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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Pädagogik.

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-esse», was die äußern Sinne uns bieten; doch beschränkt sie sich bald nicht mehrauf deren unmittelbares Ergebnis. Schon das erst in der Morgendämmerung desMbstbcwußtseins lebende kleine Kind gewinnt eine wenn schon unbestimmte dochlebendige Anschauung von dem geistigen Leben seiner Umgebung. Im fortschreitendenLeben, sowie das Selbstbewußtsein, welches selbst ein doppeltes Gebiet geistiger An-schauung, das der realen Sclbstauschauuug und das des Phantasielebens, einschließt,klarer und tiefer wird, erweitert und bereichert sich immer mehr die geistige Anschauungs-N'clt hauptsächlich durch Vermittlung der Sprache, also mit Hülfe begrifflicher Auf-sissung, doch so, daß dabei die Reflexion wieder zurücktritt. Es gicbt umfassende undhöchst wichtige Bildungsmittel, welche wesentlich auf der geistigen Anschauung beruhen,i»id deren Wirksamkeit man schmälert, wenn man voreilig und im Ucbermaß die begriff-liche Thätigkeit der Kinder in Anspruch nimmt; solche sind Poesie und Geschichte.- Die Anschauung ihrem allgemeinen Inhalte nach ist Vorstellung des concretenLebens in seiner Gegebenheit, ohne Abstraction und ohne das Bewußtsein allgemeinerPlincipien. Der Mensch verhält sich also, sofern er anschaut, rcceptiv, die erzeugendeKraft liegt nicht in seinem Ich, sondern in der concreten Wahrheit, welcher er unbe-wußt oder sich selbst vergessend hingegeben ist. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die^Anschauung ohne innere geistige Thätigkeit sei; diese fehlt nicht, nur ist sie nicht dieder selbstbewußten Freiheit. Ohne die unbewußte Wirksamkeit geistiger Kategorien in«ns kommt nicht einmal die sinnliche Anschauung zustande, viel weniger die geistige.Tic Anschauung ist hiernach gleichsam die lebendige Brücke für den Wechselverkehr desflm'ußten und des Unbewußten in uns. Sie bringt die in unsrer Natur liegendenbincipim in Gefühlen, Neigungen, Ahnungen und unwillkürlichen Urtheilen zu einernsenlichcn Wirklichkeit, macht sie zu einer inncrn Selbsterfahrung; sie giebt der be-gnffsbildcuden Thätigkeit des selbstbewußten Geistes Anregung und Stoff, und bereitetdurch die Verbindung dieser beiden Dienste das freibewußte Jdeenleben vor. Andrer-seits ist sie, in der Hand einer weisen Erziehung, geeignet, die Vernunftanlage derMur selbst zu bereichern und zu veredeln; denn das Angeschaute, indem es in unszur Anschauung wird, ruft das nämliche Princip, woraus cs hervorgegangen, auch inuns, den Anschaucndcn, zur Wirksamkeit. Es liegt hierin ein Großes für die ästhetische,sittliche und religiöse Bildung, aber auch eine Gefahr, da sinnliche Anschauungen ihrlflisiologisches Princip zur Unzeit und nrit einseitiger Gewalt in uns beleben können,Wd selbst die Kraft egoistischen Thuns, in deren Anschauung ein Kind lebt, das for-Imale Jchprincip zu ungebührlicher Zuversicht und Geltendmachung zu steigern droht,Lesern nicht Anschauungen anderer Art das nöthige Gegengewicht geben. Die Wirk-samkeit des Beispiels erklärt sich zum Thcil schon aus der Macht der Anschauung.

Unter den deutschen Pädagogen hat Pestalozzi den Begriff und die Bedeutung derAnschauung vollständiger und tiefer erkannt, als seine Vorgänger. Herbart gieng aufMn Spuren, als er von der Erziehung eineästhetische Darstellung der Welt" ver-! langte. Den Vorgängern war die Anschauung nur Anknüpfungspunct für die Bildungrealer Begriffe und für die Stärkung des Wirklichkeitsgefühls zur Bekämpfung phan-j Wischen und weichlichen Wesens. Hierin lag wohlberechtigte, aber nicht volle Wahrheit.§ Erdings hat man in dcr Cultur der Anschauung, namentlich der geistigen, einep Jegenwehr wider die einseitige Vcrstandesrichtung gefunden. Mit Recht; nur darfs man die Bildung, auch die Volksbildung, durch diese immerhin doch auch einseitigeLMchtung nicht allzusehr beschränken wollen. Das Selbstbewußtsein mit seinen selbst-^jWßten Begriffen hat sein unveräußerliches Recht für das reifende Alter, und es istM' Jrrthuin, wenn man meint, daß die höhere Freiheit und Lebendigkeit sittlicherMsinmmg und religiösen Glaubens allein auf dem Wege der Anschauung erreicht^rden könne.

Der Begriff in seiner Allgemeinheit bildet jedoch erst die zweite Stufe desuikens und seine Cultur darf nicht allzufrüh in Angriff genommen werden. Er istseiner abstracten Natur ohne selbständiges Leben und muß sich an ein schon mehrMarktes Selbstbewusstsein anlehnen, das in seinem Streben nach selbständiger Thätig-" 'hu als Organ und Regel derselben in Anspruch nimmt. Dies geschieht bei ge-Wm Entwicklung in der Regel erst in der zweiten Hälfte des Knabenalters, inWer Zeit auch die ersten Versuche idealer llrtheile und Forderungen hervorzutreten