Neigungen, Triebe.
Nicineycr. ./
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rerscnlichkeit entspringen, nicht unsittlich, aber die Persönlichkeit dcS Menschen hatmr eine relative Bedeutung und soll nur dazu dienen, höhere Ideen zu rcalisiren;.daher haben auch die Neigungen, die auf Erhaltung und Entwicklung der Persönlich-keit sich beziehen, ihre bestimmte Grenze an der Idealwelt und haben sich innerhalbHeser Grenze zu halten, um sittlich berechtigt zu sein. Aber innerhalb dieser Grenzetsind sie ebenso berechtigt, als ihre Befriedigung und Geltendmachung nothwcndig undgeboten ist (vgl. d. Art. Selbsterhaltungstrieb, Selbstsucht, Eigcnthumstrieb, Spar-samkeit, Ehrgefühl u. s. w.).
Da die Triebe des Menschen, die durch sein Verhältnis als Perlon zu andern^Personen bestimmt werden, geistiger und sittlich berechtigter sind, als die bloß sinn-Mchen Triebe, so können jene, wenn sie gehörig entwickelt und gekräftigt werden, dazudienen, die letzteren zu beherrschen und zu mäßigen und so den Menschen wenigstens bisHuf einen gewißen Grad sittlich zu cultiviren. Dieser Punct ist für die ErziehungHon großer Wichtigkeit und wird daher in den meisten Lehrbüchern der Pädagogikgebührend hervorgehoben und auch in der Erziehungspraxis, oft sogar mehr als billig'nnd recht ist, geltend gemacht.
s Denn so viel Gutes auch diese Triebe, die aus dem Streben nach persönlicherSelbständigkeit, Ehre und Macht entspringen, bewirken, so sind sie doch nicht dieochsten Motive der Sittlichkeit, sondern müßen sich den rein geistigen Trieben zuletztmterordnen und in ihnen aufheben, wenn sie nicht doch eine Verzerrung des mensch-lichen Gemüths bewirken sollen. Die rein geistigen Triebe des Menschen entspringenaber aus der Bestimmung desselben, Träger des Geistes zu sein. Der Begriff desGeistes ist zwar bei verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten verschieden,mimer aber versteht man unter dem Geiste das für sich seiende Allgemeine, dem sichas individuelle Selbstbewußtsein gemäß verhalten soll oder das für sich seiende Un-endliche, in welchem sich das endliche Bewußtsein bestimmen und verklären soll. DieBestimmung des Menschen, ein Träger des Geistes zu sein, giebt sich von Jugenduf und das ganze Leben hindurch als ein Drang des Innern zu erkennen, den derMensch wohl durch verkehrtes Verhalten schwächen und verdunkeln, aber nimmermehraufheben und vertilgen kann. Im Grunde ist der Geistestrieb des Menschen nureiner, nämlich der Trieb, sich mit dem göttlichen Geiste in ein freies Verhältnis zri'eben, aber dieser eine Grundtrieb giebt sich doch je nach den unterschiedenen Be-kimmungen, die in der menschlichen Seele liegen, besonders drei verschiedene Formen;er erscheint entweder als Erkenntnistrieb oder als Bildungstrieb oder endlich als Frei-eitstrieb. Ter Werth des Erkcnntnistriebes liegt darin, daß die Erkenntnis, wannie ihr Ziel erreicht, auf den Menschen einen erhebenden, bessernden und befreiendenEinfluß ausübt, ihn über sein endliches Wesen erhebt und in der Ergreifung einer be-timmten Wahrheit für den Augenblick seine Bestimmung erreichen läßt. Daher istte ein vorzügliches Mittel, den Menschen zu dem zu machen, was er sein und werdenoll; denn je klarer und tiefer der Mensch die Wahrheit erkannt hat, desto mehrdrängt es ihn, sein Leben nach der Idee der Wahrheit zu gestalten. Und dieses Ver-langen und Bemühen des Menschen, das erkannte Licht der Wahrheit in alle Dunkel-et seines vielverzweigten äußeren und inneren Lebens hineinscheincn zu lassen, ist derreiheitstrieb. Aber wer im Geiste lebt, der trägt in sich das Verlangen, daß selbstlles äußere und sinnliche, was er an und um sich hat, so gestaltet werde, daß sichni ihm der Geist und die Wahrheit abspiegele, und dieses Verlangen ist der Bildungs-rieb. Er findet seine höchste Verwirklichung in der Kunst und besteht im allgemeinenmn, daß das Wirkliche so gestaltet wird, daß es als ein Abbild der Wahrheit geltenönne; denn das Schöne ist das Wirkliche in seiner Wahrheit?')
Nienttcher, August Hermann, der berühmte Kanzler der Universität Halle,ivmde zu Halle den 2. September 1754 geboren. Seine Mutter, eine geb. Frehling-auM, war die Enkelin von A. H. Francke. Sein Vater Johann Konr. PhilippNiemeyer war Archidiakonus au der Marienkirche. Die Mutter starb ihm im 9., derlater im 13. Lebensjahr. Von seinem 11. Jahre an lebte er in dem Hause der nach
') Vgl. A. W. Grube: Blicke ins Triebleben der Seele, Leipzig bei Brandstetter 1861.