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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Thätigkcitstrieb.

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versteht.^) Am Spielen der Kinder (s. d. Art. Spiel) können Lehrer undsicher dieses Wesen des Thätigkcitstriebes studiren.

° Ter Unterricht soll nun allerdings kein Spiel sein; aber dahin soll jeder guteMer mehren, daß seine Schüler wie im Spiel mit Thcilnahme des ganzenhuschen arbeiten und ihrer Thätigkeit sich freuen; daß alles LernenU zu dem Puncte geführt wird, wo die bloß empfangende Thätigkeit übergeht in einsllbstthäng es Verarbeiten und Gestalten des empfangenen Stoffs.x,;u gehört vor allein, daß man den: Schüler nur das giebt und nur das von ihmMt was seine Kraft bewältigen und ungezwungen gestalten kann. Er fühlt dam:pnc Kraft und cS macht ihm Freude, sie spielen zu lassen, seiner Thätigkeit sind zwarfeste Schranken gezogen, doch innerhalb derselben kann er sie frei bewegen. Je an-ßmlicher der Unterricht, desto mehr kommt er auch dem Thätigkeitstriebe entgegen.Zm Prmcip der Anschauung liegt aber mehr als das bloße Vorzeigcn und Vormachen;kr wahrhaft anschauliche Unterricht ist der, welcher zum selbstthätigen ErfassenUS Gegenstandes führt, denselben für die Innenwelt des lernenden Subjectsmbert, so daß die gewonnene Kenntnis ein Erleben geworden ist und zugleich eineZwffel zum Weiterstreben. Wie viel lebendiger und anregender wird z. B. der Unter-richt in der Erdbeschreibung, wenn der Lehrer den Schüler anlcitct, selber ein Karten-M zu entwerfen, dessen Mittelpunct der Wohnort ist. Je mehr körperliche ThätigkeitM der geistigen in Verbindung gebracht werden kann, desto besser! Jede vereinzelte,iplirte Leclenthätigkeit ist für das aus concreter Fülle schöpfende Jugendlebcn einemühsame Abstraction.

Darin haben die Kindergärten — so wenig das Gemachte an ihnen zu verkenneniß - jedenfalls das Richtige getroffen, daß sie den ganzen Menschen erfassen, daß sie»mentlich die geistige Thätigkeit wecken und sie zugleich in Zucht nehmen. An körper-licher Thätigkeit fehlt es den Kindern der niederen Stände weniger als an der An-regung und Bildung der Aufmerksamkeit. Die natürliche Folge dieses Mangels istgeistige Trägheit und Stumpfheit, und setzt sich diese fest, dann entsteht daraus jeneKrsunipfuug der Kräfte, welche unsere Sprache treffend mit dem Worte „Faulheit"kzeichuei. Nicht die Armut ist das größte Uebel des sogenannten Proletariats, sonderndir frühzeitige Verkümmerung des Thätigkcitstriebes. Aber auch in den Häusern derAniehmen und Reichen sind faule Kinder nicht allzuselten, weil dort in schwächlicherNachsicht der natürlichen Trägheit Vorschub geleistet und der Jugend alles, auch daskernen, so leicht als möglich gemacht wird. Vergnügungssucht, Genußsucht, Tändeleilickn dann an die Stelle jener Rüstigkeit und Frische, welche aus normaler Be-friedigung des Thätigkeitstriebes entspringt. „Da der Trieb in dem Grade sich demhicmiß zuwendct, als er sich von der Thätigkeit abwendet, so wird das faule Kindleicht gefräßig, unreinlich, diebisch, lügenhaft. Am schlimmsten scheint das bei Mädchenzu scm. Die in sich gekehrten Naturen, besonders die weichen, sonst auch das phleg-matische Temperament genannt, sind am meisten zur Unart des Faulwerdens geneigt"sZchwarz^ Erz. L. 2. Aufl. II. S. 415). — Glücklicherweise gehört es zu denstltmerm Fällen, daß die Faulheit schon bei der Jugend so tief gewurzelt ist, daß sichta Thätigkcitstrieb gar nicht mehr regt. Mancher Schüler scheint auch träge zu sein«»d ist doch nur ein langsamer Kopf, der zum Ucberlegen Zeit braucht. ManchemH es langsam von der Hand, aber er ist treu und beharrlich. Da gilt es, auchdm Schwächeren Muth zu macheu, indem man ihm Gelegenheit bietet, etwas zuetaiide zu bringen, was ihn und andere erfreut. Dein Trägen suche man auf physische«ise nahe zu kommen, indem man ihn zu immer wachsender körperlicher Bewegungmst Rührigkeit nöthigt; die Rückwirkung auf das Geistige wird nicht ausbleiben.§M,sttMjugung für die Rüstigkeit des Thätigkeitstriebes auf allen Lebensstufen^ Essen ^d> Trinken, auch im Schlafen; überhaupt eine geordnete

,e Diät. Sodann steht dem Erzieher eine nicht geringe Hülfe zu Gebot imDer Nachahmungstrieb (s. d. Art.) greift dem Thätigkeitstriebe stark«er die Arme. Noch wirksamer erweist sich der Ehrtrieb, welcher, richtig geleitet,

» ^achtmswcrthe Worte zum Schutze der Freiheit, welche dem Thätigkeitstrieb im«mdinleben gelassen werden soll, finden sich bei Kühner, Päd. Zeitfragen (Franks. 1863), S. 59 f.