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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Tanzen.

mebr cs gemcincn Zwecken, dcr bloßen Eitelkeit, Gefallsucht und Sinnlichkeit bic»Unsere Bälle und sonstigen Tänze dürften so, wie sie gewöhnlich gehalten werde»kaum noch den Namen von Knnstleistungcn verdienen und einer sittlichen Bedeut»»nahezu bar sein. Anders gestaltet sich die Sache, wo es sich nicht sowohl um d»Tanzen als Sitte, sondern als künstlerische Darstellung und um den Genuß bnselben als einer solchen handelt (Ballet). An sich steht dcr Tanzkünstlcr nicht unkirgend einem andern Künstler. Aber dieselbe Entartung, welche die übrigen joft schon zum Dienst bloßer Sinnenlnst erniedrigt und entweiht hat, ist auch hsmöglich und vielfach cingetrcten. Je nachdem nun der Tanz als reine Kunst sei»Darstellung reinen Gegenständen znwcndet, desto harmloser nicht mir, sondern a»reiner, erfreuender, ja erhebender kann die Anschauung desselben für ein dazu bereitesund gebildetes Auge sein. Von bloß eitlen, leichtfertigen, buhlerischen, die Sinnlichkeikitzelnden oder gemeinen Tanzdarstellungen, oder auch von bloßer inhaltsloser Künste!wird sich der gesundsinnige Beschauer selbst abwcnden und auch andern abrathcn.

Wenn nach alle dein das Tanzen schon vom Ltandprmct natürlicher SittliMaus, obwohl an sich harmlos, doch sein Bedenken hat, so wird dieses Bedenken s,eher noch steigern, wenn cs sich um den christlich-sittlichen Standpunct HantelWenn sich die Frage so stellt, ob ein wahrer Christ auch ausübender Künstlevon Beruf in der Tanzkunst sein könne, so wird das, falls die betreffende Person iihrer Lebensführung auf diesen Weg gewiesen worden, nicht zu bestreiten sein. Sonsaber dürfte doch bei dem Tanze dcr Umstand, daß der Tanzende seinen ganze»Leib zu dem aufzuführcnden Kunstspicle hergicbt, einen Unterschied zwischen diesKunst und den andern begründen. Dcr Leib des Christen hat den Beruf, ein TempGotteS zu sein (1 Cor. 3, 16 und 6, 19). Ob diese Forderung auch im Tanzen zihrem Rechte komme, wird am Ende doch davon abhängcn, ob das Tanzen wirkli:ur Ehre Gottes diene und im Namen des Herrn Jesu geschehen könne. Ein ehrbarWeltkind wird in einer gewitzen Unbefangenheit, ja Unschuld über manches hinübekommen, was dein, der sich als Eigenthum Christi weiß, für sich nicht zuläßig cscheinen mag. Daß auf dem gemeinen Tanzboden ein gut Stück derber Sinne»!»und in dem Ballsaalc ein gut Theil von dem zu Tage tritt, was unser württabelgisches ConfirmationSbüchlciu alsPracht und Eitelkeit der gottlosen Welt" bezeichneist doch wohl nicht zu leugnen. Und nun das Spielen dcr Gescblechter! TatZusammcnneigcn und Zusammenslietzen der Seele von Mann und Weib in geschleebsicher Liebe, wie sie sich in der Ehe vollendet, ist ein heiliges Geheimnis (EMst2325. 32). Der Gegenstand ist für das Spielen damit zu ernst. EigentlichTanzfeste, wo also das Tanzen sich zum Selbstzweck macht, sind, wenn schon wnatürlichen, so noch vielmehr vom christlich-sittlichen Standpunct aus vcrwcrfliEs widerstrebt sicherlich an sich schon dem Wesen echter Jungfräulichkeit, von alleChristlichkeit abgesehen, wenn ein Mädchen an einem Abend stundenlang von e!»Hand in die andere geht und ihren Leib an Männer vergeben muß, die sie sichst»einmal selber wählen kann. Wenn man vollends hinzunimmt, wie, besonders in StabteBälle nicht selten als eine Art Ausstellung hcirathSfähigcr Töchter angesehen werbeals eine Art Markt zu Anknüpfung von Liebesverhältnissen, so wäre das allein scsigenug für christlich-ehrenhafte Mütter und Töchter, bezw. Söhne, solche Gelegenste»zu meiden, sind wie so manche Ehen gerathen, die im Ballstaat und unter dem Werregter Sinnlichkeit angeknüpft werden, davon wüßte die Ehcstandschronica me«zu berichten. ^ ,

Wir möchten übrigens nicht gerade rigoristisch über alles Tanzen urtheilen.Leben dcr Natur und Gnade läuft oft wunderbar in einander und die ersten soll re»der letzteren nicht niedergetretcn, sondern überwunden und geheiligt werden, ^e«ist, daß Luther mit seinem freien Blicke, wie in das Evangelium, so in Herz und -ckdcS Volkes, sich nicht geradezu gegen das Tanzen als Volkssirtc, namentlich E>Hochzeitstänze aussprach. Bemerkenswertst ist übrigens bei dem milden mPLuthers über das Tanzen einmal, daß er dabei überhaupt die an srch schon ehro«und kunstreichere Art der Tänze zu seiner Zeit vor Augen hatte. Tann aber HAnschlag zu bringen, daß er namentlich dem Tanzen bei Hochzeiten bas Wort reFehlt dem Tanz ein äußerer Anlaß und eine leitende Idee, wie sie eben eine Hoch,