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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Schiller.

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Aber es ist klar, wie Schiller wenigstens gegen den Buchstaben des Kantischcn Systemsund unter Berufung auf Fichtes Wissenschaftslehre mouirt, daß auf diese Weise mirEinförmigkeit und keine Harmonie entstehen kann. Aber der Widerstreit beider Triebeist in Wahrheit kein in ihrer Natur ursprünglich begründeter, sondern er ist erst ge-worden durch eine freie Uebertretung der Natur, indem sie sich selbst misverstchen undihre Sphären verwirren, nicht allein die Sinnlichkeit das Gebiet der Vernunft verletzt,sondern auch diese im Gebiete der Empfindung unberechtigte Ansprüche erhebt. DerUiinine Einfluß einer überwiegenden Scnsualität auf unser Denken und Handeln falltin'die Angen; aber ebenso häufig und ebenso wichtig ist der Schaden einer der Anschauungund Empfindung vorgreifenden Denk- und Willenskraft. So isteine der vornehmstenUrsachen, warum unsere Naturwissenschaften so langsame Schritte machen, offenbarder allgemeine und kaum bezwingbare Hang zu teleologischen Urtheilen, bei welchensich, sobald sie constitutiv gebraucht werden, das bestimmende Vermögen dem empfangendenunterschiebt. Ebenso schwer dürfte es zu bestimmen sein, ob unsere praktische Philan-thropie mehr durch die Heftigkeit unserer Begierden oder durch die Rigidität unsererGrundsätze, mehr durch den Egoism unserer Sinne oder durch den Egoism unsererVernunft gestört und erkältet wird. Man macht sich freilich seine gesellschaftlichenPflichten ungemein leicht, wenn man dem wirklichen Menschen, der unsere Hülfeausfordcrt, in Gedanken den Ideal-Menschen unterschiebt, der sich wahrscheinlich selbstHelsen könnte. Strenge gegen sich selbst, mit Weichheit gegen andereverbunden, macht den wahrhaft vortrefflichen Charakter aus. Abermeistens wird der gegen andere weiche Mensch es auch gegen sich selbst, und der gegensich selbst strenge es auch gegen andere sein; weich gegen sich und streng gegenandere ist der verächtlichste Charakter." Nach diesem allem kann man es alsAusgabe der Cnltur bezeichnen, einem jeden jener beiden Triebe seine Grenzen zusichern und nicht bloß den vernünftigen Trieb gegen den sinnlichen, sondern auch diesengegen jenen zu behaupten; nur dadurch führt sie den Menschen der Idee seinerMenschheit entgegen. Dieser Totalität seines Wesens, seiner Menschheit im vollenSinne, kann aber der Mensch nur froh werden, wenn er zugleich seiner Freiheit sichbewußt wird und sein Dasein empfindet, zugleich sich als Materie fühlt und als Geistkennen lernt, und der Gegenstand, welcher ihm eine solche vollständige Anschauung seinerMenschheit verschafft, muß ihm ein Symbol seiner Bestimmung werden. DieserTotalanschauung seines Wesens entspricht nun ein neuer Trieb,welchen Schiller den Spieltrieb nennt, weil er nicht, wie die beiden andern Triebe,aus ein praktisches Verhalten gerichtet ist, weder wie der sinnliche bestimmt werden,noch wie der Formtrieb selbst bestimmen will, sondern bestrebt ist, so zu empfangen,wie die freie Selbstthätigkeit hcrvorgcbracht hätte, und so hervorzubringeu, wie der Sinnzu empfangen trachtet. Indem also der Spieltrieb den Sinn die Gesetze der Vernunftnd die Vernunft die Gesetze der Natur nicht als äußere Nöthigung empfinden läßt,erhebt er den Menschen aus dem Bereiche des Zwanges in das Bereich des freienSpiels inr höchsten Sinne. Er bringt Form in die Materie und Materie in die"mn und versöhnt so den sinnlichen Trieb und deir Formtrieb. Da nun der sinn-liche Trieb das Leben, der Formtrieb aber die Gestalt zum Gegenstände hat, sokann man den Gegenstand, in welchem der Spieltrieb sich befriedigt, als lebendeGestalt bezeichnen. Und in der lebenden Gestalt findet der Begriff der Schönheitseine Verwirklichung, in welcher Natur und Geist, Materie und Form sich wechsels-weise durchdringen und das Sinnliche geistig belebt ist. Das vollkommene Gleich-gewicht der Realität und der Form, in welchem das höchste Ideal des Schönen zuwchen ist, kann freilich von der Wirklichkeit nie ganz erreicht werden, vielmehr wirdhier immer ein Uebergewicht des einen Elements über das andere übrig bleiben. Vonm Schönheit in der Idee würde stets zugleich eine auflöscnde und eine anspannendeVurkung zn erwarten sein: eine auflöscnde, um sowohl den sinnlichen Trieb als denMintrieb in ihren Grenzen zu halten; eine anspanncndc, um beide in ihrer Kraft zu erhalten.

der Wirklichkeit aber scheidet sich die Schönheit in eine schmelzende und in eineenergische Schönheit. Ta aber energische Schönheit den Menschen ebenso wenig voremem gewißen Ueberrest von Wildheit und Härte bewahrt, als ihn die schmelzende voreinem gewißen Grade der Weichlichkeit nnd Entncrvung schützt, so ist für den Menschen