iaber damit er seine Gedanken in der Natur habe und diese mit offenen Augen ansehenkönne, muß er zuerst im physikalischen Cabinet, d. h. durchs Experiment belehrtworden sein.
Was hat der Lehrer beim Experimentiren zu beobachten? Das Experiment istlanasam auszuführen, damit nicht allein das Resultat, sondern der wirkliche Vorgangrecht beobachtet werden kann; es kann zu dem Ende nöthig werden, den Versuch zuwiederholen. Und damit die Schüler alles verstehen und sehen können, muß der Lehrernicht allein den richtigen Platz wählen, sondern er muß während des Experiments dienöthigen Erklärungen geben. Zu diesen Erklärungen oder Bemerkungen gehören abernur diejenigen, die in enger Verbindung mit dem Experiment stehen, und sonst nichts.Durch viele Worte während des Experiments werden die Schüler leicht vom Vorgangabgezogen, oder wenn sie ihr Augenmerk auf den Versuch heften, so hören sie von demGesprochenen nicht viel. Denn je mannigfaltiger die Sinnesthätigkeiten bei Kindernin Anspruch genommen werden, desto schwieriger ist die Auffassung bei ihnen. Inhöheren Schulen, wie Mittelschulen, Bürgerschulen, höheren Mädchenschulen, Präpa-randenanstalten und Seminaren geht es schon eher, zwischen den Vorgang des Experi-ments Bemerkungen zu machen, die Beziehungen zum Experiment berühren.
Damit das Experiment gelinge, hat der Lehrer sich selbst zu prüfen, ob er dieöthige Geschicklichkeit und Fertigkeit zur Ausführung habe; er muß seine Apparatetimen und muß wissen, ob sie in einem solchen Zustand sind, daß sich mit ihnen einbefriedigendes Resultat erreichen läßt; er muß den Zeitpunct und die äußern Umstände'emien und berücksichtigen, die auf das Gelingen des Experiments von Einfluß sind,wie z. B. bei den Versuchen über Reibungselektricität.
Damit die Physikstunde nicht der Neugierde diene und nur Unterhaltung biete,ürfen die Versuche nicht in Tändeleien bestehen, die weiter nichts Positives in sichschließen. Der Lehrer muß bei jedem Experiment ein Ziel im Auge haben, eine Ab-sicht mit demselben verbinden. Das Experiment darf also nicht selbst der Zweck sein,sondern nur das Mittel, das einem Zwecke dient, das Mittel, eine Naturerscheinungu erläutern oder einem Gesetze die Grundlage zu geben. Und wenn der Lehrer dasWesen des Experiments kennt,' wie wir dasselbe oben bezeichnet haben, wenn er aufGrund dieser Kenntnis bei den einzelnen Versuchen der Hauptsache zusteuert undstich auch das erwünschte Ziel erreicht, dann wird die Phyfikstunde nicht zu einertuterhaltungsstunde werden.
Die Fertigkeit des Lehrers im Experimentiren muß derart sein, daß er die Physik-tunde nicht zur Probir- und Uebungsstunde für sich selbst macht. Er darf nicht umMutwillen, sondern er muß um der Schüler willen beim Unterricht arbeiten. Istder Versuch ein zusammengesetzter, so hat er die richtige Aufeinanderfolge der einzelnenTheile im Auge zu behalten. Oder werden mit ein und demselben Apparat oder In-strument mehrere Versuche gezeigt, so ist eine gewiße Gliederung und Ordnung noth-wendig, damit keine Verwirrung und Vermischung in den Köpfen der Schüler entstehenmm. Um dem Vorwurf zu begegnen, daß das Experiment viel Zeit in Anspruchehme, dazu ist außer der Fertigkeit des Lehrers zweckdienlich, daß die Herrichtunalusjtellung der Apparate vor der eigentlichen Unterrichtsstunde vorgeiw"'"^'! 'EM)ie Physikstunde lege man deshalb da, wo kein besonderes physikalstches Cabmet zuGebot steht, auf den Anfang »'»es halben Tages oder auf die Zeit nach demnterstitium. Bei zeitraubenden Versuchen, wi» kpnpn nsir Luftpumpe , über«i Galvanismus u. a. kann man besondere außerordentliche Experimentirstundenehmen, die nicht in die durch den Lectionsplan gebotene Zeit eingerechnet sind,amentlich gilt dies bei Präparanden und Seminaristen.
Mit diesen Anforderungen, die das Experiment an den Lehrer einer Schule stellt,sind auch den Lehrerbildungsanstalten gewiße Anforderungen gegeben, nämlich die, dieZöglinge in das Experimentiren einzuführen. Soll dies möglich und ausführbar sein>il Rücksicht auf die Zahl der Seminaristen, aus die dafür ausgesetzte Zeit und aufie verschiedenen Versuche, so müßen wir zwei Arten von Experimenten unterscheiden:ie Experimente, die in der Volksschule notwendig sind, und die Experimente, die"an im Seminar außerdem noch behufs der weiteren Ausbildung in der Physikachen muß. In die Fertigkeit, die erstere Art auszuführen, müßen alle Seminaristen