184
Ordnung.
vcn den Kindern vergessenen Kleidungsstücke, Bücher, Schirme, Ueberschuhe und ftderen sofortige Auslieferung cm die betreffenden muß ein für allemal durch festbcstÜMEinrichtung Sorge getragen werden. Für Reinlichkeit und Ordnung in den Bücher»muß nicht bloß im'Verlaufe des Unterrichts zu allen Zeiten, sondern auch durchssondre, von Zeit zu Zeit, wo möglich unerwartet cintrctcnde Revisionen gesorgt werde«Was die Hefte der Schüler betrifft, so ist bei solchen Revisionen auch zu fordern, d«ialle im Laufe des Semesters gelieferten Arbeiten vorgelcgt werden. 4. Körperli»,Haltung und Bewegung in den Schulräumen. „An der äußeren Siltsi»keit hängt ein gut Stück wirklicher Sittlichkeit" sagt Palmer treffend; und wie dirVernachläßigung einer geraden Haltung während des Unterrichts, und dies nicht „mbei kleineren Kindern, sofort auch einen Mangel der gescannten Aufmerksamkeit M ;spricht oder herbeiführt, so lassen schlechte Manieren der Schüler beim Ausstichen eft sNicdcrsihen, beim Hervortreten und Zurückgehen rc. immer auf einen Mangel dirrechten Achtung vor dem Lehrer und der Schule überhaupt schließen. Die Beweg»»;innerhalb der Schulräume muß einer festen Regel unterworfen werden, weil sich geradiin solchen Augenblicken der jugendliche Ucbcrmuth am liebsten gehen läßt. Es mxSorge getragen werden, daß während der Untcrrichtspausen in den Classcn, in di»Corridors, auf den Treppen und auf dem Hofe, ebenso wie bei dem Schlüsse dii stSchultages keiu Gedränge, kein Rennen, Springen, Stoßen ec. entstehe. Bestimmung!»darüber, wie die Schüler bankwcise hcrauStretcn, nach welcher Seite sie sich be« >Heraus- und wie beim Hineingchen zu halten haben, wo die Unterhaltung beginn!»dürfe oder wo sie aufhören müße, bringen in das Ganze dieser Bewegungen sehr lftidie erwünschte Ordnung, deren Mangel auf der andern Seite sofort die entstand!»! jAufregung in den Unterricht selbst fortpflanzt. Natürlich wird in kleineren Anstalt!» stund bei Mädchen die Ordnung in solchen Dingen weniger straff sein dürfen, als i» ;größeren Schulen und bei Knaben. Uebcrhaupt milßcn die gemeinsamen Bewegung!» twährend des Unterrichts und während der Pausen zwar zu einer gcwißen Präcism kgebracht werden, doch ist die eigentlich militärische Dressur auch in diesen Dingen z» !vermeiden. Diese gewinnt für den Schüler leicht etwas komisches und verdunkelt dü jsittlichen Zwecke der Ordnung. 5. Das Verhalten der Schüler gegen ein-ander. Aller Lieblosigkeit und Härte, Willkür und Roheit der Schüler in ihrem An- ^halten gegeneinander muß durch bestimmte, den Jnstanzenzug festsetzendc Anordnung!» stfür den Fall erlittener Kränkung vorgebcugt werden. Es ist von Wichtigkeit, daß dirSinn für Recht und Gesetzlichkeit frühzeitig gebildet werde, Damit dieser Sinn ft rentfalte, muß derselbe die betreffenden Anordnungen selbst durchdringen, und es msihm in denselben sowie in allen andern Einrichtungen ein Spielraum gegeben werk», 4sich zu bethätigen?) Erst dadurch (vgl. Bcncke a. a. O. S. 539), daß die Schill« ,sich selbst zur Theilnahme an der Leitung und Beaufsichtigung der Schulordnung bi- srufeu sehen, wird die Ordnung ihnen lebendig und wichtig. Die Wahl der O'dnrr, ^Aufseher, Pfleger, oder wie sie genannt werden mögen, darf keine willkürliche sein, ^muß vielmehr aus der ganzen Stellung des Schülers in der Elaste sich wie von M Iergeben. Zeigt sich dann ein Mangel der Anlage, auf andre zu wirken, so bleibt dm ILehrer immer die Auskunft, auf Grund dieses offenbar gewordenen Mangels em Handre Wahl zu treffen. Die wesentlichste Schwierigkeit in der Behandlung dieser Va- ;hältniste bleibt immer die, der Herrschsucht und Willkür cntgegenzutreten, die Gefahre»des Pennalismus abzuwcnden, und das richtige Maß der anvertrauten Gewalt zu bastimmen. Ganz gelingen kann die Sache nur dort, wo der evangelische Geist, dir ,das ganze Schulleben beherrschen soll, die Aufseher dahin führt, ihre Aufgabe als em ^Pflicht der Liebe aufzufassen und auszuübeu. Die verschiedene Frequenz und Gattung!der Schulen ruft mannichfache Formen hervor, in denen diese Theilnahme der Schirl« san der Aufrechterhaltung der guten Sitte und der Schulordnung überhaupt sich ent-wickeln kann. Schließlich muß die ganze Geschichte des Schullebcns ein treues Abbistfinden in dem Sitten- oder Tagcbuche der Elaste, in welchem die Fehlenden, die Zrrspät-
*) Ein billiger Spielraum für autonome Abmachung von Kleinigkeiten innerhalb des eigemKreises ist hiemit den Schülern zugestandcn.