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Neid.
Neigungen, Triebe.
Anschauung davon gewährt, wie glücklich ein Mensch ist, den Glaube und Liebe schlechthinneidlos machen. Wenn dagegen im Elternhause der Geist der Unzufriedenheit undSchelsucht herrscht, wie sollte in solchem Dunstkreis das Kind sich des Neides e>.- kwehren können? ' r
Ein Hauptmittel ferner, um solche Regung nicht aufkommen zu lassen, besieht kdarin, daß das Kind gewöhnt wird, nicht diejenigen, die mehr von den Gütern des sLebens empfangen haben, mit sich zu vergleichen, sondern diejenigen, die weniger habe» ?überhaupt nicht auf das zu sehen, was es nicht hat, sondern auf das, was es h»hund dessen als einer Gabe Gottes sich zu freuen. Wer sich glücklich fühlt, ist nichtneidisch, und wer dankbar ist für das, was er empfangen hat, der macht seinem Vsthl-thäter im Himmel nicht Vorwürfe darüber, daß er einem andern noch mehr gegeben,
Die Moralisten unterscheiden vom Neide die Mißgunst; man vergleiche Reinhard(Moral I, S. 633), Kant (Tugcndlchre S. 133) und Schmid (christl. Lnttenlehr!
S. 752). Am richtigsten ist wohl die Bestimmung der beiden Begriffe bei Wuitke(Sittenlchre II, S. 102): „Der Neid kehrt mehr die Seite der Selbstsucht, dieM-gunst mehr die Seite der Lieblosigkeit hervor; jener ist mehr Gefühl, diese mehr eindiesem Gefühl entsprechendes Urthcil über das Glück anderer als ein unverdientes,"Vielleicht würde man aber auch sagen können: Neid sei der positive Ausdruck, W-gunst der negative; der Misgünstige gönnt dem Nebenmenschen das nicht, was er hat,der Neidische schießt begehrliche, zerstörungssüchtige, vergiftende Blicke darauf; beide sindaber immer eine und dieselbe Person; das Positive an dieser schlechten Gesinnung istein Negiren, dieses Negiren ist aber ein sehr positives Wollen. — Verwandt mit beidenist noch die Eifersucht und die Nacheiferung. Jene ist der umgekehrte Neid; der Eifer-süchtige ist im Besitz eines Gutes, das ein anderer nicht hat (z. B. einer AuszeiL-nung, einer Amtsgewalt, einer schönen Frau), er fürchtet aber, daß der andere sich das-selbe ebenfalls aneignen möchte. Der Natur der Sache nach kann dieses Uebel mKindesleben nur untergeordnet und selten Vorkommen; ist ein Schüler auf seinen lomeifersüchtig, so fällt dies unter die Kategorie des Ehrgeizes und ist hiernach zu bem-thcilen; ist ein Töchterchen eifersüchtig auf die Liebe seiner Mutter, so soll es einsehe»,daß die Liebe nicht theilbar ist, daß es sie ganz und ungeschmälert besitzt, auch wemsie noch andere umschließt. — Die Nacheiferung definirt Reinhard a. a. O. als das„Mißvergnügen über die Vorzüge anderer, welches zu einem Antriebe wird, sich durchAnstrengung seiner Kräfte möglichst hervorzuthun." Reinhard prädicirt sie als rühm-lich, sofern sie die Quelle der größten Handlungen sei, auch mit der wahrsten Hcch-achtung gegen den bestehen könne, welchem man nacheifere; fehlerhaft werde sie nur,wenn sie mit dem Neide sich verbinde, denn dann suche man dem Nebenbuhler durchunerlaubte Mittel Abbruch zu thun. Daraus allerdings wird alles ankommen, ob dasMotiv inr Neide liegt oder nur in dem durch den Gegenstand der Nacheiferung ge-weckten Bewußtsein der eigenen Kraft und des hierin liegenden Berufenseins zu hohemDingen.
Neigung, Trieb, Begierde und Leidenschaft. Das Gemeinsame dieserpsychologischen Bestimmungen liegt darin, daß sie durch das Bestreben eines lebendige»Subjects hervorgerufen werden, über seine unmittelbare Bestimmtheit Hinauszugehe»,mit einem Objecte in Berührung zu treten und durch Aneignung desselben seine Be-stimmung zu erreichen. Die innere Nothwendigkeit der Pflanze, durch Aneignungeines anderen und Hingabe an ein anderes sich als Individuum hervorzubringen undin der Gattung zu erhalten, ist der Trieb der Pflanze. Das Thier empfindet das-jenige , was zu seiner Entwicklung dient, und bewegt sich darnach hin und in dieserEmpfindung und Bewegung hat es Begierde. Ob sich in dem Thiere der LebeuS-trieb auch schon zur Neigung und zur Leidenschaft erhebt, ist zweifelhaft. Das ißwohl gewiß, daß die Begierde, die Neigung und die Leidenschaft erst im Menschen be-stimmt geschieden hervortreten. Wir halten uns daher auch bei der allgemeinen Er-klärung dieser psychologischen Bestimmungen, sowie bei der Unterscheidung derselben a»den Menschen, um nach diesen Betrachtungen ihre Bedeutung für die sittliche Erziehungins Licht zu stellen. Zunächst ist nun hervorzuheben, daß die Begierde, die Neigungund die Leidenschaft rein psychologische Bestimmungen d. h. Regungen und Bewegungender Seele sind, die als solche mit der Moral noch nichts zu thun haben, sondern ebens»