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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Temperament.

ich aber mit Sicherheit erwarten kann; und sie hat praktischen Werth, wenn sicgestattet, aus der Lubsumtion unter ein Temperament die Regeln der Behaudluiwsweise abzulcitcn, durch die ich einen bestimmten Zweck, z. B. die Abwendung derfahren, von denen gerade dieses Temperament bedroht ist, mit Sicherheit erreiche.

Fragen wir nun, nach welchen Gcsichtspuncten die Einzelnen nach den Unter-schieden ihres geistigen Lebens in entgegengesetzte Gruppen gctheilt werden können: sonrthigt uns ein in der Lehre von dcir Temperamenten oft hervorgeiretcner Zwiespaltzunächst den Sinn einer solchen Eintheilung näher zu bestimmen. Es ist da'Gegensatz zwischen der Behauptung, daß das Temperament unveränderlichund der andern, daß es veränderlich sei. Es könnte scheinen, als laufe das aufeinen bloßen Wortstreit hinaus, indem man dann eben im einen Falle unter Tempera-ment etwas anderes verstehen müßte, als im andern Falle, im ersten Falle die blosangeborenen, im andern die durch die Lcbcnsentwicklung erworbenen VerschiedenheitenAber sobald wir bedenken, daß es in der Auffassung des Menschen zwei entgegenge-setzte Richtungen gicbt, die rein empiristische, welche alle Differenzen als erworbeneerst allmählich gewordene ansieht, und die nativistische, welche das ganze Lebennur als Entwicklung der mit der Individualität selbst gegebenen angeborenen Be-stimmtheit ansieht, so betrifft der Streit die sachliche Frage, ob und in welchem Ge-biete cs angeborene Differenzen der Menschen giebt. Es ist nun aber offenbar metho-discher, nicht zum voraus den Kanon aufzustellen, welche Art von Differenzen gesuchtwerden soll; weil sonst leicht die ganze Eintheilung mislingcn könnte. Das richtigeVerfahren ist vielmehr das, vor allen Dingen diejenigen Gegensätze zu construireu,'denen wir die Bedeutung von Tempcramentsgegensätzen geben wollen, und dann nach-fzusehcn, ob damit mehr bleibende, den Individuen in allen Lebensaltern anhaftendesUnterschiede, oder mehr wechselnde Formen getroffen sind, durch die ein Individuum'hindurch gehen kann.

Sehen wir uns demgemäß um, wo die Differenzen der einzelnen Menschen liegen:?so springt vor allem ein doppelter Gesichtspunct der Unterscheidung entgegen. Es i>Vdie Verschiedenheit der Gegenstände ihrer Thätigkeit, und die Verschiedenheit derArt ihrer Thätigkeit, wobei wieder theilS die bloß quantitativen Unterschiede dergrößeren oder geringeren Energie des einzelnen Thuns und der größeren oder geringerenSchnelligkeit der Bewegung, theils die verschiedene Art der Verknüpfung^,einer Mannigfaltigkeit einzelner Thätigkciten zu einem größeren Zusammenhänge zussbeachten ist. Nennen wir jenes die materiellen, dieses die formellen Difse-ftrcnzen: so sind für das Zusammenleben der Menschen in erster Linie die materiellen^Unterschiede wichtig, weil auf ihnen die gegenseitige Ergänzung der Einzelnen undsihr Zusammenwirken in der menschlichen Gesellschaft und damit alle Cnltur beruht.k,Fragen wir aber, wovon es abhängt, mit welchem Inhalt sich ein menschliches Leben 'erfüllt, so sind eS, neben den äußeren Bedingungen, welche durch die natürliche und sgesellschaftliche Umgebung feststehen, Unterschiede, deren natürliche Ursprünglichkeit in

schcnden Neigungen und Willcnsrichiungcn aussprcchcn (der natürliche Charakter), und dieUnterschiede der Dispositionen des Gefühls, vermöge deren Verschiedene von Verschiedenemin entgegengesetzter Weise afficirt werden. Von dieser materiellen Verschiedenheitläßt sich unschwer, wenigstens in wissenschaftlicher Abstraction, die formelle trennen,wenn gleich beide nicht außer allem Zusammenhänge stehen. Die allgemeinsten Gegen-sätze betreffen hier die Maßuntcrschiede der allgemeinen Lebendigkeit überhaupt, dasMaß des Quantums geistiger Lebenskraft, das in jedem Menschen wirksam gewordenist. Nach diesem allgemeinsten Maßstab stehen uns an dem einen Extreme die trägenund schläfrigen Menschen, an dem andern die lebhaften und von Kraft übersprudelnden;'zwischen diesen Grcnzpuncten liegen alle Abstufungen des Turchschnittsmaßcs lcben-ldiger Kraft, die in der einen oder andern Richtung des geistigen Lebens verbraucht:wird. In dieser Mitte aber werden bei gleichem Durchschnittsmaß doch noch Unter-!schiede bestehen können; bei den einen rasche Beweglichkeit, aber schnelle Ermnduiig,>bei den andern langsamere, aber gleichmäßiger anhaltende Thätigkeit. Allein diesi att-r