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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
220
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Pädagogik des Alten Testaments

im Menschen sei, in seinen Psalmen ausgesprochen. Hiemit Md wer aus den PW !gekommen, von dem aus David am bedeutendsten in das Geistesleben der Nation ch-gegriffen hat. Durch ihn erreicht die heilige Lyrik Israels ihre Blüte. Durch !Psalmodie wurde nicht bloß der Cultus vergeistigt, sondern das ganze religiöse Lek».des Volkes erfrischt und verinnerlicht. Man darf wohl vermuthen, daß hauptsächlich iim heiligen Liede das göttliche Wort in den Hausern Israels wohnte; selbst die Kunyder heiligen Geschichte wurde durch Psalmen sortgepflanzt (s. besonders Ps. 78). 1

Auf die kriegerische Negierung Davids folgte unter Salomo eine lange Frieden«-,zeit, die Zeit des „prangenden Königthums" (Hasse), in welcher dem Cultus in dwjneuerbauten Tempel ein fester Sitz gegeben und (s. 2 Chron. 8, 14 f.) die von DM zbegonnene Organisation des Priester- und Lcvitenstandes vollendet wurde. Von einli>Verwendung der Leviten für die Unterweisung des Volkes wird auch jetzt nichts tz-trichtet. Selbst in dieser Zeit des höchsten Glanzes des Staates hat sich in Jsr«,l lkeine originale weltliche Cultur entwickelt. Die selbständige intellectuelle Bildmz!des Volkes wurzelt durchaus in seinem religiösen Leben; ihr Erzeugnis ist ticzSpruch Weisheit, als deren Hauptvertreter Salomo erscheint.

In Sprüchen die Lehren der Erfahrung zu fixiren, ist überall Volkssitte; nan»lich aber ist die Spruchweisheit dem semitischen Alterthum eigen. Israel dagegen altiheokratisches Volk führt den Ruhm eines von den Vätern überkommenen ErbschaPvon Weisheit nicht im Munde; es wird weise durch die Unterweisung des Gesetz«und durch die Betrachtung der göttlichen Wege in seiner Geschichte. (S. Stellen nie5 M. 4, 6. Ps. 78. 107, 43. Jer. 9, 12.) Darum wird als der Anfang der Weis-heit die Furcht des Herrn bezeichnet (Spr. 1, 7. 9, 10. vgl. Hiob 28, 28.); „seineKlugheit" wird allen zu Theil, welche die göttlichen Gebote erfüllen (Ps. 111,10.)Aus dem Princip der Gottesfurcht ergiebt sich nämlich als sittliche LebensaufgM„in allen deinen Wegen erkenne ihn" (Spr. 3, 6.), d. h. in all deinem Thun besimdich auf den heiligen Gotteswillen. Dem, der diese Norm sich setzt, geht dadurch, daser in das Gesetz sich hineinlcbt, die Einsicht darüber auf, was auch in solchen Mn,für welche das Gesetz keine speciellen Forderungen formulirt, dem göttlichen Willengemäß sei; er gewinnt praktische Weisheit. Aber die Offenbarung weckt aut.indem sie einen Einblick in die Tiefe und Fülle der Gottesgedanken gewährt (Ps. Sk, i.139, 17.), das speculative Denken. In der Betrachtung des Gesetzes und der Mlichen Führungen gewinnt der Geist die Idee einer das Universum beherrschenden seitlichen Zweckordnung. Diese Teleologie (daß „der Herr alles gemacht hat für se«Zweck" Spr. 16, 4.) in der Natur und der Menschenwelt nachzuweiscn und hick«die Lösung der sich aufdrängenden Räthsel und Widersprüche zu suchen, das ist therre tische Weisheit. (S. das Nähere in Oehlers Programm „die Grund;«-der alttestamentlicheu Weisheit" 1854.)

Tie Begründung dieser Weisheit fällt wie gesagt in die salomonische Zeit, dmRuhe den Geist zur sinnenden Einkehr in sich einlud. Von jetzt an erscheint eine k-sondere Elaste von Männern unter dem Titel der „Weisen" (Spr. 1, 6.22,1724, 23. u. s. w.). Vermuthlich hatte sich an Salomos Hof ein Kreis von selche-gebildet, in dessen Mitte der König hervorragte. Hiskia scheint nach Spr. 25, leinen Verein von Weisen gebildet zu haben, der in seinem Auftrag eine Spruchs«»lung redigirte. Im übrigen läßt sich nicht darthun, daß die Weisen eine besonderBerussstellung im Volke gehabt, wie die Propheten, und Institute gegründet in stWeise der Prophetenschulen. Die Weisheit, die in den Sprüchen redet, will kl«Schulweisheit sein; „auf der Gasse erschallt sie, auf den Straßen läßt sie ihre Stm«ergehen, an der Ecke der Heerstraßen ruft sie, an den Thoreingängen der Stadt sprich!sie ihre Worte" (1, 20 s.). Und eben dadurch wurde die 'Weisheit eine geiUMacht im Volke.

Unter den Denkmälern der alttestameutlichcn Weisheit kommt für die Päda^lvorzugsweise die den Namen Salomos tragende Spruchsammlung in Betracht-Buch will nach seiner Ueberschrift (1, 1—6.) eine Anleitung sein, „zu erkennen Wne-heit und Zucht, zu verstehen verständige Worte, zu erlangen Zucht zur Einsicht, Mrcchtigkeit, Recht und Geradheit." Es will nicht bloß den Einfältigen dienen, sind"!auch den Weisen zu ihrer weiteren Förderung gereichen; in ersterer Beziehung aber»'!