Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
369
Einzelbild herunterladen
 

Nauhes Haus.

369

Rationalistische Pädagogik, s. Erziehung, ihre Richtungen.

Tas Rauhe Haus zu Horn bei Hamburg. Das Ranhe Haus hat seine.Bedeutung nicht bloß als christliche Erziehungsanstalt, sondern zugleich als Stätte,

- welcher lebenskräftige Gedanken über den Aufbau des gleiches Gottes in gcgcn-iirtiqer Zeit ihre Verkörperung in christlicher Thätigkeit suchen, und namentlich alsjmr der wichtigsten Ausgangspnncte der inneren Mission. Aus vertiefter und erwei-terter Anschauung des evangelischen Glaubens ist im Rauhen Hans die Rettung derAuqend, wie sie andere vorher getrieben, mit neuer Kraft und freierer Ausschau aufGanze des Reichs Gottes versucht worden. Es ist dies Werk von Anfang anin unzertrennlicher Verbindung mit der Heranbildung von Arbeitern der innerenVlission und Sammlung einer Brüderschaft aus diesen Arbeitern getrieben worden..Und die innere Mission hat vom Rauhen Hans aus durch seines Gründers pcrsön-U,es Wirken, durch Schrift und Vorbild einen lauten Ruf in der Christenheit er-elen. Darinnen liegt die weit über ihre Grenzen hinausgchende Bedeutung diesernstalt.

Das Rauhe Haus (nicht rauhes Haus) hat seinen Namen von dem kleinen,ms unter Strohdach, in dem die Anstalt 1833 eröffnet wurde und das seit Menschcn-ctenken im Munde des VolksNuges Hnus" hieß, wahrscheinlich weil sein Erbauer,Ruge" geheißen. Es liegt in der Landgemeinde Horn, in dem Kirchspiel Ham, ansamburgischem Gebiet, ungefähr eine Stunde östlich von Hamburg. Auf einem Raumcn 16 Morgen Gartenland und Rasenplatz, von breiteren und schmaleren Wegenurchschuittcn, liegen um die stattlichen Gebäude ein Dutzend kleinere Häuser, ohneintönigkcit der Bauart, anmuthig zerstreut, ein liebliches Rcttungsdorf.Die Lagel hoch und frei, im Norden schweift das Auge hinaus auf die Feldmarken Holsteins,nn Süden bietet sich dem Blick das reiche Elbthal; um und um bis in weite Fernengern sich die schönsten Baumgruppen. Der ganze Platz ist großcntheils von hohenÄeii umkränzt und dabei von allen Seiten frei und zugänglich, ohne Mauern undÄschluß, ein großer sauber und freundlich gehaltener Garten voll schöner Fruchtbäumend anderer Baumgruppcn." Außerdem besitzt die Anstalt noch 25 eigene Morgeniid 3 Morgen Pachtland.

Wir hoffen von der Anstalt ein deutliches Bild zu geben, wenn wir sic nachihrer Entstehung, nach ihrem Bestand, und nach ihrem Geiste und Leben^ betrachten.

I. Entstehung. Der Stifter des Rauhen Hauses ist Johann HeinrichMichern, ein gcborner Hamburger. Wer seine Mutter gekannt, diealte Mutter"des Rauhen Hauses, die mit dem Sohn in dasselbe eingezogcn und fast ein Menschen-alter geholfen hat, demselben den Hauch innigen Familiengcistes cinzuhaucheu, der kannDck die Anfänge christlichen Rettungsdrangcs bei dein Jüngling leicht erklären. Jeden-allö sehen wir den Kandidaten der Theologie, der 1808 geboren, in Göttingcn underlin zu den Füßen Lückes, Schleiermachcrs, Neandcrs gesessen, in seine Vaterstadtriickgckehrt, in voller Thätigkeit. Wichcrn war lebhaft an den Sonntagsschulen»heiligt und kam so den Kindern nahe, einer Welt, in welcher er sich besondersheimisch fühlte, in welcher er aber unsäglichen Jammer entdeckte. DermännlicheAesuchsverein," in welchem er mit Männern allerlei Alters und Standes sich»sammeuschloß, um der Sünde, der Verkommenheit, dem Elend nachzugchen, führteZu der Entdeckung der Quelle des Jammers. Es reiften in ihn: die Gedanken,die er bisher schon gehegt, zu deutlicherer Gestaltung. Am 8. Oct. 1832 war dercwchsverein im Hause des L-chullehrers Hoffmann versammelt. Da ward dersänke zum erstenmal ausgesprochen, daß für Hamburg ein Rettungshaus ge-gnmdck werden müße nach den Vorgängen in Weimar, Kornthal, Beuggcn, Düsselthal.- gaben sich das gegenseitige Versprechen, die Angelegenheit vor dem HerrnPuch zu erwägen, und einer sprach die Hoffnung aus, daß der Herr ihnen einmunterndes Zeichen geben werde. 100 Nthlr., die ein Mann, der von der SacheMts wußte, für die Armen anbot, aber mit dem besonderen Wunsche, sie möchtenM eme fromme Stiftung, am liebsten für eine erst im Entstehen begriffene, verwendeterden, warm das gewünschte Zeichen. Bei der von Senator Or. Hudtw allerMdig. Handbuch, u. 2-1