Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

210

Pädagogik.

in dem Bewußtsein der gemeinsamen Wahrheit vereinigt. Zwar wirkt diese mitsachlichen Mackt wesentlich mit, und nm so mehr, je weiter die Bildung fortgeschriijg,ist: dennoch sallcn hier zunächst persönlich-gesellige Bedingungen ins Gewicht, tzgehört dazu gemüthliche und lehrhaste Beredsamkeit; ein williges und inniges Eiligesein Herablassen zu der Stufe und dem Standpuncte des Hörenden; von der CKdieses letzteren aber ein zweifelloses Vertrauen zu der Einsicht und der Wahrhaftig^des Mittheilenden, sowie das Gefühl, daß derselbe wirklich für das Kind und zugläjserfüllt von der Lache rede. >

x. Ten Schlußpunct des persönlichen Erziehungsverhältnisscs finden wir in dm,was wir Gemeinsamkeit des Lebens nennen. Hier kommt cs auf ein GMgemeinschaftlicher Zwecke, Bestrebungen und Werke an, zu welchen Erzieher und ZöglKimit einander verbunden sind. Das häusliche Leben mit seinen Ordnungen und Weck»,mit dem Geiste, der sich in ihnen abspicgelt, muß den Kindern zu einer Sitte weck«,die sie lieben und ehren, zu einem Interesse, das sie theilen. Allgemeiner als ststHaus ist die Schule zu einer solchen Gemeinsamkeit auch in praktischer Hinsicht gbjeignet. Nicht allein ihre Ordnungen können und sollen die^ freiere Kraft der CKgewinnen, sondern auch der Bildungszweck selbst, zum wenigsten das nächste Ziel st-Unterrichts und der Ucbung kann und soll sich zu einem von Lehrer und Schiilagemeinschaftlich erstrebten Werke gestalten. Ties ist der gute Classengeist, ohne dadas Schulleben beiderseits eine schwer zu tragende Last ist und dabei doch seinen Zir«!nur unvollkommen erreicht.

2. Die Erziehung als eine bildende Thätigkeit. Diese zweite Haust!betrachtung vollzieht sich in folgenden Puncten. Sic faßt

g. die formalen Gesichtspuncte und allgemeinen Erziehungskatcgorinfins Auge, welche aus der Endlichkeit des persönlichen Daseins überhaupt sich ergstar sSie theilen sich in zwei Gruppen. Die erste beruht auf der dem endlichen stk leignen Verbindung des Selbstlebens aus innerer Kraft mit dem Bestimmtwerdm »oben und außen. Diese beiden Seiten haben sich zwar auf der Höhe der Mm;!zu versöhnen und zu vereinigen; aber, um dies zu können, müßen sie im Bildmizl!prccesse zunächst abgesondert sich beltend machen und gepflegt werden. Hier gilt ulstaus der einen Seite die Kategorie des Gewährenlassens in Verbindung mit insbescheiden sich zurückhaltenden Hülfe, während die Sorge theils Nachtheiliges verbA ^theils die äußern Bedingungen und Mittel der Bethätigung darbietct. Hier ist stRede von der Bedeutung des Spieles und der freigewählten Beschäftig!!«;und den Arten beider nach ihrem Werthe und nach ihrer Anwendbarkeit auf dm m'schiedenen Stufen. Auf der entgegengesetzten Seite liegt die bestimmende Thäiizlstldes Erziehers, welche im allgemeinen eine Uebertragung des Kulturlebens istfSie bedient sich theils der subjectivcn Kräfte, die in dem persönlichen ErziehuiiMVerhältnisse liegen; theils sachlicher Maßregeln und Mittel nicht bloß der SoPjsondern auch der unmittelbaren Einwirkung auf das Gefühl des Zöglings zurreizung, Nöthigung und Abwehr vermittelst der Freude und des Leides; theils misst'der Wahrheit als einer objektiven Macht, welche vorzugsweise durch das Wort istmittheilt, aber, je jünger der Zögling ist, um so gewißer nur in dem Maße wällstübertragbar ist, als die Person, welche sie vermittelt, nicht allein in einem stchmBewußtsein sie beherrscht, sondern auch in reinem Interesse, in Ilebcrzeugung mlGesinnung von ihr beherrscht wird. Tie Uebertragung, die Hauptkategorie aller postii»Erziehung, wird begleitet von der Unterstützung. Diese ist nothwendig, iiisesmdie Aufnahme und Aneignung des Uebertragenen von Seiten des Zöglings KrHanstrengung erfordert. Tie wesentlichste Unterstützung liegt freilich schon i» der richüz»>IArt der Uebertragung selbst; doch hat sie noch andere Mittel.

Tie andere Gruppe von Kategorien ergicbt sich aus dem Gesetz derzeitigEntwicklung, welchem der Mensch als endliches Wesen unterworfen ist. Darin liEVeränderung, aber auch Dauer, die erstere, soweit das Erziehungswerk reichst stnormalen Verhalten eine aufsteigendc, fortschreitende; ferner die Stetigkwdes Zusammenhangs, wobei das Folgende durch das Vorhergehende bedingt wird, «aauch das Vorangehende durch das Nachfolgende, insofern dieses in Gefühl, Ahm«'Hoffnung oder bestimmter Absichtlichkeit im Geist vorausgcncrmnen wird (weshsll