Subjektivität.
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tem Knaben- und Jünglingsalter die Zeit ein, in welcher der Zögling für größere»elbständigkeit reis wird. Er soll jetzt das Gesetz, welches ihm bisher als züchtigendeMoritat gegenüber gestanden hat, in seinen eigenen Wille» aufnchmcn und ihm ge-Hiäß seine natürliche Individualität bestimmen und gestalten. Das kann aber nichtmit einem Schlage gelingen. Vielmehr wird einerseits die natürliche Individualität sich«eilen noch ans eine ungehörige Weise breit machen; und andererseits wird dasWh, welches der jugendliche Geist sich selbst zu bilden sucht, sowohl dem eigenenNaturell in abstracter Leerheit und Sprödigkeit, als der reicheren Lebenserfahrung ge-reistem Geister „anmaßlich und trntzig" sich gcgenüberstcllen. So vereinigen sich dienoch unfreie Individualität und die noch leere Subjcctivität, um diese Uebcrgangsjahrem jene Flegeljahre zu verwandeln, deren süße Jngendcselei dem Erzieher zuweilen nurdm mephistophelischen Trost läßt: „In wenig Jahren Wirdes anders sein; Wenn sichder Most auch ganz absurd geberdet, Es giebt zuletzt doch noch n Wein." DieEntwicklung des ErziehungsWesens während der letzten I ahrhundcrtcbat einen mit dieser Entwicklung des jugendlichen Alters in mancher Beziehung ähn-licben Verlauf genommen. Immerhin stünde zu erwarten, daß wir jetzt endlich dieFlegeljahre hinter uns hätten, d. h. daß Erzieher wie Zöglinge sich des Lmbjectivismusentwöhnten und die in der Familie und in der Kirche waltenden realen pädagogi-schen Mächte und den objektiven Bestand des thatsächlich Bewährten, welches aus derBewegung des staatlichen und wissenschaftlichen Lebens als fester Niederschlagsich ausschcidet, anerkennen lernten, so daß künftighin der Subjektivismus iir der Er-ziehung nicht mehr unter den deutschen Pädagogismcn aufzuzählen wäre.
Der Subjektivismus tritt im Bereiche des Denkens als Vorurtheil, imBereiche des Gefühls als Sentimentalität und Leidenschaftlichkeit, im Be-reiche des Willens als Eigensinn und Willkür hervor; und damit sind zugleichdie Fehler bezeichnet, auf deren Beseitigung der Erzieher sein Augenmerk zu richtenhat und gegen welche er um so glücklicher kämpfen wird, je mehr er selbst aus einemWirten Subject zu einer von dem Gesetze des Ganzen lebendig durchdrungenen Indi-vidualität geworden ist. — Das Vorurtheil ist was das Wort aussagt: ein Ur-iheil, welches das Subject fällt, bevor es von den betreffenden objectiven Verhältnissensich Kenntnis verschafft hat. Die sich entwickelnde Erkenntnis des Kindes beginnt derNatur der Sache nach mit Vorurtheilen. Diese aber beseitigen sich von selbst, je mehres in den objectiven Lebensverhältnissen sich orientirt, und je mehr namentlich in derschule seine Vorurtheile an denjenigen seiner Mitschüler ihr Corrcctiv finden. Außerdiesen natürlichen Vorurtheilen bringt es aber auch anerzogene aus dem elterlichen Hausein die Schule schon mit. Es ist die Aufgabe des Erziehers, alle Formen subjcctivisti-schen Vorurtheils zu beseitigen. Das wird ihm aber nur dann gelingen, wenn er selbstin keiner derselben befangen ist, sondern durch ruhige Geltendmachung der etwa ver-mchläßigten, aber nicht minder berechtigten Seite das einseitige Vorurtheil in ein um-sichtiges und besonnenes Urtheil zu verwandeln versteht. Andern Falles wird er dasdem seinigen verwandte Vorurtheil nur bestärken und groß ziehen, das dem seinigenentgegengesetzte aber in größere Einseitigkeit und in Verhärtung in seinem Gegensätzelineintreibcn. Ja, nach dem Gesetze der natürlichen Trägheit werden cs viele Zöglingebequemer finden, nur zu vernachläßigen, was der Lehrer in seinem einseitigen Subjek-tivismus gering schätzt, anstatt um das, was er empfiehlt, mit Eifer sich zu bemühen.Tas beginnende Jünglingsalter ist besonders geneigt, anstatt, wie Schiller es treffendMsgcdruckt hat, die Gegenstände sich gegen sich hereiubcwegen zu lassen, sich vielmehrvorurtheilcnd und absprechend gegen dieselben hinaus zu bewegen; in dieser Zeit hatdhher der Erzieher in besonderem Maße die Aufgabe, diese Neigung nicht durch dieEinseitigkeit seiner eigenen Vorurtheile zu begünstigen, sondern sie durch umsichtige,besonnene und liebevoll eingehende Führung seiner Zöglinge in die rechte Bahn zuleiten. — Dus Gefühl ist diejenige Seelenthätigkcit, in welcher die Subjcctivitätihren unmittelbarsten Ausdruck findet. Gleichwohl soll auch das Gefühl in seinemErlichen Subjectivismus nicht verharren, sondern aus dem Gefühl eines isolirtenÄubjcctes erhoben werden zu dem Gefühl eines Individuums, welches von dem Be-wußtsein durchdrungen ist, daß es ein Glied eines Ganzen bildet. Zieht sich das Gefühl,wenn es von dieser Forderung berührt wird, in selbstsüchtiger Weichheit aus sich selbst