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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Niemeycr.

Geist und Charakter gleich ausgezeichneten Wittwe deS Leibarztes Lysthcmus, gcb. v. Wumk >Geist und Charakter N.'s reiften unter Leitung dieser Frau ebenso frühe als stetig Mmännlicher Selbständigkeit heran. Im 17. Lebensjahr bezog er die Universität, wenelastische Plülotogic, besonders die alten Griechen gründlich studirtc. Von einem ein-gehenden Studium der Philosophie zeugt seine schriftstellerische Wirksamkeit, von steterFortsetzung desselben der Einfluß, welchen später die kritische Philosophie auf ihn W,, ^ kSein eigentliches Fachstudium auf der Universität indessen war die Theologie, st ^'welcher er besonders Semler zum Lehrer hatte. Ilnmittelbar von der Universität W! sward er Lehrer an der deutschen und lateinischen Schule der Francke'schcn Stiftung!,.

In seinem 23. Jahre promovirte er für den akademischen Lchrerbernf, und beg«!nun seine Vorlesungen über Philologie, durch welche er als einziger Vertreter dich; s

Fachs bis zur Berufung Fr. Aug. Wolfs 1783 an der Universität eine wesentliche M k

ausfüllte. Auch hörte er sein ganzes Leben lang nie auf, mit den Alten sich zu li- ^schäftigcn und seinen Geschmack, seinen humanen Sinn, sein Formtalent an ihmSchriften zu bilden.

Nur kurz erwähnen wir hier N.'s dichterische Leistungen, religiöse Dram»,Oratorien, Hymnen in Klopstockscher Weise. Von seinen religiösen Liedern haben sstmanche im Gemeindegesang erhalten. Bis in den späten Abend seines Lebens Mdem gefühl- und gemüthreichen Mann die Poesie eine treue, lohnende Freundin.

Schon 1775 trat N. als theologischer Schriftsteller mit großem Erfolg auf, in-dem damals der erste Band derCharakteristik der Bibel" erschien. N. reiht fitdamit in die Zahl der seltenen Männer ein, welche in den Jahren des Jünglings- ^

alters schon in männlicher Leistung vor ihre Zeit treten. Was den Charakter tu !

theologischen Wirksamkeit N.'s betrifft, so kann man sagen, daß der Theologe ebenst jzugleich durchweg Pädagog war, wie der Pädagog in ihm Hand in Hand mit d» ITheologen gicng. Tritt uns dabei der Schüler Semlers unzweideutig in jener frei- jsinnigen Geistcsrichtung entgegen, welche überall auf vernünftige Erkenntnis ausgehend, ^ ^die Ergebnisse der Wissenschaft und die Thatsachcn des Glaubens möglichst in Einklangzu bringen suchte, so bewahrte ihn dagegen der traditionelle Zusammenhang, in welch»er mit dem Spencrschen Pietismus durch die Halle'schen Anstalten stand, nicht »vor der religiösen Freigeistcrei der englischen Deisten, sondern auch vor der religikstiSeichtigkeit der philanthropistischen Pädagogik. Man muß cS als ein natürliches Erbtheilbetrachten, wenn dem Urenkel des edeln Francke ein intensiv frommes Gemüth eignete, welckkdas Verhalten der Kritik unter die Regel maßvoller Behutsamkeit stellte, um die Mensch!»bildende Bestimmung des Evangeliums in den Mittelpunct seiner Theologie zu rück»Stellt sich nun dieCharakteristik der Bibel" ganz unter diesen Maßstab, so buchauch darin die pädagogische Bedeutung des Werks. N. hatte es ja damit ans ei«!Behandlung der biblischen Geschichte abgesehen, durch welche er allen Erziehern diftreiche Fundgrube wieder zu erschließen suchte, welche für ihre Zwecke in den Charaktere»!der Bibel sich aufthut. Hier, sagt er, finden sie Züge, welche am nnmittelbarsm'ans dem Bilde der erhabensten und vollkommensten moralischen Schönheit, die all»dauerhaft ist, genommen sind. Wenn nun allerdings in dem Werke das religie«Moment in einer Weise meist zurücktritt, bei der das christlich-positive Interesse sitnicht befriedigt findet, so birgt dagegen der ernste und objective Geist, womit ernicht nur gegen zerstreuende und unsittliche Lectüre, sondern auch gegen frivole »»ftdcstructive Tendenzen der Zeit das Ansehen und das Lesen der Bibel wieder »ftzusrischen beabsichtigte, sogar ein apologetisches Interesse. Dabei ist übrigens ftpWerk so reich an praktischen Fingerzeigen für Behandlung der biblischen Geschickt!,an feinen psychologischen Bemerkungen, an moralischer Beleuchtung und Charakteristik,an Beiträgen zu allgemeiner und specieller Bibclkunde, populärer Verwendung wisst»'schriftlicher Ergebnisse, daß der Werth desselben für Schule und Lehrer noch hat!nicht unterschätzt werden darf. Es erschien nach und nach in fünf Bänden, und muckwiederholt aufgelegt.

Das Erscheinen dieses Werkes hatte 1779 seine Ernennung zum außerordentlickaProfessor der Theologie und Jnspcctor des theologischen Seminars zur Folge, llötwurde er ordentlicker Professor der Theologie, 1792 Consistorialrath. Seine Bstlesungen gehörten meist dem Gebiete der praktischen Theologie an. Seine Schuft