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Salzmann.
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Zeit wurde es Uebung, daß jeder Neueintretende sich so gleichsam in die Geschickte KrAnstalt einzeichnete. So brachte die Obsternte jedes Jahres, die nicht ohne Hülst derZöglinge geschah, das Bewußtsein der Gegenwärtigen in Zusammenhang mit der Bengangenheit. — Salzmann sah übereinstimmend mit den andern Philanthropisten in derAufmunterung durch Lob und gesellschaftliche Ehre ein wichtiges Mittel der EnZiehung. Daß. man in dieser Richtung zu weit gieng und daß durch die sogenanntenOrdensfeste, die man auch in Schnepfenthal feierte, das Streben nach äußerer Ehreallzusehr in manchen jungen Gemüthern gesteigert werden mußte, scheint Salzmmnselbst erkannt zu haben; er schaffte die Ordensverleihungen später ab. Uebrigensbildete diese Cercmonie nur den Schlußact einer zusammenhängenden Einrichtung. DüLehrer hatten es sich aufznzeichnen, wenn ein Zögling sich durch Fleiß auszeichneteund gaben dem Belobten eine Marke. Wer 50 solche Fleißzettcl hatte, zu dessen Estewurde in einer schwarzen Tafel im Bctsaal ein gelber Nagel «ungeschlagen. Wer 5l>solcher Nägel hatte, was natürlich nicht leicht vor der Zeit des beginnenden Jünglinge:alters der Fall sein konnte — der wurde als Jüngling betrachtet und für ihn fielnun dieses Aufmunterungsmittel weg. Ehe er aber beim Ordcnsfcst feierlich MJüngling erklärt wurde, mußte er noch eine Prüfungszeit von mehreren Wochen He-ftchen. Es wurde genau beobachtet, ob er auch in dieser Zeit, ohne Aufmunterunzs-Zeichen, seinen Pflichten getreu sei, er mußte wöchentlich einen Tag statt der Mittags-
Mitternacht wachen und endlich wöchentlich einen forcirten Marsch von einigen Stunden Zthun. Erst dann wurde die Ordensverleihung vorgenommen. Unter gewißen shm- ;bolischen Ceremonien, unter abwechselnden Reden, Gesängen und Gebeten, wobei der sZweck verfolgt wurde, den angehenden Epheben mit einer ernsten, sittlich-religiösen iAnsicht des öebcns zu erfüllen, wurde ihn: das goldene Ordenskreuz, in dessen Mittel- ^felde ein Grabscheit als Symbol strenger und fruchtbringender Arbeit und die Zeichen sl). l). u. ll, (Denken, Dulden und Handeln) eingegraben waren, umgehängt, dos er knun bei feierlichen Gelegenheiten und am Sonntag tragen durfte. Hiermit waren zu- 8gleich wesentliche, der erlangten Entwicklungsstufe angemessene Vorrechte und Beioeiü jdes Vertrauens verbunden. Mit diesem «Systeme aufmunternder Ehrenbelohnmiga :giengen aber auch andere Erziehungsmittel, die mehr den Charakter eigentlicher Zucht- -mittel hatten, parallel. Jeder Aufseher hatte über das Verhalten der ihm anver- !trauten Zöglinge eine Sittentabelle mit den Rubriken Fleiß, Aufmerksamkeit, Gefällig- Mkcit, Anstand, Ordnung, Reinlichkeit, Wahrheitsliebe re. zu führen und seine Notizenjeden Abend durch die Beobachtungen der andern Lehrer zu ergänzen. Hieraus wurdendie Wochenurtheile, über die Zöglinge gebildet und auf diese gründete sich dann dieCensur, welche zu Ende jeder Woche vor dem „Senate", d. i. vor der Lehrerconsmn;abgehalten wurde. Nach Orgelspiel und Gesang wurden zunächst die kleinsten censumtund entlassen, dann die größeren, und endlich auch „Ordensritter". Hatte ein solchersich nicht gut verhalten, so erhielt er einen Verweis; wiederholte sich der Fehler, iodurfte er am folgenden Sonntage sein Ordenskreuz nicht tragen, eine Strafe, die sehrschmerzlich empfunden wurde. Für die übrigen gab es mannigfaltige Strafen, die ,hauptsächlich in Entziehungen und Beschränkungen bestanden. Sie bestanden in Abzug tvon Flcißmarken für den Ehrgeizigen, in Beschränkung der Mahlzeit auf bloßes Brolfür solche, die viel auf Essen hielten, in Hausarrest auf einen oder mehrere Tage.Dem Unordentlichen wurden die Sachen, die man am Unrechten Orte fand, confiscinund er mußte sie jedes Stück mit einen: Pfennig einlöscn, auch sonst wurden Geld-strafen verhängt. Körperstrafen wurden möglichst vermieden, höchstens mochte dieRuthe bei den ganz Kleinen iir Anwendung kommen. Um zu verstehen, wie Geld-strafen über die Kinder verhängt werden konnten, muß man wissen, daß die Zöglingekein Taschengeld bekamen, wohl aber Gelegenheit und Hülfe fanden, sich ein kleinesVermögen zu erwerben. Jeder mußte von seinen Eltern einen Ducaten mitbringcn.Nun besetzten sie die Teiche mit Fischen, kauften einen Bienenschwarm, ein Lamm, einKalb und der daher entspringende Gewinn fiel in ihre Kasse. Ferner erhielt jeder wGarten ein kleines Grundstück zum Anbau und die Gemüse, die er zog, konnte er >n
oder durch einen kleinen Handel mit Schulmaterialien. Die „Jünglinge" wurden für
Mahlzeit mit Wasser und Brot vorlicb nehmen, wöchentlich einmal bis 1 Uhr not
der Küche verkaufen. Einige verdienten auch Geld durch handwerkartigc Thätigkeiien