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Nation.
Nationalbildung.
dringlichkeit, die sich eine Tisciplin erfordert, nicht mit der Halbherzigkeit des Dilettan-tismus oder des Luxus. Ter Betrieb dieser Unterweisungen muß alles ErusUgeschehen wie in den niederen so in den höheren Schulen. Werden die oberenSchichten der gelehrten schulen ein Interesse an Pflege nationaler Bildungsgüternoch mehr als jetzt zeigen, so werden die niederen Schulen nicht dahinten bleiben.Soll cs aber zu einer in nationalem Sinne wirkenden Erziehung im allgemeinenkommen, so hat dies nicht sowohl von Regierungserlassen und Vorschriften anzuhebenund abzuhängen, als vielmehr von einem verständigen Verlangen und Drängen, dasaus der Nation stammt, in der Nation sich regt; eine durch die Schule zu unter-stützende Nationalbildung mnß eine Nation zum Hintergründe haben, die sich selbstschon als Nation fühlt und die von der Schule etwas rechtschaffenes erwartet.
Wie in jener oben angegebenen Zeit die einen die Bildung der Nation dmDespotismus in Betrieb und Pflege geben wollten, so übernimmt diese heilige An-gelegenheit zu andern Zeiten diejenige Richtung der politischen Parteien, welche, weilsie des Beifalls der Menge gewiß sein darf, sich vorzugsweise die nationale zu nenne»liebt — als ob die Menge das Wesen einer Nation in seiner Integrität zu besitz«,zu wahren und zu verstehen im Fall wäre. Ihr ist natürlich Nationalbildung einesolche Richtung in der Bildung, die nur im Mistrauen gegen die Bestrebungen daRegierung und Dynastie in Gestalt von Spposttion sich auszuweisen versteht. Tawird denn nicht das, was die Nation liebt, begründet, gefestigt, sondern von ein«,kritischen Standpunct aus wird das, was der Geschichte der Nation gemäß und eigenist, gelockert und in Frage gestellt. — Lassen wir uns von jenen nicht irre mach«,sondern gehen, der Wahrheit trauend, ihren Spuren nach! Eine Nation muß selbstschon in einem gewißen Grade erzogen sein, ehe sie es unternehmen kann, ans ihr«Nachwuchs durch geordnete Erziehung nationell einzuwirken.
Eine Nationalerziehung kann nicht improvisirt oder decretirt werden, wedervom Gouvernement, noch von einem Convent, noch von Pfarrherru. Prototyp«,wie Luther, A. Herrn. Francke, Lessing, Friedr. der Große, Blücher u. a. mögen hin-reißend und fördernd auf ihr Zeitalter wirken und auf ihre Nation. Sie gaben dmAhnen, Verlangen, Streben ein anschaubares Ziel, das erreichbar schien für alle. Ei»gemeinsamer großer Gedanke, Entschluß, Wille und That gehört dazu. Ist hieve»etwas vorhanden, so wird die Schule, die nicht außerhalb des Lebens steht, sonder»von ihm getragen ist, etwas zu leisten in der Lage sein.
Indes ist die Schule selbst nicht das einzige Institut, das in einem staat-lich geordneten und durch die Cultur geförderten Nationallcben erziehend zu wirk»vermag. Jeder bedeutende Staat, der in einer Fülle von tüchtigen Menschen ei»reiches, kraftvolles, deutlich ausgeprägtes Leben darstellt, wird in den Anstalten siirdie Pflege des Gemeinwesens, für die öffentliche Rechtsverwaltung, in seiner Heeree-verfassung wie das deutsche Reich, in seiner Presse wie England, in allen Ver-zweigungen seines verständig geleiteten Vereinswesens für Gewerbfleiß, Fortbildung,Gesang und selbst für Schützenthum und Turnerei, ja wir wagen zu sagen, in seine«Festen, Denkmälern, Bauwerken, ja in seinen Höfen, den bäuerlichen, wie den fürst-lichen, ebensoviele Mittel haben, durch welche maßgebend auf die Entwicklung deSnationalen Lebens gewirkt werden sollte (vgl. Koblrausch a. a. O.)*).
*) Es giebt einen gesunden Particularismus, der so tief und so ursprünglich als nur irgendetwas in der deutschen Art und Geschichte begründet ist, und es ist auch jetzt, nach der Ausrich-tung des deutschen Reiches, nicht nöthig, daß die deutschen Stämme ihre Eigenthümlichkeiten al-solche aufgeben, um sich im großen Ganzen zusammeuzufinden; dies Ganze ist vielmehr nur ebendadurch ein so großartiges und reich gegliedertes, daß jeder Theil, der mit dazu gehört, zu dagewaltigen vielstimmigen Harmonie nach seiner unverkürzten Eigenart mitwirkt. Auch jetzt nochsoll und darf der Schwabe, der Bayer, der Sachse u. s. f. sich in seiner heimischen Art behaglichfühlen, der Verdienste, die sich sein Stamm um die Ehre des Gesammtvaterlandes, um Wissen-schaft und Kunst, um die Sache des Fortschritts erworben hat, und der Männer, welche die Trigadieses Ruhmes sind, mit berechtigtem Selbstgefühl sich freuen, an den besonderen Gütern, die erder Natur des Bodens, der Verfassung seines Landes, den weisen Einrichtungen der Vorvordemverdankt, sein herzliches Wohlgefallen haben und dem angestammten Fürstenhause, mit welchem