Druckschrift 
2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146

Naturgeschichte.

Bock ihren letzten Vertreter gefunden hat. Im allgemeinen schließt sich der Unterrichtan das Lesebuch an, das womöglich als Leitfaden und Lehrbuch benutzt wird. Tieder Rochow'schen Periode folgenden Schullesebücher bringen bis in die Neuzeit hineii,reichlichen Stoff für die Naturgeschichte. Rochow erkannte selbst, daß die fehlende ,Drdnung des Unterrichts ein Mangel sei, aber wo sollte die Zeit hergenommen wen lden? Für den Gebrauch des Lehrers empfahl Rochow Büschings Naturgeschichtewelche die Grundlage der später erschienenen Schulnaturgeschichten in Compcndi«,! §form wurde. . . i

Eine Erweiterung konnte der Unterricht nur in den Stadtschulen erfahren, detwurde hier der Unterrichtsstoff in trockenster Weise verarbeitet. Die Schulordnung«',dieser Zeit wenden sich mehr der Einrichtung der Schulen als dem Unterrichte zu,und die Bestimmungen über Ausgabe und Ziel des naturkundlichen Unterrichts sindsehr dürftig; doch darf diese Zeit als diejenige angesehen werden, in welcher der welt-kundliche Unterricht als nothwendiger Gegenstand in die Schulen eingeführt ist.

Durch Pestalozzi erfuhr der naturkundliche Unterricht und seine Methode un-mittelbar keine Förderung; nur die allgemeinen Unterrichtsgrundsätze, welche er idie Praxis der Schulthätigkcit einführte, haben auch für die Folgezeit mittelbar Ein-fluß auf die Methodik dieses Unterrichts gehabt. Dazu kommt, daß keiner der un-mittelbaren Schüler Pcstalozzi's, mit Ausnahme Räumers, sich mit den Naturwissen-schaften beschäftigt hatte. Dieser aber wurde durch seine akademische Unterrichtsthatigkeilvon der elementaren Behandlung der Wissenschaft abgezogen. Eine Förderung derMethodik beginnt erst mit der Weltkunde von Harnisch. Die Unterrichtsgrundsähe,welche er augcwendet wissen will, hat sein späterer Mitarbeiter am WeißenfcljerSeminar, Lüben, ergänzt und spccicll auf die Naturgeschichte angewendet. Auf Lübens 'Bedeutung kommen wir weiter unten zurück. Seine an einer mehrclassige» Schule (gewonnenen Erfahrungen brachte er sowohl durch die eigenen Lehrbücher und Leitfäden, ,als auch besonders durch seine kritische Thätigkeit in Diestcrwegs Wegweiser und in, rPädagogischen Jahresbericht in die mehrclassigen Schulen. Für die ein- bis dm-classigen Schulen blieb dagegen der naturkundliche Unterricht noch eine offene Frage.

Das Lesebuch (namentlich das der sogenannten Regulativzeit) war mit reiche»,Stofs für den Unterricht in der Vaterlands- und Naturkunde versehen, der selbst du»»genügen sollte, wenn besondere Stunden für diese Unterrichtsfächer angesetzt wäre«.

Es muß im allgemeinen anerkannt werden, daß die Verfasser dieser Lesebücher sich,bemühten, lebensvolle Bilder zu suchen oder selbst zu arbeiten. Dank den vorzüglichen iMustern Alexander von Humboldts, dessen Einfluß auf die Darstellung naturkundlicherGegenstände und infolge dessen auch auf die Lesebücher noch nicht genug gewürdigtist, hatten seitdem auch die Forscher sich bemüht, ihre Beobachtungen und Entdeckungenin schöner Sprache zum Ausdruck zu bringen.

Erst in der allerneuestcn Zeit gelangte endlich auch die Naturkunde in der m-classigen Schule zu einer selbständigen Stellung, und brachte die Bedeutung, welchdie Naturwissenschaften in unserem Jahrhundert durch ihre vielfach in das Lelm 'cinwirkenden Errungenschaften haben, zu einem Ausdruck. Es soll dabei nicht verkamt,werden, daß in unfern einfachen Landschulen (und sie stellen das größte Contingent sder Schulen überhaupt) bei den vielfach störenden Einwirkungen, welche namentlich ;die Beschäftigung der Bevölkerung auf den Sommerschulbesuch der Jugend übt, derEinfluß des Unterrichts noch lange nicht der erwartete sein wird. ,,

Die Stellung, welche der naturkundliche Unterricht unter den Unterrichtsgegenstäich» ;einnimmt, ist schon durch die oben citirten Worte des Comcnius und im allgemeinen' -bei Francke angedeutet. Tie heutige Pädagogik Pflegt das weite Gebiet menschlich» >Wissens um die drei Mittelpuncte Gott, Natur, Mensch zu gruppim, lund in dieser Theilung der Wissensgebiete liegt auch die Anerkennung von der NH >Wendigkeit der Naturkunde als Untcrrichtsgegenstand. Allerdings ist diese Anerkennung -ihr erst spät ^geworden und wohl mehr hcrvorgegangen aus der Bedeutung der natm- ,kundlichcn Fächer für das praktische Leben überhaupt, als aus der Hochschätzung ihres ,pädagogischen Werthes. Der jahrelang geführte Streit über den Werth des natm- ,kundlichen Unterrichts für höhere Schulen ist, wie Waitz bemerkt, mehr vom Standpunkteder Philologie und der Naturforschung als von dem der allgemeinen Pädagog»