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Salzmann.
Schamhaftigkeit.
alter von besonderem Interesse, in welchen er seine Erziehungsgrundsätze in praktist-anschaulicher Weise zusammenzufasscn suchte: „Konrad Kiefer oder Anweisungeiner vernünftigen Erziehung der Kinder", und: „Ameiscnbüchlein oder Anweisung zueiner vernünftigen Erziehung der Erzieher"; jenes für Eltern bestimmt, dieses smsolche, die erst später als Gehülfen oder Stellvertreter der Eltern die Erziehung über-nehmen. Beide zusammen sollten die positive Ergänzung des Krebsbüchleins sein.Diese beiden Schriften verdienen noch jetzt gelesen zu werden. Es gicbt vielleicht inder neuern pädagogischen Literatur kein Werk, das die häusliche Erziehung, besondersder ersten Jahre vor Eintritt der Schule, in so anschaulich praktischer Weise darstelltewie Konrad Kiefer, und keins, das die Pflicht des Erziehers, sich selbst zu vervoll- nkommncn und den Grund jedes Mißerfolgs vor allem in sich selbst zu suchen, st üeindringlich ans Herz gelegt hätte, wie das Ameisenbüchlein. — Im I. 1808 wurde ISalzmann von der Gicht befallen, welche die Kraft seines Lebens allmählich erschöpfte. si .Er starb im I. 1811, am 31. October, in Frieden, nachdem seine Gattin, die treueGehülfin seines Lebenswerkes, im I. 1810 ihm vorangegangen war. — (Vgl. außerden Schriften Salzmanns seine Biographie von I. W. Ausfeld in der von Hoffmamin Stuttgart 1845 verlegten Ausgabe der Schriften.)
Sanstmuth, s. Selbstbeherrschung.
Satzungen, s. Schulgesetze.
Schamhaftigkeit. Keuschheit. Wir nehmen diese beiden Begriffe wegen daEinheit der Sache, wodurch beides zu einem Problem für den Erzieher wird, zu-sammen, obgleich zwischen beiden ein bestimmter Unterschied statt findet. Nicht jedeVerletzung der Schamhaftigkeit ist auch eine Verletzung der Keuschheit, da sie möglicherWeise bloß die Folge einer gewißen Saloperie oder das Zeichen sehr geringer Bildungist; umgekehrt giebt es eine Art von Unkeuschheit, die sich so sehr ins Dunkel zuM-zieht, daß damit ein schamhaftes Benehmen nach außen sich wohl verträgt, und eineArt übertriebener Schamhaftigkeit, die Prüderie, die nicht selten das Zeichen einerwenigstens die Gedanken befleckenden Unkeuschheit ist. Schamhaftigkeit ist die ununter-brochene Bewahrung des Anstandes in Bezug auf die Selbstdarstellung der Perstnin Haltung, Miene und Geberde, KleidunD und Rede; näher die unüberwindlicheScheu, daß nicht dasjenige, was der animalischen Seite des Mcnschenwesens angehört,zur Erscheinung komme. Die Schamhaftigkeit duldet demgemäß weder eine thatsich-liche derartige Entblößung des Körpers (weshalb das Gebot der Verhüllung für dnSWeib ein noch absoluteres ist, als für den Mann, gegen welches Gebot eben darum ^die im Dienste der Lüsternheit stehende Mode stets in Auflehnung begriffen ist) , noch Wauch eine solche Entblößung durch Wort oder Bild. — Keuschheit dagegen ist dieReinhaltung der eigenen Person von derjenigen Entwürdigung, die nicht durch bloßenAnblick des zu Verhüllenden, sondern durch thatsächlichen Misbrauch des Geschlechts-lebens vollzogen wird. Dem Misbrauche steht der rechte Gebrauch gegenüber; indieser Beziehung modificirt sich der Begriff der Keuschheit dahin, daß sie identisch ißmit Heilighaltung der Ehe. Andererseits ist sie nur eine spccielle Seite derjenigenallgemeinen Tugend, die als genaues Maßhalten in allem Begehren das Gegenthnlbildet zu jeglicher Art von Lüsternheit, also auch z. B. in Bezug auf Essen undTrinken, in welcher Beziehung der Erzieher schon der dem Kindesalter so häufig an-klebenden Naschhaftigkeit als einem Anfang der Lüsternheit überhaupt entgegen;»-arbeiten hat. — Die sittliche Nothwendigkeit der Keuschheit vorausgesetzt entsteht für Idie Pädagogik die Frage: 1) ob der Erzieher schon verpflichtet sei, auf dieselbe hin- Izuarbeiten? 2) ob er dazu die erforderlichen Mittel in Händen habe und welches Idiese Mittel seien? . i
Der erste Punct könnte insofern einem Zweifel unterliegen, als die Keuschheit -erst in dem Lebensalter Pflicht zu werden beginnt, in welchem sie anfängt gefährd« Izu sein, d. h. mit dem Erwachen des Geschlechtstriebs, und als sie im Unterschied von Mandern Tugenden das durchaus Eigene hat, daß, sobald von ihr auch nur AvMjV» Iwird, sie eben damit schon gefährdet, d. h. die Phantasie, die Neugierde des Kinde»auf einen Gegenstand gerichtet wird, der für sein Wissen und sein Interesse noch garnicht sxistiren soll. Deswegen war es in älterer Zeit allgemeine Praxis, positiv >njener Richtung nichts zu thun; die vorbeugende Thätigkeit beschränkte sich aus den