Rangordnung.
355
Naiusaucr, s. Pestalozzi.
4 Rangordnung. Die dem Schulleben unentbehrliche Ordnung schließt auch inHetre'sf der Plätze der Schüler Willkür und Zufall aus. Jeder Schüler hat seine nSblak über welchen nur der Lehrer verfügen kann. Allenthalben würde es ein Zeichen«schlaffter Disciplin sein, wenn sich der Einzelne heut hichcr, morgen dorthin setzensollte. Ausnahmen können wünschenswerth werden, müßen aber vom Lehrer genehmigtcdcr «»geordnet sein. Die Sitzordnung wird sich nun in dem Bewußtsein der Schüler.stets und mit innerer Nothwendigkeit als eine Rangordnung darstcllen. Denn nachwelchem Principe auch ursprünglich die Reihenfolge festgestellt werden mag, immerwerden diejenigen, welche die bessern Plätze inne haben, als die Begünstigten erscheinen,und es wird sich die Frage erheben, ob der Genuß dieses Vortheils im Einklängestche mit dem Verdienste. Dazu kommt, daß überall, wo die räumliche Anschauungeiner geordneten Reihe von Personen gegeben ist, sich eine Symbolik sittlicher Zustände»nt dieser Anschauung complicirt; und so wird auch in der Schulclasse die VorstellungEntstehen, daß die Inhaber der ersten Plätze auch die würdigsten seien, und die For-derung geweckt werden, diese symbolische Bedeutung des Platzes zur Wahrheit zu? wachen. Zu der gleichen Forderung führt die ganze Organisation des Unterrichts undedle Eintheilung der Schule in verschiedene Nassen oder Abtheilungen. Denn dieLoraussetzung, daß die Schüler einer Classe oder Abtheilung auf gleichem Standpunktedes Wissens und Könnens stehen, ist immer nur im weiteren Sinne richtig, innerhalbder allgenieinen Gleichartigkeit bestehen mancherlei Unterschiede, welche im Verlaufe desUnterrichts immer deutlicher hervortreten. Nach geschehener Versetzung werden dieKmückgebliebenen (die Alten) anfänglich stets die ersten Plätze in Anspruch nehmen,Mid wo nicht von Seiten der Schule eine andere Einrichtung besteht, wird auch keinerder Neueingetretenen jenem Ansprüche sich widersetzen. Erst die Bethätigung derTüchtigkeit berechtigt nach dem Urtheile der Schüler zur Ascension der einen, dieichann zur Degradation der andern wird. In diesen Anschauungen und Ansprüchen'Dreist sich ebenso das Gefühl der kindlichen Seele, daß in der Schule eine Rang-ordnung nothwendig sei, wie die Klarheit, mit welcher schon im kindlichen Bewußtsein,-des Princip dieser Rangordnung aufgefaßt wird. Denn eben nur die Leistungen,die offenbar gewordene Tüchtigkeit des Schülers in seinem Wissen und Könnenffollcn sich in der Rangordnung spiegeln. Palmer (Ev. Pädagogik) und Völter (Süd-deutscher Schulbote 1852. Nro. 24 und 25) heben darum mit Recht hervor, daß dieFrage über die Location gar nicht in das Capitel von Lohn und Strafe,sondern in das der der Schule cigenthümlichen Lebensordnungen gehöre.
Ist der Zweck der Schule zunächst der Unterricht, an den sich das erziehliche, »stresse erst anlehnt, so muß auch die didaktische Rücksicht bei der Location der all-emein pädagogischen vorangehen. Ihrem Wesen nach ist daher die Bestimmung desPlatzes, den ein Schüler in der Classe einzunehmen hat, nicht verschieden von derWestimmung der Classe, in welche er gehört. In beiden Beziehungen muß die Glie-derung der Schülermasse dem stufenweise gegliederten Unterrichte entsprechen, jeder ein-zelne Schüler an den Ort gestellt sein, an welchem der Unterricht ihm fruchtbarM'den kann. Jede Vermischung dieses didaktischen Zweckes mit andern erziehlichenZwecken wird nothwendig die Klarheit und Sicherheit des Unterrichts beeinträchtigen.^Lenn daher der Maßstab, mit welchem allein die Unterschiede der Classen gemessenwerden können, die im Unterrichte entfaltete Tüchtigkeit des Schülers ist, so ist sieAuch der einzige Maßstab, der an die feineren, individuellen Unterschiede der MitgliederMer und derselben Classe gelegt werden darf, um danach die Rangordnung zu be-Ownnen. Denn die letztere ist ihrem Begriffe nach die sich vorbereitende, die werdendeZersetzung selbst. War nun die Rangordnung nach dem Princip der Leistungen eine'»gerechte, so muß die Versetzung später ebenfalls als eine ungerechte erscheinen, undM'ohl das Vertrauen der Schüler als das der Eltern zur Schule wird untergraben.De Kurzsichtigkeit ist ohnehin geneigt, unerfreuliche Urtheile über die Resultate dcS»terrichts aus der persönlichen Abneigung der Lehrer zu erklären. Und dazu wird.mW mehr Veranlassung vorhanden sein, je unsicherer das Bild der Unterschiede im.'«nssen und Können der Schüler ist, welches die Rangordnung giebt.
Aber auch abgesehen hievon wird die Rangordnung durch die Zwecke des Unter-