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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Schiller.

gang, welcher ein großartiges Bild anfrcllt von der ^gestimmten Erziehung des M».schengeschlcchts. Tie pädagogischen Gedanken, welche Schiller in diesen Gedichten ^gestellt hat,' hat er sodann in denBriefen über die ästhetische Erziehu»,des Menschen" philosophisch begründet und zu einem System entwickelt. ^Seinen Begriff von Erziehung drückt der Dichter im ersten Theil diestSchrift in den Worten aus:Jeder individuelle Mensch trägt, der An-lage und Bestimmung nach, einen reinen idealischen Menschen in sijmit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechslunqe»übcreinzustimmen die große Aufgabe seines Daseins ist." Dieser Ideal-mensch wird repräsentirt durch den Staat, die objective und gleichsam kanonische Formin der sich die Mannigfaltigkeit der Subjecte zu vereinigen trachtet. In den St«,!nun warf den Menschen der Zwang der Bedürfnisse hinein, ehe er in seiner Freiheitdiesen «Stand wählen konnte; die Noth richtete denselben nach bloßen Naturgesehen einehe der Mensch es nach Vernunftgesetzen konnte. Aber mit diesem NothstaatekMer als moralische Person nicht zufrieden sein: der Nothstaat muß zum Vernuust-staate erhoben werden. Dieser aber setzt Bürger voraus, welche durch ihre geistigeund sittliche Entwicklung gehörig darauf vorbereitet sind, daß sie dem höheren Gesetzemit Freiheit dienen. Der Versuch, den Vernunftstaat herzustellen, bevor diese Voraus-setzung erfüllt ist, wird mit Schwärmerei beginnen und mit Barbarei endigen. Ai-traurige Illustration für diesen Satz benutzte Schiller die Ereignisse der französiste»Revolution, unter deren noch frischen Eindrücken er schrieb. Die ästhetische Bildungnun ist im Stande, von dem physischen Charakter die Willkür und von dem Moralistendie Freiheit abzusoudern, den erstereu mit Gesetzen übereinstimmend und den letztemvon Eindrücken abhängig zu machen und so einen dritten Charakter zu erzeugen, der,mit jenen beiden verwandt, von der Herrschaft bloßer Kräfte zu der Herrschaft derGesetze einen Uebcrgaug bahnt und zu einem sinnlichen Pfand der unsichtbaren Sitt-lichkeit dient. So entsteht die Totalität des Charakters, welche bei einem Vollegefunden werden muß, wenn es fähig und würdig sein soll, den Staat der Noth mitdem Staat der Freiheit zu vertauschen. Die schöne Kunst also muß benutzt werde»,um die Menschen zur Erreichung ihrer Bestimmung fähig zu machen. Zn deinzweiten Th eil seiner Schrift gicbt Schiller für jene Sätze die philosophischeBegründung. Die Abstraction unterscheidet in dem Menschen etwas, das bleist,seine Person, und etwas, das sich unaufhörlich verändert, seinen Zustand. Nur indemer sich verändert, existirt er: nur indem er unveränderlich bleibt, existirt er. DerMensch, vorgcstcllt in seiner Vollendung, wäre demnach die beharrliche Einheit, die i»den Fluten der Veränderung ewig dieselbe bleibt. Hieraus fließen nun zwei entgegen-gesetzte Anforderungen an den Menschen, die zwei Fundamentalgesetze dersinnlich vernünftigen Natur. Das erste dringt auf absolute Realität: er sollalles zur Welt machen, waS bloße Form ist; das zweite dringt auf absolute Formalität:er soll alles in sich vertilgen, was bloß Welt ist; mit andern Worten: er soll alles Innereveräußern und alles Aeußere formen. Dieser doppelten Aufgabe nun entsprechen zweientgegengesetzte Grundtriebe. Der sinnliche Trieb geht aus vordemphysischen Dasein des Menschen und ist beschäftigt, seinen Zustand m der Zeit zu ver-ändern und ihn diesen Zustand empfinden zu lassen. Der Formtrieb dagegen gehtaus von dem absoluten Dasein des Menschen und ist bestrebt, ihn in Freiheit zu setze»und bei allem Wechsel des Zustandes seine Person zu behaupten. Wo der sinnlicheTrieb ausschließend wirkt, da ist nothwendig die höchste Begrenzung vorhanden; derMensch ist in diesem Zustande nichts als eine Größeneinheit. Wo dagegen der Form-trieb die Herrschaft führt, da verschwinden alle Schranken, da hat sich der Mensch zueiner Jdeeneinheit erhoben. Wir find bei dieser Operation nicht mehr Individuen,sondern Gattung; das Urtheil aller Geister ist durch das unsrige ausgesprochen: wennder sinnliche Trieb nur Fälle macht, so gicbt der Formtrieb Gesetze. Obwohlnun diese beiden Triebe von entgegengesetzter Tendenz sind, so sind sie doch nicht zunothwendigem Widerstreite bestimmt, da sie nicht in denselben Objecten sich begegne»sollen. Zwar sobald man einen ursprünglichen, mithin nothwendigen Antagonismusbeider Triebe behauptet, so ist freilich kein anderes Mittel, die Einheit im Mensche»zu erhalten, als daß man den sinnlichen Trieb dem vernünftigen unbedingt uuterorduet.

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