auch der ThätigkeitStrieb seine Wurzel im unbewußten Drange der Seele, daEinwirkung von außen eine entsprechende Rückwirkung von innen folgen zu lasse»,Wo Krätte vorhanden sind, da wollende auch sich äußern und werdendste daran gethindert, so verwandeln sie sich in ein Streben nach Acußerung. Da, wo Leben ver-standen ist, auch Kräfte sich entwickeln, so ist, wo Leben auch Streben, ein Drangder Kräfte, sich räumlich und zeitlich zu offenbaren, d. h. thätig zu sein. Die Formaber, unter welcher das Hmauswirkcir in Raum und Zeit geschieht, ist die BewegungDer ThätigkeitStrieb ist zuerst Bewegungs trieb. Mit der ersten Bewegung, diein lebendes Wesen vollzieht, dämmert das Bewußtsein in ihm auf, daß cs eine Sphärdes Lebens hat, die cs vom Mittelpunct eigener Thäligkeit zu erfüllen vermag. Bedem Kinde offenbart sich der ThätigkeitStrieb schon in den ersten Monaten des Leben,auf eigenthümliche Weise und eine umsichtige Erziehung wird schon da ans seine Ent-wicklung Einfluß üben. Wie es z. B. dem passiven Kinde, das für sich hmbrüteiüleicht in sich selber versinkt, gut thut, wenn man seinen Blick durch einen hellfarbige:Gegenstand reizt, sein Ohr durch ein Glöckchen zum Horchen anregl und cs nbcchaupdurch öfteren Wechsel des Orts zum Aufmerken veranlaßt: so ist hinwiederum deinunstäten flüchtigen Blick eine Fixirung heilsam und es muß bei solchen Kindern de:Flatterhaftigkeit vorgebeugt werden, indem man sie in den ersten BeschäftiguugmISpielen, im ganzen Thun und Lassen au Stätigkeit gewöhnt. Während die Kinde«armer Eltern entweder daran leiden, daß ihre Thätigkeit aus Mangel an Anregung!:zu wenig geweckt, oder, wenn sie heranwachsen, einseitig zur Unterstützung der Elternin Anspruch genommen wird: so bildet für die Kinder reicher Eltern das Vielerleivon Beschäftigungen und Spielen die Klippe, an welcher die Entwicklung des ThiitiHkeitstricbes so oft Schifsbruch leidet. '
Was du thust, das thue ganz! dieses Wort gilt schon den Kindern. Um es zuerfüllen, muß der Erzieher als oberstem Grundsatz für seine pädagogische Tbätigkei!huldigen: Entwickle den ThätigkeitStrieb des Zöglings durch Selbstthätigkeit zur Selbstthätigkeit. Auf jeder Stufe seines Lebens hat der Mens«einen Kreis, den er mit seiner Kraft zu erfüllen vermag. Die Kraft nun aus ihmisMittelpunct herauszuführen, so daß sie alle Puncte des Umkreises zu gewinnen vermag Hdas ist nicht nur das Endziel der Erziehung, sondern es muß damit schon von AnLbeginn Ernst gemacht werden. Ter Trieb ist ja von Anbeginn vorhanden und alleLust am Dasein und alle Lebensfreude ist ja nichts anderes als Kraftbcthätignng. mist eine Schöpfcrfrcude, welche der Mensch mit dem höchsten Wesen theilt, das, wirin ihm lebt, räumlich und zeitlich gestalten zu können und seine Kräfte nach allechSeiten hin spielen zu lassen. An dieses Hochgefühl knüpft sich das Bewußtsein deckPersönlichkeit und der persönlichen Würde, aus ihm entspringt der Lebensmuts' mnckLdie Lebensfreude überhaupt. Durch jede gelingende Thätigkeit erhält es einen ZnwachsMdurch jedes Mißlingen geschieht ihm Abbruch. Die Erziehung hat nur insoweit äverth,als sie dieses Gefühl im Dienst des Wahren, Guten und Schönen in der Seele desZöglings fest gründet und folgerecht entwickelt. Jeder Unterricht ^ist verfehlt, dernicht die Freudigkeit des Lernens zu erzeugen, Lust und Liebe zur Selbstthätigkeit zuj