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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Strafe.

Wort auch nicht gerade sein wie cm Knall mit der Peitsche, nur durch das Schallewirkend, sondern durch Gehalt. Namentlich gegenüber von reiferen Schülern oeraieb!sich der Lehrer leicht durch solche vom Unwillen hervorgestoßene Sätze und cs kamunter Umständen geboten sein, daß er hier sich auf Gebrauch und Stellung der Wortevorbereitet, um nicht durch zu herbe Ausdrücke zu verbittern, durch ungeschickte Lackenzu erregen. Ueberhaupt darf man es mit dem strafenden Worte gar nicht leicktnehmen. Der bloße Zorn des Menschen thut auch hier nicht, was vor Gott recht jpEs wird unsagbar viel gefehlt und gesündigt mit derjenigen Kundgebung des Unwillenswelche sich in Schimpfworten Luft macht. Häßlich und beider Theile unwürdiäsind die Thicrnamen, womit oft eine Ungeschicklichkeit oder eine Unart gezeichnet wirdEntweder erzeugt und befördert man dadurch die Niederträchtigkeit, oder aber entstebtErbitterung, Misachtung gegen Mißachtung. Neben dem rohen Schimpfen ist csdas witzelnde Verhöhnen, welches ebenfalls üble Wirkungen nach sich zieht. Be-sonders unglücklich werden die un- und schwachbegabten Kinder dadurch gemacht. Einembegabteren Schüler mag unter Umständen das Salz des feinen Spottes sogar mrFörderung werden; aber solch ein Salz will cum §rnno snlis angewendet sein. Ironiewird namentlich in den Jahren des aufstrebenden Ehrgefühls eher schaden als nützenjedenfalls wird sie ihren Zweck unter vier Augen leichter erreichen, als wenn der siüna-ling in Gegenwart seiner Mitschüler sich beschämt sieht. Der Erzieher, welcher desZöglings Ehrgefühl sich zum Feinde macht, wird dessen Gewissen nicht leicht zumBundesgenossen haben. Je umfassender das Strafgebict des Wortes denn diemeisten pädagogischen Strafen bestehen doch in mündlichen Rügen und je ent-sprechender der vernünftigen Anlage des Zöglings diese verständlichste Art der Zurecht-weisung ist (Spr. Sal. 17, 10. 15, 32), um so mehr kommt es darauf an, daßsie auch in der rechten Weise erfolgt: kurz und bündig, energisch, ohne Bitterkeit undHohn, ohne Verletzung der Ehre. Wo der ganze Mensch yiedergedonnert wird, darichtet sich hernach auch der ganze wieder auf und seine Fehler sammt ihm. Hat derZögling durch sein Vergehen sich selbst beschimpft, so ist Beschimpfung durch den Er-zieher das kräftigste Mittel, das Gefühl der Scham in ihm vielmehr zurückzudrängen;er wird dadurch in einen Stand der Nothwehr versetzt, bei welchem er nicht nur sichselbst verthcidigt, sondern am Ende noch sein Vergehen vor sich zu entschuldigen ver-sucht ist.

Gehen wir endlich zu der Betrachtung der strafenden That über, so begegnenwir zunächst der Frage von dem Schlagen. Dabei erinnere man sich an das obenüber den Einfluß der Zeitvorstellungen auf gewiße Strafarten Gesagte. Was Deutsch-land betrifft, so wird hier in den meisten Häusern und L-chulen noch körperlicheZüchtigung angewendet. Wie verhält sich dem gegenüber die wissenschaftliche Päda-gogik? In der Regel wird Schlagen nur als ultima ratio angesehen. In frühemZeiten war es häufig umgekehrt, und das stumme Instrument galt für den Stellver-treter der Worte nicht nur im Ziehen, sondern auch im Lehren. Auch heute noch wirdman den Lehrer nicht ohne weiteres verdammen können, welcher unter Umständen sicheiner solchen abbrevirten Beihülfe etwa zum Behalten von Regeln mit Maßhalten be-dient. Hier tritt dann aber der Streich weniger als Strafe denn als Denkzettel auf;und wo jeder ohne Ausnahme für den gleichen Fehler den gleichen Denkzettel erhält,da läßt das gemeinsame solameu misoris ein Gefühl individueller Verletzung nichtaufkommen. Gewiß ist aber, daß man niemand zum Gelehrten prügeln kann, unddaß es ein nicht eben weites Altcrsgebiet für Lernschläge giebt; wo solche überhauptnoch angcwendet werden, dürften sie in die Mitte zwischen die ersten und letzten paarKnabcnjahre fallen. Nicht mehr bloß als Denkzettel, sondern als wirkliche Strafentreten jedoch diejenigen Lernschläge auf, welche dem Faulen, dem an habitueller Nach-läßigkeit und Schaukelet leidenden Knaben zugemessen werden. Das sind sittliche Un-arten, ihnen gegenüber reagirt die gerechte Indignation und vergilt dem Fleifch durchsinnliche Mittel. Mit dieser Ansicht tritt inan allerdings den in der neuen Pädagogikherrschenden Maximen entgegen. Das stärkste, was gegen das Schlagen gesagt werdenkönnte, sagt wohl E. L. Rochholz in seinem interessanten:Die Ruthe küssen.Ein Abschnitt aus der deutschen Erziehunasgeschichte (Pfeiffers Germania Jahrgang 1S. 134 u. s.). Nach ihm müßten wir m der Sitte der körperlichen Züchtigung eine