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Poesie.
Polemik in der Schule.
Sie wird daher in den Lehrstoff selber das poetische Element aufzunehmen, also »aiMi.lich Fibel und Lesebuch mit Stücken dieser Art reichlich zu versehen haben, und nwird überdies des Lehrers Aufgabe seiu, das Kind zum Verständnis und Genüsse dk-Schöncn anzuleiten. Bei gehaltvollen und der kindlichen Fassungskraft angemeßemStücken müßen wenige eingestreute Bemerkungen für diesen Zweck genügen. VornehmUaber wird es Aufgabe der Volksschule sein, das poetische Leben des Kindes dadurch -»wecken, daß ihm ein größerer Vorrath von Poesie mittelst des Gedächtnisses eingepMwird. Denn nur durch öftere Wiederholung wird auch der dichterische Lehrstoff,»zuin Eigenthum des Kindes, daß seine Seele etwas von der Natur desselben anniuiwSelbstverständlich darf denr Kinde nichts dargeboteu werden, was es nicht fassen km»Wir sagen, fassen, und verstehen darunter eben die Möglichkeit, sich einen Stoff,«Zwecke des Genusses anzueignen. Das kann auch bei solchen Gegenständen der Wsein, welche theilweise noch über den Horizont seines verständigen Erkennens gehe»,Irr erster Linie ist das geistliche Lied hierherzunehmcn, und zwar ist es wiederum des IKirchenlied, welchem der Vorzug gebührt. Lieder wie Luthers: Gelobet seist du HIChrist, wie Decius: Allein Gott in der Höh, sind von unbedingtem Werthe für dirVolksschule. Subjective Lieder, wie etwa von Novalis: Was wär ich ohne dich gowesen, sind für diesen Zweck ganz unbrauchbar, solche, wie von Möwes: Der Himmlhängt von Wolken schwer, sind wenigstens von entschieden geringem Werthe für dir!Schule. Eiir eigentlicher Misgriff aber ist es, wenn man es als die Aufgabe unsmi!Zeit betrachtet, die modernen Dichter in die Volksschule einzuführen. Wir wollen Meinzelnen, in einfacher Sprache gehaltenen geschichtlichen, zumal vaterländischen Lieder«neuerer Dichter, sowie einzelnen, so schlicht und anmuthig wie Uhlands „Apfelbaum'gehaltenen Naturbildern ihren Platz in den Lesebüchern der Volksschule nicht streitigmachen. Aber das Verständnis und den Genuß der deutschen Klassiker systematischanzubahnen, ist Sache der Fortbildungsschulen, und demnach überhaupt nur der hohemUnterrichtsstusen. Wo die Sprach- und Gedankenbildung, beziehungsweise die Weckungund Leitung des dichterischen Sinnes innerhalb der Volksschule durch andere als strengvolksthümliche Elemente angestrebt wird, da kann das Endergebnis nur der Rum daVolkssprache und ihrer Poesie sein. Von weltlichem oder gemischtem poetischem Sichmöchten wir insbesondere der eigentlichen Volksdichtung noch einen Raum in der Schul!gesichert wissen. Für Süddeutschland z. B. sind Hebels alemannische Gedichte ein jeanregender, für Kinder großentheils faßlicher und geistlich gesunder Stoff, daß ihnAufnahme in den Kreis des Schullesestoffes sehr zu wünschen wäre.*)
Polemik in der Schule. Zwischen Polemisireu und Kritisiren findet der Uuiei-schied statt, daß hier der urtheilende Verstand allein thätig, dort die urtheilende Thätiz-keit mit Gemüthsaffection verbunden ist. Kritik kann man deshalb in aller FreundMüben, wer aber polemisirt, begeht einen kriegerischen Act; er urtheilt mit Abneiguiizund aggressiv. Man kann sagen, Polemik sei Kritik mit Leidenschaft, dies Won imallgemeinen Sinn genommen, da cs jenen aus inneren Neigungen und Abneigung!«entspringenden Reizzustand bezeichnet, welcher die auf den geistigen Gebieten geführte«Kämpfe verschärft, aber auch belebt.
Zur Uebung des kritischen Vermögens nun müßen die Schüler allerdings a»gc-halten werden, nachdem sie in das entsprechende Alter eingerückt sind; anders aberverhält es stch mit der Polemik. Läßt man diese vor jungen Leuten spielen, so bilde!man nicht das Urtheil, sondern man nährt den Affect, der sich gegenüber von de»polemisch behandelten Menschen und Dingen als Zorn oder als Verachtung kund gicbi;namentlich aber bildet sich infolge des Polemisircns mit Ironie bei der Jugend jeneSüffisance aus, welche dann auch auf solches herabsieht, an dem sie Ursache HAuhinaufzusehen. — Das Polemisiren in der Schule muß daher unter die pädagogisckie»Unarten gerechnet werden, durch welche sich Lehrer an Menschen und Dingen, ammeisten aber an den Schülern selbst versündigen, indem sie diese der ihrem Alter undihrer Befähigung entsprechenden Stellung zu den bcurtheilten Gegenständen entrücke»!das weckt und nährt daun jenes schnellfertige Aburtheilen, welches stch oft gegen die
) Vgl. die Artikel: Aesrhetische Bildung in der Volksschule, Kunst.