Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
223
Einzelbild herunterladen
 

Pädagogik des Alten Testaments.

223

Pon der Erziehung der Mädchen wird in den Sprüchen nie besonders gehandelt,aß auch sie im Gesetz unterwiesen wurden, ist als selbstverständlich vorauszusetzcn.ücrauf die weibliche Erziehung abzicltc, läßt sich aus Spr. 31, 10 ff. und 11, 16.22. 12, 4. u. s. w. erkennen. Zucht und sittlicher Takt ist der Schmuck der Frau.Aeaen Hoffahrt, Gefallsucht und Kleiderprunk ist Jes. 3, 16 ff. eine ernste Strafredcmchtet. Spr. C. 31 tritt rastlose Geschäftigkeit, Erwerbsamkcit neben Wohlthätig-cit und Freigebigkeit als Grundzug hervor; man sieht auch, daß Fertigkeit in allerleiLandarbeiten damals zur weiblichen Bildung gehörte. Aber auch hier bleibt dieAisheitslehre ihrem Princip getreu; „Trug ist die Anmuth und Dunst ist die Schön-est- ein Weib, das den Herrn fürchtet, die soll man loben."

In der Periode des getheiltcn Königthums ist es zuerst die Erneuerung derHrophetenschnlen, die wir ins Auge zu fassen haben. Wir sagen Erneuerung,'cnn eine Fortdauer dieser Institute in der Zeit von Samuels Tod bis auf Elia läßtlch nicht beweisen. Als unter Ahab der religiös-politische Kampf, welchen im Reichder zehn Stämme das Prophetcnthnm gegen das abtrünnige Königthum führte, inlia seine Höhe erreicht hatte, bedurfte das durch das Gottesgericht am Carmel ausseiner Unentschiedenheit und Schlaffheit aufgerüttelte Volk einer nachhaltigeren gcist-icben Weckung und Pflege, die nicht bloß Sache eines einzelnen Mannes sein konnte,i,d für die Treuen unter dem Volke mußten äußere Stützpuncte einen Ersatz bietenPr die ihnen abgeschnittene Gemeinschaft mit dem gesetzlichen Heiligthum und Gottes-dienst in Jerusalem. So wird die Neustiftung der Prophetenschulen, die wahrschein-lich auf Elia selbst zurückzuführen ist, zu erklären sein. Die Zahl der Jünger, diesich um Elia und später um Elisa schaartcn, war sehr beträchtlich. Auf eine Jünger--slellung nämlich und ein derselben entsprechendes Abhängigkeitsverhältuis, wie es inder Prophetenschule Samuels noch nicht sich findet, ist der Name Propheten söhnej» deuten. Welcher Art diese Stellung war, läßt sich aus dem Verhältnis erratheu,m welchem Elisa zu Elia, seinem geistlichen Vater, stand. Wir sehen an Elisass eispiel namentlich, daß die Erziehung und Unterweisung, welche die Prophctcnsöhuebei dem Propheten, an den sie sich anschloßen, fanden, der Dienst, zu dem er sie in»gclegenheiten des prophetischen Berufs verwendete, wohl für das prophetische Amterbereitete, daß aber die Ausrüstung und Weihe für dieses Amt eine freie Gabeettes blieb.

lieber die Art der Unterweisung in den Prophetenschulcn wird uns nichts berichtet;,die Zucht in denselben wird vor allem darauf abgezielt haben, die Pflicht unbedingten-MhorsamS gegen das göttliche Wort und rücksichtsloser Hingabe an die göttliche Be-sung einzuprägen (vgl. 1 Kön. 13, 20 ff-, 20, 35 ff.). Daß in den Propheten-chulen ein regelmäßiger Gottesdienst stattfand, ist 2 Kön. 4, 23. angedeutet. Aufme Entartung des Prophcnthums weist das Wort des Amos 7, 12 f. hin; in diesem"orte aus der Zeit Jerobeams II. kommt der Name Prophetensohn zum letzten Mal.er. Das Aufhören der Prophetenschulcn hängt wohl mit der Wendung zusammen,elche die Prophetie nach Elisas Tod im nördlichen Reiche nimmt; an die Stelleder rettenden Thaten tritt nämlich jetzt die Weissagung des in raschem Anzug be-rissenen Gerichtes. — Im Reiche Juda begegnen wir keinen Prophetenschulen; inm biblischen Berichten wenigstens treten immer nur einzelne Propheten auf. Undtrar sehen wir dieselben auf das Zeugnis des Wortes, das freilich durch daseuguis des Lebens, beziehungsweise des Leidens und Sterbens im Beruf versiegeltmde, ausschließlich angewiesen.

Es ist nicht zufällig, baß die Prophetie jetzt, mit dem 8. Jahrhundert v. Ehr.,uch eine schreibende wird. Da nämlich in dem prophetischen Bewußtsein ^zuerst inezug auf das nördliche Reich, bald aber auch in Bezug auf Juda die ErkenntnisWeht, daß an dem Geschlechte der Gegenwart der göttliche Heilsrath nicht zur Er-kling kommen kann, daß erst nach vollzogener gerichtlicher Sichtung des Volkes aus«ein geretteten und geläuterten Rest die Heilsgemeinde der Zukunft erstehen wird: soevmint das prophetische Wort eine weit über die Gegenwart hinausgreifende Bedeu-W> Zu diesem Behufe eben mußte es schriftlich fixirt überliefert werden. — Fragen» , wie sich im Lichte der prophetischen Gerichts- und Heilsverkündigung die päda-Wche Aufgabe gestalte, so giebt die Antwort hierauf ein Wort des Jesaja (8, 18.),