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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Stumpfsinn.

Subjektivität.

durch Bild oder Ton oder Zahl oder durch Beschäftigung der Glieder ArbeitTurnen ec. Die einzig richtige Methode ist hier die, keine Methode zu haben, sondernganz individuell zu verfahren. Der Stumpfsinn aus Mangel an Reizungen für dasBewußtsein hat seine Heimat namentlich in den Gegenden des Einödcsystems, undzieht besondere Nahrung aus dem Einzelviehhüten eine schwere Aufgabe für dmLehrer an solchen Schulen, und wobei er das Kind nicht entgelten lassen darf, wak-an den Verhältnissen liegt. Das Bleigewicht der Monotonie eines solchen Lebensvon der Seele abzuwälzen ist eine wahrhaft humane, evangelische Arbeit. Hier ist dasandere Extrem von der Stumpfheit zu bekämpfen, welche aus Ueberreiz und Zerstreu:ung Lei denen entsteht, die von früh an in dem immerwährenden Wechsel von Be-wußtseinsreizungen umgetrieben werden. Wo Stumpfsinn aus moralischer Ver-schuldung entstanden ist, fragt es sich, ob hier nicht wiederum in erster Linie die LrztMeBehandlung einzutreten hat, im andern Fall wird man mit ernsten Zuchtmitteln ein:schreiten und dem Kinde nichts schenken, denn Weichheit und Schonung sind hierkeinenfalls angelegt. Legt Stumpfheit sich auf eine ganze Schule, dann hat derLehrer sich zu fragen, ob nicht sein Unterricht es ist, der die Seelen schlafen inaün,es fei durch eigene Stumpfheit und Langweiligkeit, oder durch Schärfe und Hast, dieden Schülern Muth und Athem rauben.

Stundenplan, s. Lectionsplan.

Stundenzahl, s. Unterrichtszeit.

Subjektivismus, s. Erziehung, verkehrte Richtungen; Subjektivität.

Subjektivität. Der Begriff der Subjektivität leitet uns unwillkürlich aufden der Individualität hin, ja es liegt nahe, beide Begriffe mit einander zu vmwechseln, da sie in der That das mit einander gemein haben, daß sie beide auf dasRecht des einzelnen Menschen Hinweisen, als ein Glied des Ganzen, welchem er a»-gehört, doch zugleich seine Eigenthümlichkeit und Selbständigkeit auszubilden und zuwahren, und zwar nicht bloß um seiner selbst, sondern auch um des Ganzen willen, weildiesem nur aus der Entwicklung der ihm angchörenden Glieder ein reich und krästizbewegtes Leben erwachsen kann.

Uns kommt es jedoch hier wesentlich darauf an, den Begriff der Snbjrctiuiisttin seinem Unterschied von dem der Individualität, ja im Gegensätzegegen denselben in Betracht zu ziehen. Einer aufmerksamen Betrachtung kann inder That die Verschiedenheit beider Begriffe nicht entgehen. Von vornherein ist klar,daß der Begriff der Individualität auf eine dem Einzelwesen von Natur mitgegebeneEigenthümlichkeit sich bezieht, daß dagegen die Subjcctivität im Gebiete des geistigenLebens liegt, indem sie auf der Fähigkeit eines Einzelwesens beruht, sich seiner selbstbewußt zu werden und sich demgemäß mit Freiheit zu bestimmen. Die Jndividualitäibildet somit die Naturbasis der Subjcctivität und die Subjektivität ist die geistige Form,unter welcher die Individualität in das Gebiet des Selbstbewußtseins und der Freiheiterhoben werden soll. So angesehen, schließen die beiden Begriffe sich nicht ans, son-dern fordern einander: die Individualität bleibt roh und unentwickelt, wenn die Sub-jektivität sich nicht ihrer bemächtigt; und die Subjektivität bleibt leer und willkürlich,wenn die Individualität nicht ihren realen und lebendigen Inhalt bildet. Aber wiedie Individualität in rober Natürlichkeit gegen die geistige Zucht sich sträuben kann,welche ihr die Subjektivität soll angedeihen lassen, so kann die Subjektivität in falsckerFreiheit von dem natürlichen Boden sich losreißen, welcher ihr in der individuellenAnlage gegeben ist. Sie stellt sich damit zugleich dem objektiven Leben überhaustmit den abstrakten Forderungen subjektiven Denkens und subjektiver Willkür gegenüber,anstatt das Gesetz dieses Lebens verstehen zu lernen, um in dessen Gemeinschaft alsein eigenthümlich ausgerüstetes Glied einzutreten. Die berechtigte Subjektivität wirdso zu unberechtigtem Subjektivismus; und auf diesen werden wir hier vor-zugsweise die Aufmerksamkeit zu lenken haben.

Unverkennbar giebt es in der natürlichen Entwicklung der Jugend, zumal dermännlichen, eine Periode, welche daö Hcrvortreten dieses Subjektivis-mus begünstigt. Während im Kindes- und Knabenalter die natürliche Individua-lität unbefangen sich äußert und von der Weisheit und Auctorität der Erzieher unbewußtgeleitet und in den gebührenden Schranken gehalten wird, tritt auf der Grenze zwischen