Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 

370

Nauhes Haus.

gegebenen Empfangsbescheinigung wurde der Plan zum erstenmal öffentlich tzyx r,Stadt Hamburg genannt. Zunächst hatte die Mittheilung der Sache an Lr.

Walker die Folge, daß derselbe aus einem Testamente, dessen Vollstrecker er war7000 Rthlr. für die Anstalt bieten konnte. Die Freunde faßten jetzt den Entschlußzum Besten der Anstalt denBergedorfer Boten" herauszugeben, eine christliche Volk«!zeitung. Wichern, die Seele des Unternehmens, war es, der in diesem Blcheine Reihe Artikel über ähnliche Anstalten, namentlich die von Falk in Weimerschrieb. Reiche und Arme brachten ihre Gaben. Und schon fiengen die Freunde mein Haus zu suchen. In der sich dabei einstellenden Schwierigkeit trat ein andererden Besten Hamburgs zählender Mann helfend heran, der Syndikus Or. Sievekiii-Vetter der nachmals so bekannt gewordenenHamburger Tabea", Amalie SievekingZu ihm kam am 4. Februar 1833 Wichern in der Noth um das Haus. Als dichdie Verlegenheit geschildert hatte, bot Sieveking für das Haus einen schönen Acker «tpder Wandsbecker Landstraße an. Nun aber kam die Prüfung! Das Land zeigte sich I inicht geeignet; das Testament war angefochten worden. Mancher trat jetzt kleimniistjg ;zurück. Die andern aber hielten um so treuer zusammen und empfiengen ihrer Tr« iLohn. Am 27. April 1833 kam an Wichern ein Brief von Sieveking: er besitzet, !Horn ein Haus, das er gleich vorgeschlagen haben würde, wenn es nicht auf längen ^Zeit vermiethet gewesen wäre. Nun habe er gehört, daß der Miether das Haus z»räumen bereit sei. Das Haus sei klein, aber für den Anfang ausreichend; ein Garte»eine Koppel und ein Fischteich gehöre dazu. Wichern möge selbst kommen und sehe«!Man fieng alsbald an das Haus neu einzurichten. Das Geld blieb auch. Im Juli pwaren die Freunde im Besitze des Geldes und des Hauses. n

Die Angelegenheit war nun reif dazu, in voller Oefsentlichkeit vor den christliche 'Gemeinsinn der Stadt gebracht zu werden. Der provisorische Verwaltungsrath lud ialle Einwohner der Stadt, welche der Sache ihre Theilnahme schenkten, zu einer Ver-sammlung in der Börsenhalle auf den 12. September Abends ein. Vor einer dicht- :gedrängten Zuhörerschaft gab Wichern das Bild dessen, was werden sollte. Sch«jetzt ward es ausgesprochen:die Rettungsanstalt hat zur Absicht, verwahrloste» nKindern bis zur Confirmation eine Zuflucht und diejenige Erziehring zu gewähr«!'welche die Stelle der elterlichen Fürsorge so viel als möglich vertreten soll. Sieistst.kein Waisenhaus, keine Armenschule, keine Strafanstalt für jugendliche Verbrecher, keiiei!bloße Herberge für bettelnd umherstreichende Kinder; auch das nicht verwaiste Ki»d istden Einflüssen einer verderblichen Umgebung durch den liebevollen Ernst einer christ- ^lichen Hausordnung nicht bloß vorübergehend zu entreißen, die Kräfte eines nam .Lebens mit dem Evangelium nicht an die Strafe, sondern an die Vergebung und»den Entschluß fortschreitender Besserung zu knüpfen, ist die Aufgabe einer Anstalt,welche die Abhülfe äußerer Noth lediglich als das Mittel zu einem sittlichen Zwei!" sbetrachtet. Sie entsagt ausdrücklich der Unterstützung arts der Casse des Staates oder >einer andern wohlthätigen oder polizeilichen Anstalt: sie beschränkt sich auf den Umsaiiz,welchen die ihr von christlicher Milde anvertrauten Mittel verstatten." Als die Ver- ^sammlung gefragt wurde, ob sich das Werk ihrer Theilnahme zu erfreuen haben werde, ^war eine allgemeine freudige Zustimmung die Antwort.

Am 1. November 1833 zog denn Kandidat Wichern mit seiner Mutter mals :Stille in das Rauhe Haus ein. Ebenso still wurden gleich darauf die ersten dmKnaben ausgenommen. Das war der Anfang der Rettungsarbeit. Von jetzt an ist .sie immer vorangegangen, organisch, indem sich der gelegte Keim in immer reichemVerzweigung entfaltete. Das zweite Haus, das Schweizerhaus, wurde schonMvon den Rauhhäusler Knaben selbst gebaut; ihm folgte 1835 die grüne Tanne, -jetzt die Wohnung des Jnspectors enthaltend, 1836 das Arbeitshauszum gold»jBoden", 1839 der Betsaal und 1841 der Bienenkorb. Die Schwalben- ,nester (Mädchenwohnungen) wurden 184243 gebaut, 186667 erweitert. Midistwurden gleichzeitig die Fisch er Hütte, das Waschhaus und das l and wirst- _!sch erschliche Gebäude in Angriff genommen. Das Jahr 1847 brachte dm M« ^der Hirtenhütte, jetzt Schulhaus, 1851 den der Vogtei und der neue» ^Bäckerei. Das Wachsthum des Werkes der innern Mission, namentlich seit lbtd, Hdie dadurch immer sich mehrende Arbeit für Wichern machte die Anstellung eines .