Neid.
165
Nebenlehrer, s. Lehrer.
Nebenschule, s. Landschule.
Neglectenlistcn, s. (Schularten; Schulversäumnisse.
Nerd, eine der häßlichsten Formen des Egoismus, besteht in dem Nichtwollcn,daß ein anderer Mensch ine Besitz eines Gutes sei. Aerger über fremdes Glück, selbstwenn man für die eigene Person dasselbe vorher nicht begehrt hätte, und Haß gegendie Person des Glücklichen, bloß weil ihm ein Glück widerfahren ist, machen zusammendas Wesen des Neides aus, lassen aber auch über die negative und positive Verwerf-lichkeit desselben, als absoluter Lieblosigkeit und absoluter Ungerechtigkeit, keinen Zweifel.Und wie ein Neidischer mit seinem Hasse nicht nur den Nebenmenschen trifft, sonderneigentlich Gott hassen muß, der seine Gaben nicht nach dem Sinne des Neidischenaustheilt: so frißt der Unmuth ihm auch am eigenen Herzen. Als nothwcndige Folgedes Neides, als das einzige Gefühl der Genugthuung für denselben stellt sich dieSchadenfreude ein. Eine andere Form neidischer Gesinnung, die den gleichen Gradvon Egoismus verräth, ist diejenige, da man das fragliche Gut selber nicht entbehrt,aber nur nicht zugeben will, daß ein anderer auch desselben theilhaftig sei; der Neiderscheint hier in der Gestalt, daß man nur glücklich ist, wenn man den Neid der andernerregt; auch darin liegt die absolute Negation alles Gemeinschaftssinnes, aller Liebe.— Indessen läßt der Neid auch mildere Grade zu, was namentlich dann der Fall ist,wenn der Nebenmensch nur so lange beneidet wird, als man sich neben ihm zurück-gesetzt glaubt. Es ist auch oft schwer zu sagen, ob das Bittere, was im Gefühle desZurückgesetztseins liegt, wirklich Neid ist. Denn eine erfahrene Ungerechtigkeit gar nichtempfinden zu sollen, muthet uns kein Sittengebot zu. Aber hier zeigt die ethischeAnalyse auch deutlich die scharfe Grenze, die das Gebiet des Neides von wahren undgerechtfertigten Empfindungen trennt. Ich kann einen Menschen eines Glückes, dasihm widerfahren ist und auf das ich Anspruch hatte, für unwürdig halten, aber eskommt nun darauf an, ob dieses Urtheil bei mir jenen Aerger und jenen Haß hervor-ruft oder nicht. Ist es der Fall, dann ist der Neid mit seiner Qual über mich ge-kommen; aber das ist keineswegs eine psychologische Nothwendigkeit. Denn es istzwar schwerer, sich zu freuen mit den Fröhlichen, als zu weinen mit den Weinenden;aber es giebt bekanntlich doch auch Menschen, die jenes zu thun verstehen. Was siehiezu fähig macht, ist nicht schwer zu sagen. Es sind zwei Dinge, deren Namen unsalsbald mitten in das Christenthum versetzen: der Glaube und die Liebe.
Wie sich die Erziehung zum Neide zu stellen habe, ist hiernach unschwer zu be-stimmen. Würde derselbe erst mit reiferem Alter eintreten, so wäre die Aufgabe eineprophylaktische; es müßten nur Glaube und Liebe in des Kindes Seele eingepflanzt undgroßgezogen werden, so wäre dem Neide der Zugang versperrt. Aber die Sache ver-hält sich umgekehrt; ehe diese Gesinnungen in der Kindesseele Wurzel fassen können,ist der Neid schon da, eine Erfahrung, die mehr als irgend ein anderes Phänomen imKindesleben das Vorhandensein eines radicalen Bösen beweist. Je jünger das Kindnoch ist, um so weniger kann schon mit jenen sittlichen Großmächten dem Nebel ent-gegengearbeitet werden. Da bleibt also nichts übrig, als die Zucht, welche jeder Regungdes Neides mit scharfem Wort, ja mit angemessener Strafe (z. B. Entziehung derGabe, mit der das Kind nicht zufrieden war, weil es sie für kleiner hielt, als diedem andern verliehene) entgegentritt. Damit ist zwar die Wurzel des Bösen nichtausgerissen; aber es wird doch die böse Neigung lahm gelegt oder erdrückt: außerdemPrägt sich dem Kinde wenigstens der Eindruck ein, daß der Neid etwas häßliches,Schande bringendes ist. Man könnte fragen, ob nicht das Kind, um es in solcherUnterdrückung des Neides zu üben, manchmal absichtlich hintangesetzt werden solle,^as wäre aber eine verkehrte Maßregel. Denn in jedem solchen Falle würde sich derUnmuth des Neides in Unmuth über die Willkür des Erziehers verwandeln, und soWare das zweite Nebel noch schlimmer als das erste. So ist das Richtige vielmehrdies, daß der Erzieher seinerseits durch strengste Unparteilichkeit dem Neid jeden gerechtenGrund entzieht, in allen den Fällen aber, wo Ungleichheit unvermeidlich ist, demKinde die Nothwendigkeit, sich darein zu ergeben, einfach als Nothwendigkeit einprägt,dabei aber sobald als möglich ihm jene höheren Gesichtspuncte, die das Christenthumdarbietet, als Lebensweisheit ins Herz einpflanzt und durch das eigene Handeln eine