358
Rangordnung.
Natürlich muß dies auf einen Zahleuausdruck gebracht werden, was aber mnneM Dist, weil es dem Wesen der Sache widerspricht. Damit ist der Willkür wiederum l» ^Thüre geöffnet. Von der andern Unmöglichkeit, den sittlichen Gesammtwerth eimz HMenschen, zumal eines Kindes, genau zu bestimmen, wird nach dem VorausgesM, ^nicht mehr zu reden sein. Es war ein ehrenwerthes Gefühl, welches immer wie!«den allgemein sittlichen Factor in der Schule betont sehen wollte; es war aber eimunklare Forderung, daß dies gerade in der Rangordnung geschehen müße. Denn dirGedanke, daß die Schule ein Urtheil über die Gesammthaltung des Schülers mLallen Seiten hin festzustellen habe, führt nicht zur Rangordnung, sondern zum SM,zeugnis. Dieses kann die Factoren trennen, kann jedem derselben gerecht wertem tuWäbrend das Schulzeugnis über eine lange Reihe von Erfahrungen berichtet, will dii IstRangordnung den gegenwärtigen Standpunct des Schülers charakterisiren; während ^das Schulzeugnis dem Schüler und den Eltern Gelegenheit geben will, sich ein Urtheilüber die allscitige Stellung des Einzelnen zur Schule zu bilden, will die Rangordiiu«lediglich den Lehrer und den Schüler darüber belehren, in wie weit der Zweck desUnterrichts an dem Einzelnen erreicht
ei.
Von den möglichen Kombinationen zweier Factoren fällt die Vereinigung duFähigkeiten mit dem Betragen, sowie die des Fleißes mit dem Betragen schon darmfort, weil cs, wie schon gesagt, kein Mittel giebt, die Leistungen so zu zerlegen, desein ganz adäquates Urtheil über den Fleiß oder über die Anlagen ausgesprochen werde»könnte. Es bleibt daher nur noch übrig, den Fleiß und die Fähigkeiten, wie sich die-selben eben in den Leistungen offenbaren, zum Principe der Location zu machen, Undhier haben wir es allein mit einem wirklichen und mit einem objectiven Mchstabe zu thun. Der Schüler ist es überall selbst, der sich den Platz giebt; so wirddie Rangordnung eine gerechte, weil nur das in die Rechnung gezogen wird, was derBeurtheilung zugänglich ist. Während alle andern Locationsprincipe, wie nachgewiesen,zu einem offenbaren sittlichen Nachtheil ausschlagen mäßen, trägt dieses die AMin sich, auch die Auswüchse des Ehrtriebes abzüschneiden. Denn da diese Rangordnung ^das Urtheil über den sittlichen Gesammtwerth des Schülers hier ganz auf sich bl-,ruhen läßt, da sie keine Allwissenheit proclamirt, die zum Gespötte werden muß, und jkeinen Hehl daraus macht, daß sie den sittlichen Kern des Menschen gar nicht zu jtreffen vermöge, so bietet sie gerade hundertfältige Gelegenheit, den einen zu demüthige», -den andern zu erheben, indem sie Raum läßt für eine andre, hier noch nicht miniRechnung gezogene Schätzung der Persönlichkeit. Und weil sie klar und bündig scheint kzwischen dem verborgenen Menschen, den Gott richtet, und dem vor aller Augen offen-bar gewordenen Geschicke für die Aufgaben der äußern Lebenszwecke; so verleiht!»der Schule einen für das ganze Erdenlebeu sehr wichtigen propädeutischen CharakterDenn was im bürgerlichen und Staatsleben die Verschiedenheit der äußern Lebens-stellung hervorruft, das ist ja auch nicht von dem Gesammtwerthe des innern Men-schen, sondern von jener Brauchbarkeit für die äußern Lebenszwecke abhängig, zu welcherTalent und Strebsamkeit führen. An diese göttliche Ordnung, die unser ganzes Erden-leben durchdringt, wird sich die Schule um so mehr anzuschließen haben, als derMensch nicht frühe genug dazu angeleitct werden kann, den realen Werth gediegenerKenntnisse einzusehen und sich demjenigen neidlos unterzuordnen, dem er größere Tiich- 'tigkeit zugestehen muß. Die Gefahr, daß viele, denen es wohl gelingt, zum Ehrgeizangetrieben werden könnten, und daß andere, denen es nicht gelingen will, kleinmüthizwerden, muß im allgemeinen zugestanden werden. Aber diese Versuchungen sind;»offenbar, als daß die Schule sie ignoriren könnte, und wo sie eintreten, da hat dirSchule Mittel, ihre Macht zu brechen. Insbesondere ist nicht abzusehen, wie derSchüler, der in die höheren Plätze einrückt, dazu kommen sollte, diese Werthschätzutzseiner Person sofort für eine Schätzung seines ganzen innern Menschen zu nehn»Dazu ist diese Rangordnung viel zu verständlich, und wenn die Lehrer es ver-säumen könnten, in einem solchen Falle das nöthige Gegengewicht wirken zu lassen, Pwürden cs unfehlbar die Schüler thun. Durch ihre Gerechtigkeit schneidet diese Rang-ordnung auch zwischen Lehrern und Schülern den ganzen erbärmlichen Kleinhandelmit persönlicher Gunst und alle Buhlerei um dieselbe ab, und macht das reine Wechter Liebe zu einer Waare, die ehrlich geboten und gesucht wird. Diese echte V
!s