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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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329
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Polemik in der Schule.

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zuerst fxhrt, welche es gelehrt haben, und hernach sich selber dadurch zu strafen pflegt,einer noch im späten Alter über das Raisonniren nicht hinauskommt. Anleitungmr NascweiSheit und zum Verachten dessen, was er nicht versteht, verschafft jedem mehrM genug die Tagesliteratur; um so gewissenhafter muß die Schule vor jeder Bcein-Mtiqung der Auctorität sich hüten.

Die häufigsten Verirrungen in dieser Hinsicht Pflegen beim Gebrauch von Lehr-büchern stattzufindcn. Wie soll der Schüler mit Vertrauen und Muth aus einem»buche lernen, das von seinem Lehrer despectirlich behandelt wird? und welchen Respect^wirbt sich dieser selbst, wenn aus seinen Urtheilen nicht sowohl die höhere EinsichtM vielmehr der Kitzel der Eitelkeit redet? Anhangsweise darf hier wohl auch auf' die stillschweigende Polemik hingewiesen werden, welche in den: häufigen Wechseln mitdm Lehrbüchern liegt, und auf das willkürliche Verwenden von verschiedenen Lehr-büchern an den Anstalten Eines Landes, ja selbst in einer und derselben Anstalt. Diese'Inert widerspricht abgesehen von der Bestenrung der L>chülcr den einfachsten»icsehen der Psychologie von der Natur des Lernens. Wir wundern uns oft, daßvor Alters soll etwas gelernt worden sein, da doch in den Schulen oft Ein RaumMd Lehrer für das gemischte Heer von allen Alters- und Lcrnstufen genügen mußte.

hatte man die bunte Menge der Schüler, aber man hatte nicht den Untereinander; der Lehrbücher, sondern das eine und selbe für Generationen; so blieb jedem einzelnen'Per Kopf beisammen, während jetzt durch den häufigen Wechsel z. B. in der Formulirungicr Regeln in den Köpfen ein Wogen von Gedanken entsteht, die sich unter einanderMagen und beunruhigen; und das geht dann auf Kosten der Consolidirung desTenkens und der intellcctuellen Disciplin.

Nicht selten macht sich in den Lehranstalten auch eine Art von Polemik der Lehr-fächer gegeneinander geltend. An Lehrpläne ist darum auch die Forderung zu stellen,haß sie kein Hauptfach durch Entziehung der nöthigcn Zeit, kein Nebenfach durch Stief-ütterlichkeit zur Nothwehr treiben, und auch die Hausaufgaben müßen so geregeltwerden, daß der Privatsleiß nicht unter dem Kriegführen der Lehrfächer untereinandernothleidet. Besonders schlimm ist bei solchem Krieg unsere Volksschule daran, wennReligion und Bibel auf der einen, die vom bürgerlichen Leben geforderten Kenntnisseauf der andern Seite als sich gegenseitig ausschließend dargestellt werden, wenn Mis-stauen und Vorurtheile bei den Eltern dadurch Eingang finden; denn damit greift diePolemik der Lehrfächer tief ins Leben und in das Gewissen des Volkes ein. Wem eswirklich um Bildung des Volkes, soweit diese überhaupt durch allgemeine Beschulungerreichbar, zu thun ist, der wird sich wohl hüten, irgend eines der unserer Volksschulewesentlichen Elemente des Lernens, sei es durch Verkürzung in den Stand der Noth-wehr, sei's durch übertriebene Gunst, der Eifersucht der übrigen auszusetzen. Ohnedemverträgt es die Natur dieser Schule am wenigsten, zum Tummelplatz für die päda-gogischen und die in diese eingehüllten religiösen und politischen Parteien gebraucht zuwerden; auch ist cs derselben gar sehr zu gönnen, daß eine baldige Genesung von derweit verbreiteten Sucht, jedwede Dorfschule nachgerade zu einer Universität zu erheben,eintrete, daß jedenfalls die leitenden Behörden von ihr sich weder anstecken noch iin-Pmiren lassen (vgl. den Art. Bildung); denn wo man die Natur überfordert, daleistet sie nicht einmal mehr das an sich Erreichbare und nicht Bildung, sondern Ver-wirrung ist das Ende.

Eine besondere Species von Polemik in der Schule ist diejenige, welche man etwadie Polemik der Gesinnungen nennen könnte, und zu welcher namentlich der Vor-trag ^er Geschichte und der Religionsunterricht Anlaß und Reizung bieten. Hier mußals Schildwache der Grundsatz stehen, daß der Männerkampf nicht für Knaben ist;namentlich aber in Zeiten lebhafterer Parteiung darf der Lehrer nie vergessen, daß erSchüler vor sich hat, deren Väter auf entgegengesetzten Seiten stehen können. Befindetsich in der Classe eine noch so kleine Minderheit von Angehörigen einer andern Con-Mon, so ist besondere Vorsicht nöthig, daß nicht das eigene Glauben und Bekennenach aus Kosten des andern wehethuend rühme. Großsprecherisches Politisiren wider-, "ff sich der Würde des Lehrers; mehr als naiv aber handelt, wer vor der Jugenddie Unfähigkeit der Gewalthaber anklagt, während er selber nicht im Stande ist, diesefugend nach Gebühr zu leiten. Schulregiment ist das politische llie salta der Lehrer;