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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Neigungen, Triebe.

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sebr gut als böse, edel oder gemein, sinnlich oder übersinnlich sein können. AbStrahircnwir daher fiir's erste von dein Inhalte, den die genannten Formen des Trieblcbcns insich tragen mögen, und ziehen nur die rein psychologischen Formen für sich in Betracht,so wird man finden, daß die Begierden und die Neigungen zwar derselben Sphäre dcSTrieblebens angehören, aber innerhalb dieser Sphäre einen Gegensatz bilden. (DiesenGegensatz entwickelt am ausführlichsten und gründlichsten Daub in seinen Vorlesungenüber Anthropologie.) Die Begierde hat mehr oder weniger einen egoistischen Charakter,indem sie darin besteht, daß das begehrende Subject ein Object, welches seinen Triebenentspricht, sich aneignet und ihm hierdurch seine selbständige Existenz benimmt. Diewichtigsten Formen, in denen diese Aneignung des Objects zu Stande kommt, sind derGenuß, der Besitz und die Herrschaft. In allen diesen Formen ist die Begierde mitdem Verlangen verbunden, daß das Object, auf das sie sich bezieht, sich aufhebt undzu einem Mittel, um die Zwecke des begehrenden Subjects zu erfüllen, herabgesetztwird. Das Wesen der Neigung liegt gerade umgekehrt in einer SelbstentäußcrungdcS Subjects an das Object, und in einer Hingebung an dasselbe. Unsere Sprachepflegt alle Neigungen mit dem Namen der Liebe zu bezeichnen und niemand wirddaran zweifeln, daß jede Art der Liebe in Hingabe und Selbstentäußerung besteht.Mt man zusammen, was bisher von den Neigungen und Begierden gesagt wordenist, so wird man bestätigt finden, daß beide einander entgegengesetzt sind. In der Be-gierde will das Subject Selbstzweck sein und das Object als Mittel behandeln, inder Neigung will es sich als Mittel bethätigen, damit ein höherer Zweck realisirt werde.

Aber so entgegengesetzt Neigungen und Begierden in der menschlichen Seele sind,so setzen sie sich doch gegenseitig voraus, rufen sich gegenseitig hervor, und ergänzenund vollenden sich gegenseitig. Dies läßt sich schon im allgemeinen aus dem Begriffder Begierde und Neigung begreiflich machen. Denn betrachten wir zuerst die Begierde,so ist das Object, auf dessen Aneignung sie geht, jedenfalls ein von dem begehrendenSubjecte stets mehr oder weniger unabhängiges und selbständiges. Es kann dahernicht so ohne weiteres ergriffen und genossen werden, sondern das Subject muß stetserst gewißen Bedingungen, durch welche die Unabhängigkeit und Selbständigkeit desObjects aufgehoben wird, sich fügen, muß dem Objecte zu Gefallen sich abmiihen, aufsich selbst Verzicht leisten, über sich selbst hinausgehen und in diesem Verhalten ist dasWesen einer Neigung ausgedrückt. Andererseits entspringt die Neigung eines Subjectszu einem Objecte ohne allen Zweifel aus dem Bedürfnis des Subjects nach diesemObjecte. Aber dieses Bedürfnis des Subjects, ein Object zu haben und zu besitzen,dieses Gefühl, es nicht entbehren zu können und eben darum sich ihm zuwenden zumäßen, beruht auf einer Begierde und ist selbst eine Begierde.

Diese abstracten Bestimmungen über die Untrennbarkeit der Begierden und derNeigungen erhalten einen noch größeren Grad der Anschaulichkeit und werden in dem-selben Maße überzeugender, als man sie für einzelne Begierden und Neigungen inBetracht zieht. Betrachten wir z. B. die Herrschbegierde, so finden wir, daß der Weg,auf welchen: allein freie und daher wirkliche und wahrhafte Herrschaft über den Willeneines anderen Menschen möglich ist, Selbstentäußerung ist zu Gunsten des anderen also dasjenige, was wir als den Trieb der Neigung bezeichnet haben. Und daßcs umgekehrt eine bloße Einbildung wäre, wenn jemand meinen sollte, es könnte eineNeigung geben ohne eine entsprechende Begierde, das lehrt die Blüte der Neigungdie Liebe in allen Formen und Arten. Eben auf dieser Untrennbarkeit der Neigungund der Begierde beruht auch die Wahrheit, daß die volle und entwickelte Neigung diegegenseitige Neigung ist. So viel über die Neigungen und Begierden im allgemeinenund über ihr Verhältnis zu einander.

Was nun endlich die psychologische Natur der Leidenschaft betrifft, so kann siesich aus jeder Neigung und aus jeder Begierde entwickeln; Neigungen und Begierdenbrauchen sich nur bis zu dem Grade zu steigern, daß das lebendige Subject ganzdarin aufgeht und ihnen gegenüber unmächtig wird, so werden sie zu Leiden-schaften. Daher kommt es aber, daß die meisten Leidenschaften unmoralisch sind undden Menschen auf Irrwege führen oder ganz zerstören; das Unmoralische besteht dabeidann, daß Triebe des menschlichen Lebens, die nur Momente desselben sein sollen, zurTotalität erhoben werden, wodurch der menschliche Organismus zu einem Zerrbilde