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Taufe, Taufgnadc.
Temperament.
sich durchs ganze Leben hinzieht und subjectiv nicht immer in gleicher Bestimmtheitempfunden wird, das ist in der Taufe objcctivirt, erscheint in ihr concentrirt und firsti»und eben in dieser Fixirung das persönliche Heil für immer verbürgt. Deshalb in eSunzweifelhaft ein großer Gewinn für das Geistesleben eines Kindes, wem, eswohnt wird, sich immer und überall den Gedanken präsent zu halten: bin
Christi Namen getauft. ^ ^
Temperament, Temperamente. Selten hat eine Theorie das Glück gehahjteine so dauernde Lebenskraft zu besitzen und sich so durch alle Wandlungen der wissen-schaftlichen Ansichten hindurch zu erhalten und immer wieder zu verjüngen, wie die'Lehre von den Temperamenten, trotzdem daß, oder vielleicht gerade weil in ihr, so wiesie gewöhnlich auftritt, ein gut Theil wissenschaftlichen Aberglaubens steckt.
I. Das Wort Temperament hat ursprünglich einen rein medicinischcn Sinn undbezeichnet die Mischung der Säfte des menschlichen Körpers. Sckwumden»Schriften, welche den Namen des Hippokrates tragen, wird gelehrt, daß im Menschenvier Hauptsäfte vorhanden seien, das Blut, der Schleim, die gelbe Galle, die schirmeGalle. Diese Vierheit entspricht der Vierhcit der Grundqualitäten der Materie, des'Kalten und Warmen, des Feuchten und Trockenen. Durch die Verbindung diesesbeiden Gegensätze erklären sich alle natürlichen Unterschiede, sowohl in der Welt über?Haupt als im Menschen. Das Blut ist warm und feucht wie die Luft, der Schleimkalt und feucht wie das Wasser, die gelbe Galle warm und trocken wie das Feuch'die schwarze Galle kalt und trocken wie die Erde. Gesund ist der Mensch, wenn diesevier Bestandtheile in richtigem Verhältnisse in ihm gemischt sind; ändert sich mit demVerhältnis der Säfte auch ihre Mischung, so ist die Disposition zu Krankheiten ge-geben. Aus dieser ältesten Auffassung entwickelte sich bald die andere, welche unter"Temperament nicht die wechselnde Mischung der Säfte desselben Menschen, sondern diebleibende Mischung verstand, welche in verschiedenen Menschen verschieden ist, und da-mit ein Mittel gewann, die Individuen nach ihrer körperlichen Constitution in verschie-dene Classen zu scheiden. Diese Doppelseitigkeit ist dem Begriffe des Temperamentsvon da an geblieben. — Es lag nahe, aus den individuellen Verschiedenheiten der kör-perlichen Constitution auch die Unterschiede abzuleiten, welche die Einzelnen m sihrem geistigen Verhalten zeigen. Das ist in systematischer Weise durch Galen ^(im 2. Jahrh. n. Chr.) geschehen. Jir der Bestimmung und Benennung der Tempe-,ramente geht er vorzugsweise auf die Grundgegensätze des Warmen und Kalten, des sFeuchten und Trockenen zurück und beschreibt die Temperamente als verschiedene M-schungcn dieser Gegensätze; und zwar so, daß er das wohlgemischte Temperament als iMaßstab zu Grunde legt; von diesem aus kommt er dann zunächst zu vier einfachenAbweichungen der Mischung (Dyskrasieen), bei denen nur ein Glied eines Gegensatzes , i(z. B. warm) überwiegt, während die Glieder des andern (feucht und trocken) sich >das Gleichgewicht halten; in zweiter Linie zu vier zusammengesetzten Abweichungen,; !wenn in beiden Gegensätzen Ungleichheit vorhanden ist (warm und feucht u. s. w.). i !— Der Einfluß der Mischung erstreckt sich für Galen auf das gesammte geistige Leben i »nach allen seinen Seiten. Wer also aus gewißen äußeren Zeichen der Hautfarbe, desPulses u. s. w. bestimmen kann, welches Temperament ein Mensch hat, der keimt da- ^mit auch seine geistige Beschaffenheit. — Dies ist die ursprüngliche Gestalt und Be- jdeutung der Temperamentslehre; aus dieser stammt nicht nur die Vierzahl der TeinsPjramente und ihre Bezeichnung als phlegmatisches (schleimiges), sanguinisches ; ,(blutiges), cholerisches (gelbgalliges) und melancholisches (schwarzgalliges), Isondern sie hat auch unter der Herrschaft der durch die Namen erhaltenen Traditionbis in unsere Tage fortgcwirkt. Es ist von Werth, hervorzuheben, daß sie nicht aasBeobachtung, sondern auf naturphilosophischer Speculation, nicht auf einer irgendwiebegründeten Einsicht in das Verhältnis der körperlichen Constitution zur geistigen Eigen-thümlichkeit, sondern auf einer Reihe grundloser Annahmen ruht.
Theils durch die Bemühungen der arabischen Philosophen und Mediciner, Heilsdurch die Astrologie hat sich im Verlauf der Zeit die Charakteristik der einzelnenTemperamente bestimmter gestaltet; indem man, von einer phantasievollen Symbolikgeleitet, gewiße hervorstechende Eigenthümlichkeiten, wie sie jedem in seiner ErfahrungVorkommen, mit den Grundlagen der Lehre in Verbindung brachte, entstanden die wehr