222 Pädagogik des Alien Testaments.
28, 7. 29, 3. Daher die nachdrückliche Forderung einer sorgfältigen Erziehung di!Kinder.
Tie Erziehung der Kinder hat zum maßgebenden Vorbild die erziehende ThäL^keit der göttlichen'Weisheit. Ter Begriff der Zucht ist einer der Fundamental^!griffe der salomonischen Sprüche. Weisheit und Zucht sind wesentlich mit einanialverknüpft (1, 2. 7. 23, 23.); als Weg zur Weisheit wird eben das Annehmern«,Bewahren der Zucht bezeichnet (1, 8. 4, 13. 10, 17. 19, 20. u. s. w.). — Tu!)Begriff der Zucht nun darf durchaus nicht zu dem der Unterweisung abgeschwWwerden, was schon daraus erhellt, daß von der Zucht die überführende und rügende Znrchs^Weisung (Luther: Strafe) ausgeht; man vergleiche 3, 11. 5, 12. 6, 23. 10, i; >12, 1. 13, 18. 15, 5. 32. Indem nämlich die Weisheit an den natürlichen Mensch» fsich wendet, der des Heilswegs, unkundig und leicht zum Bösen verführbar, mit ein» ,Worte einfältig (Luther: albern) ist, so ist das Erste, daß ihm durch die LeM ides Gesetzes (6, 23. vergl. Ps. 19, 9. 119, 105.) die Nichtigkeit seines Streben- 'aufgedeckt und er von der Verderblichkeit der ungöttlichen Wege überführt werbenmuß. Wer sich so berathen und zurechtwcisen läßt (wobei die göttliche LiebeszH kauch Verhängung von Leiden anwendet, Spr. 3, 11 f.), der ist eben hiedurch befähig! stden Geist der Weisheit zu empfangen, dessen Vehikel das Wort aus Gottes Mum ^ist (1, 23. 2, 6.). Wer dagegen im Eigendünkel die Zucht der Weisheit nicht »sich wirken läßt, sie „haßt," der erweist sich dadurch als Thor oder Narr, der«seiner allen Züchtigungen trotzenden Unverbesserlichkeit (27, 22. u. a.) unausbleiblich»Verderben entgegengeht (12, 1. 13, 18 f.). z
Hiernach ist auch der Erziehung der Kinder ihr Gang vorgezeichnet. Sie zersU ^in zwei Stücke, Zucht (im engeren Sinne) und Unterweisung, wobei von daErzieher gefordert wird, daß er selbst sein Herz der Zucht und seine Ohren den Worte, ,der Erkenntnis hingebe (23, 12.). Vor allem soll der böse natürliche Hang b« ^Kindes (22, 15.) durch strenge Zucht gebändigt werden (29, 15.). Schläge, i!b»Haupt ein angemessenes Mittel, nur der Thorheit und Bosheit zu begegnen (10, IS. l20, 30.), werden wiederholt für die Kinderzucht gefordert (13, 24. 23, 13 f. 29, U.j.Dabei wird aber doch unterschieden, wo Zurechtweisung in Worten und wo körpa!liche Züchtigung am Platze ist (19, 25.). — Die Erkenntnis nun, für welche d«Zucht das Verständnis öffnen soll, ist die sittlich-religiöse; die Unterweisung H»daher zur Aufgabe die Leitung zur Gottesfurcht und Gotteserkeuntnis, woraus d»kweiter die Einsicht in Recht und Gerechtigkeit und „jedes Geleise des Guten" sichergiebt. (Hauptstelle 2, 1—9.) An das göttliche Wort ist die Jugend zu weis»Als ein geschriebenes wird dasselbe noch nicht geltend gemacht; vielmehr aus bmMunde der Eltern tritt es dem Sohne entgegen; das Elterngebot hat dieAuctmii«des göttlichen Gesetzes und ans seiner Erfüllung ruhen die der Erfüllung der göttlich»Gebote zugesagten Verheißungen. Vergl. den Zusammenhang von 1, 8. mit B.ferner 4, 3 f. und 6, 20 ff. Der Ungehorsam gegen die Eltern zieht schweres Gerich,nach sich (30, 17. vergl. 20, 20.). — An die Eltern aber ergeht die Mahnung, mder Unterweisung des Knaben frühe zu beginnen und ihn so für das ganze Leben;»gewöhnen (22, 6. 20, 11.). In solcher Unterwerfung der Jugend unter eine geheiligt! ,Auctorität wiederholt sich die strenge Gesetzeszucht, in der Gott sein Volk crzich s(Klage!. 3, 27.). ' „ ,
Eine vollständige Darlegung der in den Sprüchen niedergelegten pädagogisch!»Vorschriften ist nicht dieses Ortes. Es möge nur noch darauf hingewiesen weck»mit welchem Nachdruck auf Arbeitsamkeit gedrungen (6, 6—11. 10, 26. 1ö, U19, 15. 24. 20, 4. 13. 26, 13-16.), wie Mäßigkeit (13, 25. 23, 19-21.) MKeuschheit gefordert und vor Verführung zur Unzucht gewarnt wird (7, 5 ff. 23, Abis 28.). — Als charakteristisch für die alttestamentliche Pädagogie ist schon herwgehoben worden, daß dieselbe von Leibesübungen nichts wisse. Aber es darf nchübersehen werden, daß die Wehrpflichtigkeit, welcher alle Männer vom 20sten Ws -an unterworfen waren (4 Mos. 1, 3. 26, 2. 2 Chrom 26, 5.), von selbst zu körs» tlicher Hebung und Abhärtung führte. Lieder, wie das 2 Sam. 1, 17 ff., waren «M!geeignet, die Begeisterung für kriegerisches Heldenthum bei der Jugend anzufachen. Mk .>das Ideal eines theckratischen Helden ist Ps. 18, 33 ff. gezeichnet.