Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

Pädagogik.

211

schon Comenius ricth, beim Unterricht einen Vorblick auf das Ganze und auf das Ziel,u gewähren); neben dieser Stetigkeit ein Auftreten wesentlich neuer Epochen, welche,joohl bedingt aber nicht völlig erklärlich durch das Vorangehende, in Kraft ihres idealennbalts und gemäß einem höhern Entwicklungsgesetze gleichsam sprungweise neue An-äuge bilden. Ferner ist hier das Abnorme zu nennen, welches als ein formalesald im Zurückbleiben bald in allzuraschem Fortschreiten, als ein materiales im relativder absolut Verkehrten besteht. Aus diesen Momenten ergiebt sich für die Methodeer Erziehung «. das conservative Princip, die Bewahrung, welche sowohl dieErhaltung im wesentlich Richtigen, wie auch die Sicherung der normalen Dauer jeder'ebensstufe fordert. Die Mittel der Bewahrung find einmal Behütung des Zög-mgs, d. i. Verhütung schädlicher Einflüsse, zweitens die Stärkung seiner Kraftum Widerstande und zur Selbsterhaltung, drittens der unmittelbare Beistand in«Gefahr. Es ergiebt sich st. das progressive Princip, die Förderung. Die"ittel derselben sind einmal Vorbereitung, dann Emporhebung, letztere thcilsnoch Maßregeln der Sorge (z. B. Versetzung in die entsprechende Elaste u. dgl.),Heils durch unmittelbare persönliche und sachliche Einwirkung. Endlich 7. das cor-rective Princip, die Berichtigung und Heilung. Berichtigung nennen wir dasorrective Verfahren, wo es bloß gegen objectiv Unrichtiges sich zu wenden hat. Iniesem Falle ist einfach nur Uebertragung des Richtigen durch Belehrung und Vor-achen nöthig. Viel schwieriger ist die Correction, wo das Verkehrte in das Innerees Subjects übergegangen ist. Hier bedarf es außer der objectiven Berichtigung einmalder Repression, um das falsche Thun zu sistiren und der Gewohnheit entgegenzu-rbeiten; ferner der Demüthigung, um die Selbsterkenntnis einzuleiten; da aberdie Heilung nur durch die Erreichung eines höhern Standpuncts im Bewußtsein undstreben möglich ist, so sind hier die fördernden Kräfte der Vorbereitung undmporhebung nebst der Unterstützung anzuwenden; und da die Gefahr des Rückfallsahe liegt, so sind endlich auch die bewahrenden Kräfte der Behütung und Stärkungerbeizuziehen.

b. Die Theorie der Erziehung als bildender Thätigkeit wendet sich zweitens zu

psychologischen und anthropologischen Zielpuncten, zur Bildung der drei Grund-sunctionen, des Erkcnnens mit dem Glauben, des Wollens mit dem Handeln,Mich des Gefühls und der Begehrung mit der gemüthlichen und praktischen Liebe,iese Zielpuncte sind ihr zugleich, vermöge der organisch-einheitlichen Natur der Seele,benso viele Angriffspuncte für einander und für die gesammte Bildung.

aa. Die Bildung des Erkennens oder die allgemeine Unterrichtslehre.Aier wird zuerst die Unterscheidung von Gelegenheitsunterricht und regelmäßigemIntenicht erklärt und gewürdigt. Dann werden die allgemeinen Mittel desmmichts mit Beziehung auf Aufmerksamkeit, Auffassung und Aneignung abgehandelt,ieliegen theils im Aufzeigen, theils in der pädagogischen Rede (der akroamatischen"sowohl wie der erotematischen), theils in der wohleingeleiteten und durchgeführten-Cchülerarbeit. Dann folgen die Stufen des Unterrichts, welche sich, an dieUnterscheidung von Anschauung, Begriff und Idee anschließen. Viertens wird dieDrdnung und der Gang des Unterrichts (was vorzugsweise Methode genannt zuerden pflegt) abgehandelt. Hier kommen die Unterscheidungen des aphoristischen(wenn schon nicht planlosen), des analytischen und des synthetischen Verfahrens"ur Sprache (was man das genetische genannt hat, ist uns wesentlich eins mit demhnthetischen).

db. Auch die Bildung des Wollens und Thuns wird hier von der psycho-gischen und anthropologischen Seite ins Auge gefaßt, obgleich immer unter der Vor-ussehung des Guten als des höchsten Gesetzes. Es kommt hier zunächst auf formelle"genschaften an, wie Besonnenheit und Muth, Entschlossenheit und Ausdauer, Ordnung»d Konsequenz, Sclbstbeschränkung nach der Regel sowohl der Wahrheit wie derweckmäßigkeit.. Wie wichtig hier die geselligen Mächte der Erziehung sind, namentlichuciontät, Vorbild und gemeinsames Leben, bedarf kaum der Erinnerung. An siehm sich die unmittelbare Uebung des Thuns und dds bestimmten Wollens in päda-(gych geordneter Arbeit, einmal der intellectuellen, deren Werth auch in praktischermilcht nicht zu unterschätzen ist, aber ferner auch der gymnastischen und der äußerlich