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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Neigungen, Triebe.

werden muß. Nichtsdestoweniger ist die Leidenschaft an sich^ noch keineswegs immer»-tisch und verwerflich, jondern zunächst nur eine psychologische Bestimmung, wie dieBegierde und die Neigung, und cs kommt lediglich auf den Inhalt derselben an, ebsie unmoralisch oder moralisch ist. Wenn die Leidenschaft aus eine Idee sich beziclst,in welcher der Mensch den Zweck seines Lebens zu suchen hat, z. B. die Idee derWahrheit, so ist sie so wenig unsittlich, daß sie vielmehr als eine unwiderstehliche sitt-liche Kraft bestimmt werden muß; sie ist dam: so wenig zerstörend, daß der Menstdurch dieselbe vielmehr aus sich alles macht, was er nur irgend werden kann undsoll, und auch in der Welt das leistet, was er nur irgend leisten kann. Wemaus den bisherigen Erörterungen hervorgeht, daß auch die Leidenschaft zunächst «rein psychologische Bestimmung ist, so lehren sie doch andererseits auch, daß die Leiden-schaften es vor allem sind, die .uns nöthigen, an die menschlichen Triebe einen sittlichenMaßstab anznlegen und sie von moralischen Gcsichtspunctcn aus zu betrachten. DiesesVerhältnis der menschlichen Triebe bildet denn auch die nothwendige Grundlage siirdie pädagogische Behandlung des menschlichen Trieblcbcns und bedarf daher einer ge-naueren Betrachtung.

Wir unterscheiden in dem Menschen drei Stufen des Trieblebens, die aus dadreifachen Stellung des Menschen in der Welt folgen. Wir können nämlich daMenschen betrachten entweder als natürliches Individuum oder als Person oder als sGeist. Als natürliches Individuum theilt der Mensch die Triebe mit dem Thiere. lDiese animaliscken Triebe reduciren sich auf zwei, nämlich auf den Trieb der indiri- !duellen Selbsterhaltung und auf den Trieb, die Gattung fortzupflanzen. Der Trieb !!nach individueller Selbsterhaltung schließt mehrere besondere Triebe in sich, z. B. da sTrieb nach Speise und Trank, nach Schlaf, nach Bewegung u. s. f. Daß der Menstdie Triebe, die sich ans die individuelle Selbsterhaltung beziehen, befriedigen muß, müberhaupt als sinnliches Individuum zu existiren, ist klar, aber ihre Befriedigung ms sbet dem Menschen doch durch und durch eine andere Form erhalten, als bei dmThiere, wenn er anders nicht zum Thiere herabsinken soll; sie ist nur darauf hin;»-richten, daß der Leib ein Organ für den Geist werde und bleibe. Man soll alp !nicht mehr essen und trinken, als zur Erhaltung der Gesundheit des Körpers gerade -erforderlich ist. Dieselbe Bemerkung gilt für die Befriedigung der anderen sinnliche»Bedürfnisse (vgl. die Art. Mäßigkeit, körperl. Erziehung, Erholung). Die größte» ;Schwierigkeiten bietet die Behandlung des zweiten der oben genannten aus das si» >liche Selbst des Menschen bezüglichen Triebe, nämlich des Geschlechtstriebes dar. WaSin dieser Hinsicht zu geschehen hat, das weiter ausznführen, liegt diesem Aussätze fei»

(s. den Art. Geschlechtliche Verirrungen). Wohl aber liegt es in seiner Bestimmung,darauf aufmerksam zu machen, daß nach aller psychologischen Erfahrung jeder böse»Neigung und Begierde nur dadurch gründlich vorgebaut wird, daß man irr dein Mensche»zeitig edle und gute Neigungen und Begierden erweckt, die stark genug sind, dm böse»und unedlen Neigungen und Begierden, wenn sie eintrcten, Widerstand zu leisten mlsie zu überwinden.

Es ist aber schon oben erwähnt, daß die edleren Triebe doppelter Art sind, näm-lich solche, die mit der persönlichen Stellung des Menschen zu andern Mensche»zusammenhängcn und solche, die ans seiner rein geistigen Wesenheit entspringen. Tiebestimmte Stellung, die der Mensch anderen Menschen gegenüber cinmmmt und ciii-znnehmen berechtigt ist, macht seine Persönlichkeit aus. Mit dieser persönlichen Stellung,die der Mensch zu anderen Menschen eimnmmt, hängen nun mehrere Triebe zusammen, !die als eine neue Elaste von Neigungen, Begierden und Leidenschaften in dem mensch- >lichen Leben zur Geltung kommen. Der Trieb, sein unmittelbares Selbst ander» igegenüber zu erhalten, erscheint als Selbstliebe, der Trieb, seinen Willen in äußereTinge zu legen und sie dadurch dem Gebrauche von Seiten anderer zu entziehen, zeig! ,sich als Eigenthnmsliebe und endlich der Trieb, sich in der Achtung anderer zu er-halten, gicbt sich als Ehrliebe zu erkennen. Eine weitere Entwicklung der Ehrbegierdeist die Herrschbegierde. Alle drei Triebe können zu Leidenschaften werden; die Selbst-liebe nämlich zur Selbstsucht, die Eigenthnmsliebe zur Habsucht und zum Geiz, duEhrliebe zur Ehrsucht, und die Herrschbegierde zur Herrschsucht. Wäre die Persönlichedas Absolute im Menschen, so wären auch die Leidenschaften, die aus der Liebe zur