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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Schiller.

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ii Leben scheinen mir bloß deswegen so widrig und abgeschmackt, weil sie verfehlteDarstellungen dieses Höchsten sind. Hält man sich an den eigentlichen Charaktcrzugdes Christenthums, so liegt er in der Aufhebung des Gesetzes, des' kantischen Impera-tivs an dessen Stelle das Christenthum eine freie Neigung gesetzt haben will. Es istals/ in seiner reinen Form, Darstellung schöner Sittlichkeit oder Menschwerdung desheiligen, und in diesem Sinn die einzige ästhetische Religion." Ja Schiller lerntesogar allmählich den Werth der öffentlichen Religion schätzen und die Nothwendigkeiteiner Wiedererweckung des - kirchlichen Lebens erkennen. Ein Jahr vor seinem Todeslk. Juli 1804) schreibt er an Zeller die beinahe prophetischen Worte:Berlin hatin den dunkeln Zeiten des Aberglaubens zuerst die Fackel einer vernünftigen Religions-freiheit angezündet; dies war damals ein Ruhm und ein Bedürfnis. Jetzt in Zeitendes Unglaubens ist ein anderer Ruhm zu erlangen, ohne den ersten einzubüßen; esgebe nun auch die Wärme zu dem Lichte und veredle den Protestantismus, dessenMetropole es einmal zu sein bestimmt ist. Ich wünschte nur auf sechs Wochen einberlinischer Akademiker zu sein, um einen Beruf zu haben, mich über diese Sachevernehmen zu lassen, aber es fehlt ja dazu nicht an Leuten, und sollte nicht z. B.Schleiermacher der Mann dazu sein?" Wichtiger freilich, als solche einzelnenZeugnisse von Anerkennung des Christenthums, ist für die Beurtheilung seiner Ver-hältnisse zu demselben die Betrachtung der gesammten Grundrichtung Schillers. Dieästhetische Freiheit, welche er als das letzte Ziel des Christenthums wie der von ihmselbst empfohlenen ästhetischen Erziehung hinstellt, ist doch im Grunde nichts anderes,als die höchste ethische Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes, deren Hanptgrundsatzunser Dichter mit dem Worte:Nehmt die Gottheit auf in euren Willen" treffendsormulirt hat. War seine ganze Persönlichkeit darauf gerichtet, nach den Forderungender Idee vor allem das Gute zu schaffen, weil dieses dem Schönen zur unerläßlichenVoraussetzung dient, so liegt in diesemDichter der Idee durch die Macht desWillens" offenbar eine natürliche Prädisposition zur ethischen Religion, insbesonderezum Christenthum. In der That ist Schillers ganzes Leben beherrscht gewesen vondem Grundsätze, welchen Christus selbst ausgesprochen hat in den Worten:Der Geistist es, der da lebendig machet, das Fleisch ist kein nütze." Wir begreifen, daß einMann, wie Friedrich Schlegels diesenbleiern moralischen" Schiller höchst widerwärtigfand; aber wir freuen uns, daß gerade Göthe diesem das Zeugnis gegeben hat:Schiller war immer im absoluten Besitz seiner großen Natur. Das war einrechter Mensch, so sollte man auch sein! Schillern war eben eine Christus-tendenz eingeboren: er berührte nichts gemeines, ohne es zu ver-edeln." Man wird sonach den Beruf Schillers, vielen, namentlich unserer Jugend,ein Führer zu Christo zu werden, um so weniger in Abrede ziehen wollen, je mehrgerade auch sein Lebensgang geeignet ist, als pädagogisches Vorbild zu dienen. (lieberSchiller als Ideal vgl. Thomas Carlyle in seinem Leben Schillers, Frankfurt a. M.1830. In Bezug auf Schillers Verhältnis zu Religion und Christenthum vgl. den Vortragvon Kleinert: Schillers religiöse Bedeutung, Berlin 1807, und von den Schillerredenaus dem Jahre 1859, die von Schmid in Stuttgart, S. 10 ff., von Sydow in Berlin,im Schiller-Denkmal, I, S. 28 ff., und von G. Baur, ebendaselbst II, S. 280 ff.)

Bei einem Dichter, welchem die eigene sittliche Läuterung als die unerläßlicheVorbedingung einer edeln Kunst, und wiederum die wahrhaft schöne Kunst als daswirksamste Mittel sittlicher Veredelung galt, läßt es sich nicht anders erwarten, alsdaß auch seine Werke von einer pädagogischen Tendenz im höchsten SinneWerden durchdrungen sein. Diese Tendenz war es, welche ihn vorzugsweise aufdu dramatische Poesie hinwies und ihndie Schaubühne als eine moralische Anstalt"betrachten ließ. In dem dieser Betrachtung gewidmeten Vortrage (1784) wird unterdm Vortheilen einer guten Bühne auch deren Gewinn für die Erziehung besondersHervorgehoben. Als solche Gedichte, welche wir in der idealsten Bedeutung des WortesPädagogische heißen können, haben wir hier zu nennen: vor allen die Künstler, inwelche» die schöne Kunst einerseits als die freundliche Erzieherin des Menschen erscheint,andererseits aber auch als das höchste Ziel menschlicher Bildung sich darstellt; danndfs Ideal und das Leben, welches hie Erreichung dieses Zieles in dem Menschen'Mrt, der die Gottheit in seinen Willen ausgenommen hat; und endlich den Spazier-