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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Poesie.

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" er Charaktere schließlich hervorbricht. Letzterer Gattung wird in der h. Schrift dasHiob und das Hohelied zuaezählt.

Es ist von Wichtigkeit für Erziehung und Unterricht, daß in allen diesen Formen^ic Poesie nach ihrem wahren oben bezeichneten Wesen aufgefaßt wird. Die gemeine'.SlManuna geht von der Meinung aus, das, was der Dichter schafft, sei lediglich eine^raumarüge Gedankenwelt, die sich zur Wirklichkeit höchstens wie ein Zierat verhalte.Wre sie das, so müßte ihr Werth ein höchst untergeordneter bleiben. Aber wenn sieicse Bedeutung auch oftmals hat, so ist es doch nur ihre Außenseite, die^ dabei zumerschein kommt. Die wesentliche Schönheit und Idealität, welche dem ErscheinendenUrsprünglich innewohnt, verbirgt sich infolge des alltäglichen Gebrauches, der von denllenschen und Dingen gemacht wird, dem Blicke des gewöhnlichen Menschen. Vorllem aber ist es das herrschende Princip des Bösen, durch welches der Creatur derItempel der Gehaltlosigkeit und Nichtigkeit aufgcdrückt wird. Die Poesie hat dieAufgabe, jene ursprüngliche, auch durch das Böse nur gestörte Idealität, Schönheit,Lesensrcinheit, Vollkommenheit des erscheinenden Lebens ans Licht zu ziehen und so.as Herabstnken des Geistes in die Gemeinheit der bloßen Nützlichkcitsbestrebungen'md des rohen Sinnengenusses zu verhindern. Die Poesie ist in ihrem Gebiete etwasWllkommen reales, so real als Gewerbe und Handel. Die Wirklichkeit und die Wahr-jeit sind ihr Gegenstand. Eben darum kann man auch den Namen der Poesie aufne Gegenstände ihrer Thätigkeit selbst übertragen. Man nennt eine Landschaft, einEreignis poetisch, wenn sie die Idealität so augenscheinlich an sich tragen, daß ihreTarftellung im Liede, im Bilde wie zum unmittelbaren Bedürfnisse wird.

Das Thun der Poesie ist nahe verwandt mit dem der Religion. Denn das ist:bm auch das Wesen des Glaubens, daß er das Unsichtbare auch im Sichtbaren siehtand elfteres in letzterem zu offenbaren bemüht ist. Darum ist alle Poesie in ihrerersten geschichtlichen Entwicklung religiöser Art, wie der Gang derselben unter denmimischen und christlichen Nationen aufweist. Poesie und Religion unterscheiden sich.mm einfach so, daß letztere cs mit der persönlichen Beziehung Gottes auf den Menschenund des Menschen auf Gott, aber daher auch jederzeit mit dem Gewissen zu thun hat,'ährend elftere entweder als weltliche Poesie nur den Widerschein des Göttlichen iner Welt auffaßt, ober als religiöse Dichtung die Beziehung Gottes auf die Welt under Welt auf Gott nur unter der Form der schönen Darstellung in der Rede zurlnschauung bringt. Weil die Welt eine gewiße Selbständigkeit hat gegenüber vonGott, so kann man die Abhängigkeit derselben von Gott außer Betracht lassen und'hre ideale Seite ohne ausdrückliche Beziehung auf Gott darstellen. Ja cs beeinträchtigtas Wesen der Dichtung, wenn letztere geflissentlich allenthalben angehängt oder her-orgekehrt wird. Geschieht aber jenes Absehen von der Beziehung zwischen Gott undWelt in dem Sinne, daß jene Abhängigkeit selbst verkannt wird, so ist die Poesierreligiös und in nothwendiger Folge davon unsittlich, daher auch unschön.

Da Poesie als natürliche Anlage dem einen in hohem Grade gegeben, dem andernnahezu versagt ist (völlig poesielos ist kein Mensch), so kann sie nicht in gleicher Weisewie andere Geistesthätigkeiten Gegenstand des Unterrichtes werden. Im übrigen istsie ein Factor des menschlichen Geisteslebens und daher auch ein wesentlicher Factorder Bildung. Sie kann auf keiner Stufe des Unterrichts und der Erziehung fehlen,^a, es gehören ihr die unteren Stufen der Pädatzogie vornehmlich an. Denn diet ist für das Kind stets ideal. Nicht die Arbeit, sondern Spiel und Genuß istdas Element, in welchem es lebt. Und diesen Zug behält die Lebensentfaltung desMenschen bis zur völligen Reife.

Wiederum ist es die Volksschule ganz besonders, in welcher die Poesie eine Heimatsinden muß. Denn alles ursprüngliche Volksleben ist poetisch. Suche darum, wer ein«hrer des Volkes sein will, vor allen Dingen sein eigenes Geistesleben über diePhilisterhaftigkeit zu erheben, welche so oft der Vorläufer der eigentlichen GemeinheitM- Erhalte er sich die Weihe des Gemüths und den Schwung des Geistes durchbeständigen Verkehr mit dem Himmlischen, so wird es ihm leicht werden, auch in demtrüben Strome des irdischen Lebens das Licht von oben zu erkennen, das sich in dem-Men spiegelt. ' ^

Die Schule muß aber auch ihre Lehrmittel nach diesem Gesichtspuncte richten.