Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

Polemik in der Schule.

Politik in der Schule.

und was das Kritisiren ins Allgemeine betrifft, so predigt uns ein alter SpW, Mwarum murren denn die Leute iin^ Leben also? ein jeder murre wider seine eiam ISünde." Die Schule hat den Sinn der Ehrfurcht vor dem Heiligen, die M ^zur Wahrheit und zum Recht, den Abscheu vor dem Unechten und Gemeinen^pflegen, die sittliche Kraft durch Lcrnfleiß und Ordnung zu stärken; dann sch,K Lden Aufgaben des Manneslebens Jünglinge entgegen, welche da, wo es gilt, Mkämpfen vermögen.

Erwähnen wir noch kurz der Polemik der Stände in der Schule. Die Schul,!ist eine Lernfamilic, die ihr Anvcrtrauten sind Brüder in gemeinsamem Streben. M. ^sucht zwischen Hoch und Nieder soll ihr ferne bleiben, der Lehrer sie bekämpfen.er sie statt dessen nährt, so begeht er ein Unrecht an der Jugend, verletzt im M, 'die Familie und versündigt sich gegen den echt republicanischen Geist der Schule ch ^welcher kein anderes Oben und Unten anerkennt, als das durch Fleiß und sdalm !!sich von selbst ergiebt. ° i

Endlich die Polemik der Persönlichkeiten innerhalb der Lehrcrwelt angesiUder Schüler, das kritisirende Sticheln auf Kollegen, das Herabsehen der mit flu -neuesten Wissen eintretenden Anfänger auf die alten Lehrer, diese unterste Art »«!Polemik, bei der die Kritik endlich ganz im Affecte untergeht, wird man mit dm ivollsten Recht zu den pädagogischen Unarten zählen, die fliehen muß, wer andere bilde»soll und selbst auf Bildung Anspruch macht.

Politik in der Schule. Es kann inr allgemeinen kein Zweifel darüber ob!walten, daß von unsrer Schulbildung, auch die des Volkes mit eingeschlossen, dos iPolitische nicht ferne gehalten werden kann und darf, 1) weil gewiße Lehrfächer, nim-lich Geschichte und Geographie, ohne politische Belehrungen gar nicht vorgetrage» 'werden können, und 2) weil politische Bildung keinem Mitglied eines gebildeten Volksfehlen darf. Jeder Bürger eines constitutionellen Staates kann dereinst in den Fall km- smen, als Glied eines Parlaments politisch thätig sein zu müßen; aber auch hievon abgesch» ssoll ein Volk seine Rechte wie seine Pflichten kennen, es zoll über die Handlung!» sfeiner obersten Beamten ein Urthcil haben; es soll, wo sichs um Krieg und Frieda,handelt, auch wissen, wozu man seine Söhne vor den Feind stellt. Damit es ins-besondere nicht von den Maulhelden der Demokratie sich verdummen und aufwiegel»,aber ebenso wenig auch in royalistischen oder imperialistischen Fanatismus sich Hineinlol!!» -oder hineinhetzen läßt: dazu bedarf es politischen Verstandes, und damit dieser sich eni-:wickelt, bedarf cs politischer Bildung. Allein diese giebt am meisten das Leben Mi;'was kann, was soll die Schule dafür thun?

Für die Volksschule hat man im I. 1848 da und dort das Verlangen gestellt,es soll statt der herkömmlichen Lehrfächer vielmehr Verfassungslehre getrieben, es solle» ;überhaupt die Zeitforderungen zuin Gegenstand des Unterrichts gemacht werden. Nu»muß es allerdings unserem Volk auch in seinen niedersten Schichten abgewöhnt werbe», ,in den gesetzgebenden und vollziehenden Gewalten nurdie Herrschaft" zu sehen, die, 'weil sie factisch einmal iin Besitze der Macht sich befindet, diese nun gerade dazu bi- i snützt, wozu der Bauer und Handwerker sie auch benützen würde, wenn zufällig er ki« sHerr geworden wäre; das Volk muß eine Idee bekommen vom Staat als einem sili- jlichen Organismus, einer Rechtsgemeinschaft. Aber aus dem allem kann kein Ver- knünftiger ein Lehrfach machen wollen; das Natürliche ist, daß im Hause gelegentlich s fdem Kind auf eine Frage der Art vom Vater Bescheid gegeben, in der Schule «kr l sjede Aufklärung der Art an die Geschichte (beziehungsweise auch an die Geographie), szumal an die vaterländische Geschichte angeknüpft wird, wobei das Interesse für die -Heimat auch ein Interesse für derlei Dinge wach ruft. Ist ferner irgend eine wichtig! kAngelegenheit, die das Volk und seine Regierung betrifft, im Werke, werden z. B. dir ;Heere ausgesendet, um einem gewaltthätigcn Feind endlich einmal den Ernst zu zeigen, sso ist es ganz recht, wenn der Lehrer seinen Kindern die wichtigsten, für sie verstand- ;lichen Nachrichten mittheilt, ihnen auf der Karte die Kriegszüge, die Schlachtfeld!! ezeigt, ihnen aber dabei auch einen gründlichen Abscheu einflößt gegen scheinbar patriotisch! kVerdrehung der Geschichte. Die Wahrheit soll auch in diesem Gebiete dem Lehrer bei allein ,Patriotismus unverbrüchliches Gesetz lein; wir haben nicht Geschichte und Geographie gn ,fälschen, wie man es jenseits des Wasgenwaldes thut. Bei Obigem aber soll es sem !