Räthsel.
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?'aam und gar unfern Räthseln und Charaden gleichen. Ja wir können sagen, daß"insbesondere die mannigfache Gestaltung, welche das Kunsträthsel in neueren Zeitenaewonnm hat, größtenteils auf griechischem Boden gewachsen ist. — Eine überraschendeÄhnlichkeit mit der Art, wie das Räthsel durch den griechischen Volksgeist ausgebildetund verwertet worden ist, zeigt die Entfaltung dieser Pflanze auf germanischemDoden. Schon in der Edda findet man Räthsel kosmogonischen Inhalts. „Augen-fälliae Ausläufer jenes Zugs nach rätselhafter Anschauung und Rede haben wir,"
' saat Wackernagel, „noch in zwei Gedichten, den volksmäßigen im Traugemundslied,im Kriege auf der Wartburg den gelehrt meistersängerischen." Sehr vieles, was ausfialter Zeit im Volksmund und in Volksbüchern sich erhalten und fort und fort neueBlüten getrieben hat, auch in erotischen Räthselliedern (Kranzsingcn), findet sich ge-sammelt in Simrocks deutschem Räthselbuch. Nachdem der deutsche Räthseltrieb zuseiner Zeit eine reiche Fülle von Räthseln auch in lateinischer Sprache hervorgebrachtbatte bildete derselbe, sobald seit dem 18 . Jahrhundert die deutsche Muse wieder ihreeigene Sprache redete, mit besonderer Lust und Liebe auch diese Seite der Poesiekunstmäßig aus. Wie sie namentlich durch Schillers umfassende Schöpferkraftauf eine höhere Stufe erhoben worden ist, dürfen wir als bekannt voraussetzen, sowieäuch, daß nicht leicht einer der namhafteren deutschen Dichter der Neuzeit, und außer-dem scharfsinnige, witzige Köpfe aller Facultäten und Berufsarten es unterlassen haben,Beiträge zu diesem kunstmäßigen Räthselschatze zu liefern. Außer Goethe undSchiller nennen wir Hebel, Houwald, Kind, Castelli, Rückcrt, Schleier-macher, Th. Körner, Moser, W. Hauff, Schmidlin, Mises (Fechner),Powe als die bekanntesten unter den vielen. Insbesondere verdient hier Beachtung,wie auch für das jüngere Alter durch nicht wenige tüchtige Arbeiten neuer und neuesterZeit in erfreulicher Weise gesorgt worden ist (s. unten d. Literatur).
Unter diesen Umständen durften auch die Literarhistoriker unserer Zeit und dieSchriften über Erziehung unfern Gegenstand nicht unbesprochen lassen. Daß es vondm ersteren noch nicht in gebührendem Maße geschehen ist, beklagt mit Recht Wacker-nagel; die Bücher über Pädagogik aber geben ihr Urtheil über die Bedeutung desRäthsels für die Erziehung meist nur ganz im allgemeinen, ohne weitere Auseinander-setzung. Es bleibt uns folglich dieses Orts die Aufgabe, dem pädagogischen Werthdes Räthsels durch eingehendere Auseinandersetzung gerecht zu werden. In dieser Be-ziehung entsteht fürs erste die Vorfrage: welches sind im einzelnen die verschiedenenGeisteskräfte, die bei diesem Geistesspiel in Betracht kommen? Sofern, wie be-merkt, ein Gesuchtes aus Gegebenem errathen werden soll, wird beim Räthsel unstreitigvornehmlich der vergleichende, combinirende, schließende Verstand und Scharfsinn inAnspruch genommen. Indem sodann das Gesuchte und das Gegebene oft weit aus-einander liegen, ist nicht minder häufig, um die zum Ziele führende Brücke zu schlagen,die Jdeenassociation und Einbildungskraft zur Lösung unentbehrlich. Ebenso noth-Ivendig ist in vielen Fällen das Gedächtnis, mittelst dessen die Seele ganze Reihenvon früher eingeprägten Vorstellungen rasch zu durchlaufen genöthigt wird. Bei derbisher geschilderten Art bewegt sich also der Geist auf demselben Gebiet, auf dem dieurzeln der Wissenschaft liegen. Hier sprossen die Verstandes- und gelehrten Räthsel,itunter auch die Volksräthsel. Vorherrschend jedoch appelliren diese letzteren anandere Geistesthätigkeiten, an den sogenannten gesunden Menschenverstand und Mutter-witz, an die Anschauung des Natur- und Menschenlebens mit ihren sogenannten Binsen-wahrheiten, nicht selten auch an das populäre Sprachgefühl. Eine dritte in gewißemSinn höhere Art zieht neben den genannten Tätigkeiten auch noch das ästhetischeGefühl in ihren Bereich (Schiller). Während bei den zwei ersten ein Räthsel seineestimmung erfüllt, ja seinen Reiz verloren hat, sobald die Auflösung gefunden ist;bleibt bei der dritten Gattung des ästhetischen Räthsels auch, nachdem das lösende'wrt gesprochen ist, noch ein Kunstwerk zurück, das, seinen ästhetischen Zweck in sichn!-^^nd, ein für Ohr, Phantasie und Gefühl lieblich ansprechendes Bild abgiebt.- Uebrigcns gehören zum Wesen guter Räthsel bald mehr bald weniger meist noch.^^stfere Eigenschaften, die, wenn es sich um die dabei thätige Geisteskraft handelt,das Werthvollste daran sind. Sie tragen die Züge an sich, welche das Charakteristischeder Poesie und des Witzes ausmachen. Wenn wir poetisch alles heißen können,