Tanzen.
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«oder cin öffentliches oder häusliches Fest bieten mag, gilt cS eben mir die Tanz-jq'i zu büßen, fo kann von einem sittlichen Werthc desselben nicht mehr die Rede sein.t»i g"»M wird auf dem Tanzboden der Geist gar wenig, das Fleisch dagegen vielKbnnig finden. Man^kann, so wie unsere Tänze sind, dabei viel verlieren, wenigMnien. Wer ohne Schaden durchkommt, — und cs giebt gar manche, die sichMii rühmen, — der hat von Glück zu sagen. Den sittlichen Gefahren gegenüberftd die angeblichen Lorthcile kaum nennenswerth. Wir schweigen dabei ganz von denMwi, die durch unsere zum Theil rasenden Tänze, wie durch das Ucbermaß intüslm Genuß für Gesundheit und Leben entstehen können. Im Jahr 1868 wurde« Coburg der Tod einer 18 jährigcn Schülerin des dortigen musikalischen Conserva-,wumö gemeldet. Das Feld, auf dem er eintrat, war der „Gymnasistcnball".
_„Gymnasistcnball" — wer hat diesen veranstaltet, erlaubt? Wir nehmen
wen Anlaß, um, nachdem wir in der Bcnrthcilung des Tanzcns überhaupt eineEnnidlage gewonnen haben, ans die pädagogische Seite der Sache cinzugehen und diestiege zu stellen: Wie hat sich die Erziehung dem Lanzen gegenüber zuInhalten? Die Aufgabe derselben ist nach allem gesagten einmal: das Natur-Ninäße, das Wahre und Bildende in demselben zu pflegen, dann aber auch Natur-widriges, Falsches und Verbildendes, das sich hier cinschtcichen könnte, zu beseitigen.W eigentlich Naturwidrige und Gefährliche am Tanzen der Jugend ist aber diercrzeitigc Vereinigung, in welche die beiden Geschlechter durch den»uz, wie er gewöhnlich getrieben wird, gezogen werden.
Für das Kindesaltcr sind alle Spiele, die Gesang und Tanz verbinden, sehrzwakmäßig. Sie erfreuen das Herz, stärken und bilden Körper und Stimme. Hieriitarf es weiter nichts als Halten über Ordnung und Maß. Die Kinder sind da«ist selbst ihre Lehrmeister, wie auch sonst bei ihren Spielen. Und — was hierM Wichtigkeit ist — bei diesen Tanzspiclen der Kinder ist der Unterschied der Ge-rechter ei» verschwindender. Mit dem fortschreitenden Kindesalter geht die Richtunger Neigungen und des Geschmacks bei beiden Geschlechtern mehr aus einander. Bei»eben ist der Sinn mehr auf körperliche Stärke und Gewandtheit gerichtet. Hieriniizt ein Wink für die Erziehung. Der Turnplatz, der Spielplatz, das ist derhtc Tanzsaal für die männliche Jugend. Zweckmäßiger Turnunterricht gewährte Vortheile des Tanznntcrrichts für Ausbildung des Körpers zu Anstand und Würde.Ä cs sich um die Aneignung conventionellcr Formen handelt, wird der durch tüchtigeswd zweckmäßiges Turnen vorgebildete junge Mann dem Tanz- oder Cercmonienmeister,eil ei» solcher noch zugezogen werden, keine schwere Arbeit mehr macken, namentlich,M neben dem Turnplatz auch der Spielplatz wohl benützt worden ist (s- Bewegungs-stlle). Turnübungen und gemeinsame Bewegungsspiele machen den Tanznntcrricht für^mben und Jünglinge geradezu entbehrlich; und bei diesem der männlichen Jugend»gemessenen Tanzen wird auch neben der körperlichen Gesundheit, Kraft und Ge-ilheit jene Frische, jene Rüstigkeit und Munterkeit erhalten, die wir mit dem Namener Fug endlich keit bezeichnen, der Blüte und Vorläuferin echter Mannheit, währendrm Tanzplatz aus leicht eine ungute Luft weht, die der frischen Idealität der Jugendtmirag thut. — Aber wie nun bei unfern Töchtern? Wer Mädchenclassen beiPest oder Kloß hat turnen sehen, wird geneigt sein znzngcben, daß das Mädchcn-«n dieser Art ans seinem Felde so ziemlich dasselbe lcsitct, d. h. den TanznntcrrichtWhc übcrflüßig macht. Natürlich erfordert cin solches Turnen Bewegungen, diemigcr auf Stärke als auf gefällige Harmonie der Kräfte, ans Anmuth hinziclcn.
ME man dennoch statt des Turnens einen besonderen Lehrer für das Tanzen, so sei
M ka» Tanzmcister im gewöhnlichen Sinne des Worts, cin bloßer Abrichter für den«Ml und Ball, sondern cin Bildner des Leibes zu würdiger, anständiger Haltung,
" "Euthiger Bewegung. Ob solch eine Tochter neben den für die Ausbildung desiMichcii Körpers ersprießlichen tanzähnlichen Hebungen auch mit den landläufigen»«zarten bekannt gemacht werden solle, ist eine Frage, die sich in erster Linie nachm gcjellschaftlichen Stellung beantworten dürfte. Fordert diese eine Kenntnis undMgcwiße Fertigkeit darin, so mag sie das lernen; sie trägt nicht schwer daran.Wl Lta»d und Beruf darüber keinen Wink, so mögen cs Vater oder Mutter wohlMiworten können, wenn das Töchterlein je einmal sich eines Tanzantrags mit dem