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Temperament.
nach dem Zeitmaß der einzelnen Momente, in denen das Leben verlausFolgen die selbstthätigen Momente langsam auseinander, ohne durch eine lebhafte Rceptivität unterbrochen zu werden, so fällt das mit dem phlegmatischen Temperamentezusammen; folgen sie rasch, ohne von lebhafter Receptivität unterbrochen zu werden sowird das dem cholerischen entsprechen. Das Bestimmtsein durch die Receptivität in klein«,Momenten ist das sanguinische, dasselbe in großen Momenten das melancholische Temverrlment. Da aber bei überwiegender Spontaneität doch auch die Receptivität lebendig ist stkann diese beim phlegmatischen Temperament sich mehr in der Weise des sanguinisch«,oder des melancholischen bewegen; und ebenso bei den andern, so daß wir damitSchattirungcn der Haupttempcramcnte erhalten, ein Phlegmatisch-sanguinisches und einphlegmatisch-melancholisches u. s. w. — Im Grundgedanken mit diesen Motiven d,,Eintheilung übercinkommend sind diejenigen Versuche, welche bas Leben unter den Gsichtspunct der Empfänglichkeit für äußere Eindrücke und der Rcaction dagegen stellewobei die Gradunterschiede der Empfänglichkeit und der Rcaction den-Eintheilungsgrund abgeben (Heinroth, Munde u. a.). Von ähnlichen Gesichtspunkten'aus versucht Bencke, ohne sich an die Vierzahl zu halten, den Begriff der Tempermcntsunterschicde zu bestimmen, indem er Reizcmpfänglichkeit, Kräftigkeit und Lebendigkeit unterscheidet und die Combinationcn verschiedener Grade dieser Unvermögen untersucht (Pragmatische Psychologie I, 85 ff.).
Mit der ihm eigenen Umsicht behandelt Lotze (Medicin. Psychol. S. 56..Mikrokosmos II. S. 352 ff.), in seinem Grundgedanken mit Schleicrmachcr übe,»cinstimmcnd, die Frage der Temperamente. Nach ihm bezeichnen die Temperaments-,unterschiede die formellen Verschiedenheiten, die sich, theils auf den Anstoßäußerer Reize, theils ohne sie in der Geschwindigkeit, der Mannigfaltigkeit, der Z,tensttät, in der Conscquenz oder Unstetigkeit zeigen, mit denen der Wechsel der Vostellungen, der Gefühle und der Strebungen in den einzelnen Individuen vor sich gehDaraus ergäbe sich eine unermeßliche Anzahl individueller Temperamente. Wätzrend nun aber Lotze der hergebrachten Vierzahl treffend nur das zugesteht, daß sie eimzelne ausgezeichnete Formen hervorhebe, in denen sich die verschiedenen Züge zu in sichzusammenhängenden Bildern gruppirt haben, opfert er doch in seiner Weise dem altenGötzen, indem er sehen will, wie in der Entwicklung des Einzelnen und der E'sellschaft sich Analogicen dieser Temperamente theils einfinden, theils einfiuden sollte^Und so zeichnet er nun ausführlich diejenigen Formen des geistigen Lebens, welche denverschiedenen Lebensaltern natürlich und für sic wünschenswert!) sind. — Kaumeine andere Schilderung wird zu finden sein, welche in gleichem Grade wie die Lotze'schedurch Feinheit psychologischer Entwicklung bestechen könnte; und doch läßt sich auchhier die Mannigfaltigkeit sich kreuzender Gesichtspuncte erkennen, der wir überall inder Lehre von den Temperamenten begegnen. Denn es vermischt sich die Anschauung,,welche jedes Individuum durch alle Temperamente hindurchgchen läßt, mit der andern/welche jedem Individuum ein bestimmtes, das ganze Leben hindurch festgchalteiHTemperament zuweist; und durch den Versuch einen normalen Lebenslauf zu zeichnayden nur wenige begünstigte Individuen darstellen, entfernt sich Lotzes Schilderung vonder Absicht, welche sonst die Psychologen leitete, vielmehr die Fächer aufzustellen, inwelche alle Individualitäten unterzubriugen sind.
Ziehen wir ab, was im einzelnen Treffendes und Pikantes in den endlosen >!derungcn sich findet; sehen wir nur darauf, was an sicherer psychologischer Erkenntnisdurch dieselben geleistet worden ist: so wird man sagen müßen, daß die PsychUbis jetzt mit diesem Capitel, kantisch zu reden, „keinen Staat machen kann." Demimmer bleibt das Grundübcl bestehen, daß man einen Namen hat, für den man eine Be-deutung, eine Formel, für die man die Werthe suchen soll, und keine übereinstimmend«:und klaren Gesichtspuncte, nach denen diese Aufgabe zu lösen wäre; so macht jederdie Sache auf seine Weise, und die babylonische Sprachverwirrung, welche auf dies«»Wege entstanden ist, zeigt sich in nichts besser, als in den überall wiederholten Ver-sicherungen, man dürfe sich unter einem Phlegmatiker nicht einen phlegmatischen B''"scheu, und unter einem Melancholiker keinen melancholischen denken.
II. Versuchen wir uns zunächst über den Drt, welchen diese Lehre in der P>logie einnimmt, zu orientiren und die möglichen Aufgaben nicht aus den Namen, stm