Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
1013
Einzelbild herunterladen
 

Taubstlumiienbildung.

1013

Zn Deutschland waren in dieser Beziehung verschiedene Staaten bereits mit rühm-litein Beispiele vorgegangcn, wie Württemberg und Baden, Oldenburg und Nassau.Ae hatten bereits für die Ausbildung ihrer Tst. durch staatlichcrscitS errichtete An-Mi und deren kostenfreie Benützung umfassende Fürsorge getroffen, als die preußischeAmtsregierung, durch den Umstand bewogen, daß in Preußen eine Zahl von 8000 Tst.mittclt war, darunter 1700 im bildungsfähigen Alter, daß aber von letzteren nurikckstens der zehnte Theil in den vorhandenen Instituten untergebracht werden konnte,tw Entschluß faßte, die bisher nur sporadisch verkommende Tst.-Bildung zu verallge-mmmi. Sie glaubte dazu einen neuen und minder kostspieligen Weg einschlagen zulmnen, zu welchem Stephani, Daniel und vor allem Graser gerathen. Diese Männerlitten den Tst.-Nnterricht nicht mehr als eine geheime sehr complicirte Kunst aufgefaßtsistn wollen, sondern als eine zwar eigenthümliche, auf die besondere mangelhafteKschaffenheit des Schülers berechnete, aber mit jeder andern psychologisch begründetenmturgemäßen Unterrichtsmethode verwandte Lehr- und Bchandlungsweise und hattenKS Zusammenleben und Zusammenuntcrrichtctwerden von tst. mit hörenden undspähenden Kindern in der gewöhnlichen Volksschule nicht nur für zuläßig, sondernsogar sür wnnschenswerth und mehr sachförderlich erklärt, als das beständige Zusammcn-llte» und -lernen von Tst. mit einander in besonderen Instituten, wenn auch denletzteren als Centralpuncten für die weitere Ausbildung und Entwicklung dieses beson-deren Zweiges der Schulbildung ihr besonderer Werth verbleiben solle. Das nächsteM des prcuß. Ministeriums (vgl. das Circular v. 14. Mai 1828 bei v. Rönne,PS Volksschulw. des pr. Staats I, S. 886 und Hill a. a. O. erste Beilage) gicngPhi», in jedem Schulinspectionsbezirke einen Lehrer zu besitzen, der im Stande wäre,die Tst. seines Wohnorts und der nächsten Umgebung zu unterrichten. Zu dem Endezüachte es, an jedem Schullcbrcrseminar einen in der Unterweisung und Behandlungda Tst. gründlich erfahrenen Lehrer anzustcllen, um die sür die Sache empfänglichensihigmn Seminaristen mit der Methode des Tst.-Unterrichts theoretisch und praktischtlkmit zu machen und hoffte esvielleicht schon in einem Jahrzehent" zu erreichen,tch in allen Provinzen für die Bildung der Tst. in der Nähe oder selbst an Ort undLtellc ohne unverhältnismäßig!! Kosten gesorgt sei.

Diese Hoffnung hat sich bald als illusorisch erwiesen. Hätte sich auch die L>chwic-ligkeit überwinden lassen, mit jedem Seminar eine Uebnngsschule zur praktischen Aus-bildung für den Tst.-Unterricht zu verbinden und die für die theoretische und praktischellnlmveisung der Seminaristen in demselben geeigneten Männer alsbald zu finden,so verlangt die letztere, wenn sie eine gründliche sein soll, doch einen größeren Zeit-Hvand, als daß sie so nebenher im Seminar geschehen könnte. Ebenso irrthümlichHst sich die Ansicht erwiesen, daß ein tst. Kind mit den vollsinnigcn gemeinsam in derkolksschule seine Ausbildung erhalten könne, selbst eine in nur mäßigen Grenzen ge-titene. Der Unterricht in der Volksschule gründet sich, abgesehen von den mechani-schen Fertigkeiten, auf die Lautsprache, die das vollsinnige Kind beim Eintritt in die-selbe mitbringt, das tst. aber erst erlernen muß und wie die Erfahrung bis jetzt gelehrt,"(den meisten Fällen selbst in den Tst.-Schulen schwer und nicht in der Ausdehnungmd in der Sicherheit lernt, daß es dem Vortrage des Lehrers in der Weise einesAllsinnigen zu folgen vermöchte. Außerdem hat der Elcmentarlehrer in seiner in dermgel stark besuchten Schule keine Zeit, sich den tst. Schülern in ausreichendem Maßei" widmen, selbst wenn er sich im Dienste als VolkSschullehrcr die im Seminarwordene Fähigkeit zum Tst.-Unterricht erhalten sollte, und im allgemeinen eignet sich"stt jeder Volksschullehrer zu einem Tst.-Lehrer, von dein man nicht allein verlangendaß er von hoher Liebe zu seinem Berufe durchdrungen, sittlich ernst und ge-eilt, sondern daß er ein an Kopf und Herz gesunder, ein kindlich gesinnter, frommersei; größere Anforderungen in Beziehung auf Selbstverleugnung, Geduld undkmpgung werden an keinen andern Lehrer gestellt. Es gilt deshalb der Grasersches! M allgemein als unausführbar und niemand zweifelt mehr, daß eine ausreichende«mdimg des Tst. nur in besonderen Tst.-Anstaltcn erreicht werden könne. Gleich-u g?"si ^ anerkannt werden, daß die Aufnahme des Tst. - Unterrichts nnte r.^"Ugcpbcn des Seminars ein sehr glücklicher Gedanke und von großen Vor-Mkn begleitet gewesen ist. Zunächst für die Seminarbildung überhaupt, denn die