Stilzmaiin.
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lorderlick. Daher lehnte er das Anerbieten des Herzogs von Gotha, Ernst II., eineseiner Lustschlösser ihm überlassen zu wollen, ab, und wählte Schncpfenthal, einiiiäs'iaes Landgut am Abhange des Thüringer Waldes, in ländlicher Einsamkeit, eineLümde von dem Städtchen Wollershausen gelegen. Ter wohlwollende Fürst schenkteihm «was mehr als die Hälfte des Kaufpreises, und stattete ans seinen Antrag dieneue Lüftung mit werthvollen Privilegien aus, wodurch ihre pädagogische und selbstkirchliche Selbständigkeit rechtlich begründet wurde. Salzmann stand fürs erste alleinder schwierigen Unternehmung gegenüber. Zöglinge hatte er, außer den eigenen Kindernund Pflegekindern, noch nichr. Für jetzt reichten die Räume hin, aber bei Erweiterungdes häuslichen Kreises mußte gebaut werden. Als er im März 1784 nicht ohneschwere Sorgen eingezogen war, und die Seinigcn in den noch nnwohnlichen Räumenim Hinblick auf die dunkle Zukunft von Traurigkeit ergriffen in Thränen ausbrachc»,stärkte ihn der plötzliche Anblick des Vollmondes, der so eben über dem Walde auf-gieiig, und eS gelang ihm unter Hinweisung ans dieses Naturschauspiel mit den Dichter-werten: „Schau über dich, wer trägt des Himmels Heere? Merk auf, wer spricht:bis hieher! zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, Ewig deinPater?" auch die andern zu freudigem Vertrauen emporzuhebcn. Im I. 1803, alsmch 18 Jahren der Mond dieselbe Stellung am Himmel wiederholte, versammelte erdie Mitglieder seiner Familie, welche damals schon gelebt hatten, in derselben Stubeund feierte mit ihnen die Erinnerung an jenen Moment. Etwa ein Jahr nach demEinzüge sammelte sich zu dem ursprünglichen Kreise eine kleine Schaar von Zöglingenund zugleich traten wackere Gehülfen hinzu. Einer der ersten Zöglinge war KattRitter, der große Geograph, der von seinem bisherigen Lehrer GutsMuths der Anstaltzngeführt wurde. GutsMuths selbst ließ sich bewegen, als Lehrer und Miterzicherder Anstalt sich anzuschließen, der er bis zu seinem Tode treu geblieben ist. AuchVechstein, später Dircctor der Forstakadcmie in Dreißigacker, trat als Gehülfe bei undin demselben Jahre der Rath Andre, der aus Arolsen niit 5 Zöglingen kam. Derselbeübernahm später die Direction der Mädchenerziehungsanstalt, für welche das alteGutshauS bestimmt wurde, nachdem für die Knabenanstalt an einer etwas höher ge-legenen Stelle die nötbigen Gebäude errichtet worden waren.
Es kann nicht unsre Absicht sein, die Geschichte Schnepfenthals über diese Grün-dungszeit hinaus zu verfolgen. Dagegen dürfen wir eine kurze Schilderung des Salz-iNimscheu Erziehungsverfahrens und der damit zusammenhängenden Einrichtungen nichtunterlassen. Diese Einrichtungen bildeten sich allmählich aus, wie die Anzahl derZöglinge (zuletzt auf 60—70) wuchs. Doch hat der ursprüngliche Gedanke, daß dieZöglinge in naher Beziehung zur Familie stehen, und wie Glieder derselben geliebtund behandelt werden sollten, auch in den Jahren der größten Frequenz nie seineWirksamkeit verloren. Die Möglichkeit dazu war in der Persönlichkeit Salzmannsgegeben; es kam aber der günstige Umstand hinzu, daß Schncpfenthal sich zu einerpädagogischen Kolonie ausbildetc, indem eine Anzahl von unterziehenden Familien, zumTheil in Verschwägerung und Verwandtschaft mit dein Stifter stehend und ganz in seinemGeiste wirkend, aus die Darier mit der Anstalt verbunden blieben. So konnte der größerenAnzahl der Zöglinge eine unmittelbare Anknüpfung an das Familienleben gewahrtbleiben, während zugleich Einrichtungen und Hebungen bestanden, durch welche dasBewußtsein eines samilienhaften Zusammenhangs aller mit dem „Vater" Salzmannm Wirksamkeit erhalten wurde. Dazu gehörte außer dem gemeinschaftlichen Essen „ausUm gleichen Topfe" mit dem Vorsteher und seiner Familie die gemeinsame Feier vonWen, an welchen, auch wenn cs eigentliche Familienfeste waren, alle Zöglinge theil-nahmen; ferner die liebreiche und sorgfältige Krankenpflege, welche von weiten derbamilie und insbesondere von Salzmann selbst an den Zöglingen geübt wurde. Außer-dem war für die Pflege eines Schnepsenthaler Heimatsinnes die Art nicht ohne Ein-flug, wie der Blick der Zöglinge aus die Vergangenheit der Anstalt und ihre geschicht-liche Entwicklung hingelenkt wurde. Salzmann hatte nämlich schon nach deir erstenfahren der Stiftung 'angefangen zum Andenken an jede wichtigere Begebenheit in derGerichte der Anstalt einen Baum zu pflanzen; bei der Feier des zehnjährigen Be-standes derselben ließ er alle damals anwesenden Zöglinge zur Erinnerung an diesen4ag und zu ihrem eigenen Andenken einen jungen Dbstbaum pflanzen und nach dieser